Weltranglistenplatz 472: So will Wildcard-Inhaber Louis Weßels bei den Noventi-Open überraschen

Der ehemalige Versmolder hat eine Wildcard für das Tennisturnier bekommen. Er hat die niedrigste Weltranglistenposition aller Starter und will vor allem einem Gegner aus dem Weg gehen

Johnny Dähne

Vor dem Stadion: Am Mittwoch war für Louis Weßels kein Training auf den Plätzen möglich. Wegen des anhaltenden Regens waren diese mit Planen abgedeckt. Foto: Johnny Dähne - © Johnny Dähne
Vor dem Stadion: Am Mittwoch war für Louis Weßels kein Training auf den Plätzen möglich. Wegen des anhaltenden Regens waren diese mit Planen abgedeckt. Foto: Johnny Dähne (© Johnny Dähne)

Halle. Für Tennisspieler gibt es viele gute Gründe, sich während der Mittagszeit in der Lobby des Gerry Weber Sportparkhotels aufzuhalten – Regen gehört nicht dazu. Statt auf dem Platz Bälle zu schlagen und sich so auf die am Samstag beginnende Qualifikation für die Noventi-Open vorzubereiten, überbrückt Louis Weßels – die große rote Tennistasche immer griffbereit – die Wartezeit in einem der großen runden Sessel in der Empfangshalle.

„Heute wird es wohl nichts mehr", sagt Jannik Rother beim Blick auf das Display seines Smartphones. Das Regenradar sagt mit einem dunkelblauen Wolkenband Niederschläge bis weit in den Nachmittag voraus, so dass für Weßels Freund und Teamkollegen vom Zweitligisten Bielefelder TTC nur die anliegende Halle bleibt, um ein wenig für den großen Tag anzuschwitzen.

Das Wetter passt ins Bild zur bisherigen Saison von Louis Weßels. Zwei Außenbandrisse, ein wochenlanger Infekt sowie eine Mandelentzündung haben den 20-Jährigen gebürtigen Bielefelder, der in seiner Karriere auch schon für den Tennispark Versmold aufschlug, in seinem dritten Jahr auf der Profitour gebremst. „Seit drei, vier Wochen geht es wieder aufwärts. Aktuell fühle ich mich bei 90, 95 Prozent", sagt der blonde Hüne zum Stand seiner Leistungsfähigkeit. Nach der Finalteilnahme bei einem Preisgeldturnier vergangene Woche in Paderborn – einzig der Russe Yan Sabanin war ihm mit 6:4, 5:7, 6:2 überlegen – möchte Louis Weßels in den kommenden Wochen an seiner Weltranglistenposition schrauben.

Ligaspieler: Louis Weßels spielt für den Bielefelder TTC in der 2. Bundesliga. Zuvor war er beim TP Versmold. - © Andreas Zobe
Ligaspieler: Louis Weßels spielt für den Bielefelder TTC in der 2. Bundesliga. Zuvor war er beim TP Versmold. (© Andreas Zobe)

Rang 472 ist es aktuell, auf Platz 320 stand er dank seines bisher einzigen Erstrundensiegs bei einem ATP-Turnier schon mal. 2016 war es eine Wildcard für das Hauptfeld in Hamburg, die er nutzen konnte. Ist Ähnliches mit der Qualifikations-Wildcard nun in Halle möglich? „Es wird schon brutal schwer in der Quali. Die ist sehr stark besetzt, doch wenn eine Überraschung möglich ist, dann am ehesten auf Rasen", erklärt Weßels, der für den Sprung ins Hauptfeld zwei Matches im 16er-Feld der Qualifikanten gewinnen müsste, um einen der vier begehrten Startplätze zu ergattern.

Das letzte Mal hat Weßels in Wimbledon auf Rasen gespielt

Trotz der klaren Außenseiterposition gibt es Hoffnung im Weßels-Lager. „Louis hat einen sehr guten Aufschlag. Das ist auf Rasen schon mal die halbe Miete", sagt Jannik Rother. Augenzwinkernd fügt er in Weßels Richtung hinzu: „Am Sonntag habe ich keine Zeit. Ich kann dich erst nächste Woche wieder unterstützen." Das hieße, er würde seinen Freund im Hauptfeld spielen sehen. Bis dahin hätte sich Louis Weßels unter Matchpraxis auf Rasen akklimatisiert. Auf dem ungewöhnlichsten aller Tennisbeläge „habe ich das letzte Mal 2016 bei den Junioren in Wimbledon gespielt. Gegen Tsitsipas", erinnert sich Weßels an die Doppelpartie gegen den 15 Tage älteren Griechen, der damals als Erster der Jugendweltrangliste als Toptalent galt und mittlerweile bis auf Rang sechs der ATP-Weltrangliste durchgestartet ist.

Info
Der Spielplan für Samstag im Überblick – Court 1: Joao Sousa – Jannik Sinner (11 Uhr), anschließend Mischa Zverev – Lloyd Harris, anschließend Andrey Rublev – Mats Moraing; Court 2: Andreas Seppi (11 Uhr), anschließend Lorenzo Sonego – Matthias Bachinger, anschließend Thomas Fabbiano – Denis Kudla; Court 3: Louis Weßels – Miomir Kecmanovic, anschließend Sergiy Stakhovsky – Ernests Gulbis.

Sphären, von denen Weßels aktuell nur träumen kann, wobei ihm allein die Teilnahme an den Noventi-Open schon viel bedeutet. „Als kleiner Junge bin ich hier mit sieben, acht Jahren schon auf der Anlage gewesen. Hier zu spielen, war immer mein großer Traum", sagt Weßels verschmitzt. Viele heimische Tennisfans dürften sich am Samstagvormittag – die Qualifikation beginnt um 11 Uhr, der Eintritt ist kostenlos – auf den Weg machen und ihm bei der Erfüllung seines Herzenswunsches zuschauen. Eines dürften ihm seine Fans kurz-, mittel- und langfristig alle wünschen: Deutlich mehr Sonnenstunden als zuletzt.

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