Fans aus dem Altkreis kritisieren: Schalker Ehrenrat im Fall Tönnies "zu lax"

Heimische Fans des FC Schalke 04 äußern sich zur Rassismus-Debatte um den Aufsichtsratschef. Eine „Rote Karte“, wie von den Ultras der Knappen gefordert, würden sie bei aller Kritik nicht ziehen.

Claus Meyer

In der Kritik: Clemens Tönnies erregte mit Äußerungen beim "Tag des Handwerks" massiv Anstoß. - © Christian Weische
In der Kritik: Clemens Tönnies erregte mit Äußerungen beim "Tag des Handwerks" massiv Anstoß. (© Christian Weische)

Altkreis Halle. Clemens Tönnies hatte am vorvergangenen Donnerstag beim Tag des Handwerks in Paderborn gesagt, er würde gerne im Jahr 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren. Denn: „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren."

Nun nimmt Tönnies auf eigenen Vorschlag hin drei Monate Auszeit vom Schalker Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender er ist. Der Ehrenrat der Knappen wertete Tönnies’ Äußerungen als Verstoß gegen das in der Vereinssatzung und im Leitbild verankerte Diskriminierungsverbot – hält den Rassismusvorwurf gegen den mächtigen Chef des Aufsichtsrats aber für unbegründet. Legt sich nun die Aufregung um den Auftritt und die Aussage des Fleischfabrikanten aus Rheda-Wiedenbrück?

"Aussage ist ohne jede Diskussion zu verurteilen"

Die heimischen Fans der Blau-Weißen haben ihre eigene Sicht auf die Causa Tönnies. „Tönnies’ Aussage ist ohne jede Diskussion zu verurteilen. Inhaltlich ist sie Quatsch und untragbar. Er weiß, dass er einen Fehler gemacht hat", sagt etwa Schalkefan Johnny Dähne aus Werther. In seiner jovialen Art habe der Aufsichtsratschef witzig sein wollen, das sei gründlich schief gegangen. Die Sanktion des Schalker Ehrenrats hält der Mitarbeiter des Haller Kreisblatts für „zu lax". Dähne hätte es begrüßt, wenn Tönnies beispielsweise eine Spende für ein antirassistisches Projekt auferlegt worden wäre.

Einen Vereinsausschluss hätte Dähne andererseits aber auch für unverhältnismäßig gehalten. „Clemens Tönnies ist ja vor seiner Rede in Paderborn nie in den Verdacht geraten, rassistisch zu sein", sagt der Schalkefan. Tönnies’ Äußerung werde beim morgigen DFB-Pokalspiel der Schalker beim Regionalligisten SV Drochtersen/Assel keine große Rolle spielen, ist Dähne überzeugt; auch wenn es Fans gebe, die eine härtere Strafen forderten. „Deplatziert wäre es aber, Clemens Tönnies beispielsweise mit Plakaten zu unterstützen", findet Dähne.

Zumindest bei den Schalker Ultras dürfte Tönnies am Samstag kaum auf Fürsprecher dieser Art treffen. Die Fangruppierung nennt die Entscheidung des Ehrenrats eine „Farce" und fordert laut WAZdie „Rote Karte" für Tönnies.

Seit Mai dieses Jahres besteht der Fanclub Versmolder Knappen als eingetragener Verein. Über Clemens Tönnies und seine Aussage haben sich die Mitglieder noch nicht ausgetauscht. „Auch unser Fanclub hat Sommerpause", sagt der Zweite Vorsitzende Marcel Polensky zur Erklärung. Er äußert aber seine persönliche Meinung zum Aufsichtsratschef, ohne damit im Namen seines Versmolder Fanclubs zu sprechen.

Youtube-Star hält sich zurück

„Ich denke, es ist ihm im Anschluss schnell klar geworden, dass die Aussage falsch war", sagt Polensky. Rassismus unterstellt Polensky Clemens Tönnies nicht. Er schätzt den Schalker Aufsichtsrat so ein, dass seine Worte nicht so drastisch gemeint gewesen seien, wie sie herübergekommen sind. Das eine oder andere Banner aus dem Fanblock könnte es am Samstag im DFB-Pokal schon geben, sagt Polensky. Ob pro oder contra Tönnies? „Das ist schwierig zu sagen."

Zum Youstube-Star hat es der Wertheraner Lennart Röthemeyer mit seiner Leidenschaft für den S04 gebracht. Seine filmisch festgehaltenen emotionalen Stadionauftritte verzeichnen im Internet siebenstellige Aufrufzahlen, auch wenn Röthemeyer bei Youtube unter dem falsch geschriebenen Vornamen »Lennard« firmiert.

Im Fall Tönnies hält er sich bedeckt. Das hat einen Grund: Röthemeyer ist Vorsitzender des Engeraner Fanclubs Königsblauer Fußballpower, der gut 50 Mitglieder hat. „Als solcher möchte ich nicht an der Diskussion teilnehmen", sagt er. Da er derzeit im Urlaub weile, kenne er zudem nicht den kompletten Zusammenhang im Fall Tönnies.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

1 Kommentar

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.