Diese Frau aus dem Altkreis testet Lauftreffs

Dennis Bleck

Immer mittendrin: Britta Ewert (links, in orange) testet den Bahntreff des LC Solbad in Werther. - © Dennis Bleck
Immer mittendrin: Britta Ewert (links, in orange) testet den Bahntreff des LC Solbad in Werther. (© Dennis Bleck)

Werther/Borgholzhausen. Schon ihr Autokennzeichen verrät, dass Britta Ewert eine begeisterte Läuferin ist. 4155 steht dort in schwarzen Ziffern auf weißem Grund. Es ist eine Zeitangabe: 41,55 Minuten. Ewerts persönliche Bestzeit über zehn Kilometer – aufgestellt vor einigen Jahren, als die heute 53 Jahre alte Powerfrau in den Ergebnislisten bei Volksläufen noch regelmäßig auf vorderen Plätzen zu finden war. Die Zeiten sind nun lange vorbei. Aber der Leichtathletik – und vor allem dem Laufen – ist Ewert treugeblieben. Nicht nur von Berufswegen.

Neun Lauftreffs hat Ewert bereits getestet

Die Mutter zweier Töchter ist Inhaberin des »ewy«-Laufshops. Seit fast 20 Jahren bedient sie in Borgholzhausen Kunden, verkauft ihnen Schuhe oder Equipment. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Andreas ist »Frau Ewy«, wie Britta Ewert von ihren Shopkunden liebevoll genannt wird, immer auf der Suche nach neuen Geschäftsideen. Stillstand oder Leerlauf? Das sind Fremdwörter für die taffe Blondine, die seit Anfang des Jahres einen neuen Einfall in die Tat umsetzt.

Als Lauftreff-Testerin tingelt Ewert durch Ostwestfalen. Melle, Gütersloh und natürlich der Altkreis – insgesamt neun Mal schon war sie in ihrer neuen Rolle unterwegs. Der Ablauf ist immer ähnlich: Ewert meldet sich bei den Lauftreff-Leitern und bietet ihren Test an. Anschließend nimmt sie an dem Training teil, spricht mit den Teilnehmern vor Ort und schreibt einen Bericht, den sie auf Facebook und Instagram veröffentlicht und teilt. Ewert wirbt für den Lauftreff, benennt Besonderheiten und Tücken, beurteilt den Schwierigkeitsgrad. Ganz nebenbei bringt sie sich als Inhaberin eines Laufshops ins Gespräch. Eine Win-win-Situation.

„Ehrenamtlich für Leute da zu sein, kann gar nicht schlecht sein"

Damit, dass sie durch ihre Präsenz Werbung in eigener Sache macht, geht Ewert offen um. „In einer von Männern dominierten Branche muss ich eben meine Ellbogen ausfahren", sagt sie. Die Idee Lauftreffs zu testen könne ihr kein Mitbewerber mehr streitig machen. Schon jetzt stünden die nächsten Termine fest. Erst eine Veranstalterin wollte ihren Lauftreff nicht bewertet wissen. Die übrigen seien mit Ewerts Beurteilung und ihrem Erscheinen immer sehr zufrieden gewesen. „Die Bewertungen sind auch durchweg gut", sagt die Testerin: „Überhaupt ehrenamtlich für die Leute da zu sein, ihnen Bewegung und regelmäßige Strukturen zu ermöglichen, kann ja auch eigentlich gar nicht schlecht sein", fährt sie fort.

Zuletzt testete Ewert das Bahnmeeting des LC Solbad. Weil, wie berichtet, das Stadion in Borgholzhausen derzeit saniert wird, wichen die Läufer hierfür nach Werther aus. Bis zu 30 Teilnehmer treffen sich regelmäßig einmal in der Woche, um in drei Leistungsgruppen gemeinsam an ihren Zeiten zu arbeiten und in Bewegung zu bleiben. Insgesamt fast zwei Stunden dauert das Training, das nach einer zweiminütigen Vorbesprechung begann und mit lockerem Auslaufen schloss. Mittendrin – neben den lizensierten Trainern – auch Ewert.

Trotz kleineren Wehwehchen am Knie zog die Einzelhändlerin ihren Test durch und drehte im gemächlichen Tempo einige Runden auf der Laufbahn. Ihr Fazit: „Wenn ich hier in die strahlenden Gesichter blicke, kann ich behaupten: Laufen macht glücklich." Und Bestzeiten, die irgendwann von alleine kommen werden, garantiert auch. Ewerts Autokennzeichen ist der beste Beweis.

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