Tough Mudder: HK-Redakteur Claus Meyer stellt sich der Herausforderung - eine Reportage

Auf 5.000 Metern durch Schlammlöcher und unter Stacheldraht her. HK-Redakteur Claus Meyer stellt sich in Arnsberg dem Tough Mudder und trotzt seiner Höhenangst

Claus Meyer

Hydrophobia: So heißt das Hindernis, das Claus Meyer hier überwindet. Angst vorm Wasser – so die Übersetzung – sollten Teilnehmer an dieser Stelle lieber nicht haben. Foto: Toughmudder.de - © Tough Mudder
Hydrophobia: So heißt das Hindernis, das Claus Meyer hier überwindet. Angst vorm Wasser – so die Übersetzung – sollten Teilnehmer an dieser Stelle lieber nicht haben. Foto: Toughmudder.de (© Tough Mudder)

Altkreis Halle/Arnsberg. Zwischen Oelde und Beckum auf der A2 höre ich das, was ich an diesem Vormittag hören möchte. „Man kann", sagt Teamkollegin Amrei, „auch an den Hindernissen vorbeilaufen." Sie muss es wissen. In Lüneburg hat sie schon mal ihre Tauglichkeit im Schlammlauf unter Beweis gestellt. Ich kenne die Hürden nur von Fotos. Knapp acht Meter hohe Ungetüme namens Mudderhorn. Hangelstangen über Dreckwassergruben. Ich leide an Höhenangst und bin traditionell Minderleister bei Turnübungen. 59 Euro Startgeld hätte ich also auch auf den lahmsten Galopper des Landes setzen können, denke ich.

Das Tough-Mudder-Gelände stimmt mich eine Stunde später milde. In dem Gehege vor dem Herdringer Schloss in Arnsberg grasen Hirsche. Das Wetter ist gnädig für Menschen, die gleich nass und schmutzig werden: 23 Grad, Sonnenschein. Die Bezirkshauptstadt hat sich rausgeputzt für 15.000 Starter an zwei Tagen. Freiwillige verteilen Koffeinshooter eines Mindener Kaffeerösters. Ich nehme gleich drei. Wenn ich versage, dann bei vollem Bewusstsein. Gut gelaunt fragt mich ein anderer Volunteer, ob ich mal die Fäden der Electro-shock Therapy anfassen möchte. Möchte ich nicht.

Das erste Hindernis heißt Feuchtgebiet - Hält, was es verspricht

Gleich gehts los. Eddie Vedder singt „I’m still alive". Könnten die das nicht besser beim Zieleinlauf spielen? Mein Team heißt Crazy SCHLAMMpen. Ich bin der einzige Mann in einer Frauenmannschaft und habe mir den Namen nicht ausgedacht. Aber das nur nebenbei. Am Start heizt uns Bootcamp-Man ein. Den Namen habe ich mir ausgedacht. Er lässt uns Liegestütze machen und geloben, niemanden zurückzulassen.

Startschuss. Das erste von 13 Hindernissen auf fünf Kilometern heißt Feuchtgebiet. Hält, was es verspricht. „Ist ja zu schaffen", denke ich noch, ehe ich beim Kiss of Mud unter Stacheldraht robbe. Dafür also der Zivildienst bei der Arbeiterwohlfahrt. Am Spread Eagle bewältige ich die Spanngurte über Wasser ohne reinzuplumpsen. Da geht noch was.

Mit Adrenalin im Blut laufe ich zur Höchstform auf

Nämlich am Everest. Kurzsprint, Rampe hoch und hoffen, dass mich jemand hochzieht. »30 Sekunden hängen lassen und nichts dafür tun, dass es die Helferinnen leichter haben«: So oder so ähnlich heißt meine exklusiv kreierte Disziplin, die Amrei und Irmi oben auf dem Everest mit Bravour bestehen. Niemand wird zurückgelassen.

An der Hangelstation gleichen meine Frau Alexandra, Irmi und Amrei Amazonasaffen. Ich springe – traditionell Minderleister – gleich auf den Boden, der erfreulicherweise schlammfrei ist. Dann kommt das Mudderhorn. Von dem ich träumte, wenn ich schlecht schlief. Mit literweise Adrenalin im Körper mutiert der Berg zum Hügelchen. Das Wantengeflecht hoch und wieder runter. Am Boden wartet schon mein Team. Kuss für Alexandra, Abklatschen mit den anderen. „Ohne euch hätte ich es nicht geschafft."

„Ohne euch hätte ich es nicht geschafft“: Claus Meyer (von links) mit seinem Team: Irmela Bünemann, Amrei Zinne, Alexandra Schaefer, Birgit Röthling und Tanja Beckmann. Foto: Jana Ruhkieck - © Jana Ruhkieck
„Ohne euch hätte ich es nicht geschafft“: Claus Meyer (von links) mit seinem Team: Irmela Bünemann, Amrei Zinne, Alexandra Schaefer, Birgit Röthling und Tanja Beckmann. Foto: Jana Ruhkieck (© Jana Ruhkieck)

Am Abend gehen Alexandra und ich mit Labradormischling Elfie um den Sandforther See. Stolz trage ich mein Ziel-T-Shirt. Ein Paar kommt uns entgegen. „Auch Tough Mudder?", fragt uns der freundliche junge Mann. Ich strahle. „Ja, heute in Arnsberg. 5.000 Meter." Umspielt da ein leicht spöttischer Zug seinen Mund? Bei ihm war es der klassische Lauf über 16 Kilometer – der mit Electroshock Therapy. Ist doch schön, wenn zwei das Gleiche erlebt haben.

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