Sportfreunde Loxten: Der Rhythmus kommt in der Rückrunde

Handball-Oberliga: Bis zum Trainingsauftakt am 13. Juni haben sich die Sportfreunde Loxten in die wohl verdiente Sommerpause verabschiedet. Zeit, um die erfolgreiche Saison 2018/19 Revue passieren zu lassen

Christian Helmig

Applaus, Applaus: Trainer Dirk Schmidtmeier feierte mit dem vierten Platz einen gelungenen Einstand in Loxten. - © Christian Helmig, HK
Applaus, Applaus: Trainer Dirk Schmidtmeier feierte mit dem vierten Platz einen gelungenen Einstand in Loxten. (© Christian Helmig, HK)

Anspruch & Wirklichkeit

„Wir wollen eine prominente Rolle spielen", sagte Dirk Schmidtmeier bei seinem Amtsantritt vor einem knappen Jahr. Heute steht fest: Loxtens neuer Trainer hat nicht zu viel versprochen. Die »Frösche« haben sich in der westfälischen Elite etabliert und die beste Platzierung der Vereinsgeschichte wiederholt. Der vierte Rang ist sogar noch höher einzuschätzen als 2017, weil Loxten mehr Punkte holte als vor zwei Jahren (31:21) und den Abstand zum breiten Mittelfeld der Liga vergrößerte.

Höhen & Tiefen

Nach dem Abschied von Führungsspieler Christian Kalms und dem Wechsel der „Gallionsfigur" (Schmidtmeier) Thomas Lay von der Trainerbank in die Sportliche Leitung dauerte es ein halbes Jahr, ehe die Sportfreunde ihren Rhythmus fanden. „In der Hinrunde haben wir Dienst nach Vorschrift abgeliefert", blickt der Coach zurück. Soll heißen: Gegen die nominell schwächeren Teams erfüllten die Loxtener ausnahmslos ihre Pflicht, auf einen Coup gegen einen der »Großen« der Liga warteten die Fans aber ein halbes Jahr lang vergeblich. Das änderte sich im zweiten Saisonteil: Dank der Heimsiege gegen den späteren Meister LiT (28:27) und die von Schmidtmeier ebenso hoch eingeschätzte Reserve des ASV Hamm (36:35) schwangen sich die Loxtener zur zweitbesten Rückrundenmannschaft auf.

Stärken & Schwächen

Auf den ersten Blick fehlt dem Tabellenvierten ein Top-Goalgetter. Gleichzeitig macht diese Tatsache das Team auch so unberechenbar. Wenn dem Gegner die Luft ausging, konnten die »Frösche« dank ihres enorm ausgeglichen besetzten Kaders in vielen Partien nachlegen – vor allem im Rückraum. „Viele Vereine beneiden uns darum, dass bei uns alle Spieler gleich torgefährlich sind", weiß Schmidtmeier. Dazu kam, dass die Sportfreunde – im Gegensatz zu den Vorjahren – von schweren Verletzungen nahezu komplett verschont blieben. Verbesserungsbedarf sieht Schmidtmeier derweil in Sachen Passsicherheit: „Wir müssen technisch sauberer spielen, damit alles noch ein bisschen schneller geht und wir noch weniger Ballverluste haben."

Gewinner & Verlierer

Über seinen eigenen Anteil am Erfolg möchte Dirk Schmidtmeier nicht urteilen. „Das sollen andere tun", sagt er. Also bitte: Wie der ehemalige Zweitligaspieler seinen ersten Trainerjob auf gehobenem Niveau gemeistert und die großen Fußstapfen seines Vorgängers Lay ausgefüllt hat, ist aller Ehren wert. Bemerkenswert vor allem, wie geräuschlos Schmidtmeier das personelle Überangebot moderierte. Der Coach selbst lobt lieber andere: seinen „super Mitstreiter" René Mittelberg und „das gesamte Betreuerteam" zum Beispiel. Auch Torwart Marco Possehl („Er hat uns viele Punkte gewonnen"), der aus dem zweiten Glied zurückkehrte, oder Kreisläufer Malte Weigel („Er hat sich toll entwickelt und wird künftig noch mehr Minuten spielen") haben den Coach überzeugt.

 

Handball-Oberliga TSG Harsewinkel – SF Loxten Malte Weigel Foto: Christian Helmig, HK - © Christian Helmig, HK
Handball-Oberliga TSG Harsewinkel – SF Loxten Malte Weigel Foto: Christian Helmig, HK (© Christian Helmig, HK)


Zur tragischen Figur dagegen avancierte Paul Blankert. Der Rückraumspieler kämpfte lange mit Rückenproblemen. Als er wieder fit war, „hatte er das Selbstvertrauen nicht mehr" (Schmidtmeier), um den Anschluss ans Oberligateam wiederzufinden. „Für Paul tut es mir leid, weil ich ihn als Typ total lieb gewonnen habe. Vielleicht sieht man sich ja irgendwann wieder", sagt der Coach.

Kommen & Gehen

Neben Blankert, der zum Verbandsliga-Aufsteiger TuS Brockhagen wechselt, müssen die Sportfreunde künftig auch auf Sebastian Hölmer verzichten. „Ich hoffe, dass er im Umfeld dabei bleibt", sagt Schmidtmeier. »Hölmis« Nachfolger Philipp Harnacke steht in den Startlöchern. Der Trainer warnt allerdings vor überzogenen Erwartungen an den 22 Jahre alten Rechtshänder, der vom Team Handball Lippe II kommt. „Es ist ein Unterschied, ob man in der dritten Liga 45 Minuten auf der Bank sitzt, oder bei uns 45 Minuten gefordert ist." Dass die Transferbilanz angesichts der finanziellen Möglichkeiten durch die Klaus-Peter-Reinert-Stiftung bescheiden ausfällt und der Kader sogar reduziert wird, ist für Schmidtmeier „absolut okay". Zwar hätten sich viele „fertige" Spieler beim Verein angeboten. Zu ernsthaften Gesprächen sei es, wie im Fall des Jöllenbecker Linksaußen Sebastian Reinsch, aber meist nicht gekommen. „Wir wollen unseren Weg weitergehen und uns mit jungen Leuten weiterentwickeln", betont der Trainer.

Chancen & Ziele

Mit dem Erfolg wachsen die Erwartungen. „Die Zuschauer und das Umfeld wollen jetzt mehr sehen", weiß Schmidtmeier. Vielleicht sogar den Aufstieg? „Das ist nicht unser Ziel", wiegelt der Coach ab und warnt: „Es wird nicht einfacher für uns." Andererseits hat in Meister LiT ein starker Rivale die Liga verlassen. Krösus TSG A-H Bielefeld steht vor einem erneuten Umbruch. Schmidtmeiers Ziel, „ein bis zwei Plätze höher einzulaufen", wirkt vor diesem Hintergrund nicht zu hoch gegriffen.

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