Gestürzter Hermannsläufer trifft seine Ersthelfer

Das Drama um Reiner Giersch hat ein glückliches Ende gefunden. Mittlerweile sind alle Verletzungen verheilt.

Gregor Winkler

Glückliche Gesichter: Die Ersthelfer Christian Degner (hinten links) und Norbert Piwek (hinten rechts) treffen auf Reiner Giersch (rechts) und dessen Frau Petra. Degners Kinder Kaja und Nick sind stolz auf ihren Papa. - © Peter Unger
Glückliche Gesichter: Die Ersthelfer Christian Degner (hinten links) und Norbert Piwek (hinten rechts) treffen auf Reiner Giersch (rechts) und dessen Frau Petra. Degners Kinder Kaja und Nick sind stolz auf ihren Papa. (© Peter Unger)

Bielefeld. Die Blessuren im Gesicht sind verheilt. Reiner Giersch steht in Jeans und Poloshirt an der Brücke zur Sparrenburg. Es hätte an diesem warmen Morgen durchaus auch Sportzeug sein können. Doch bevor der passionierte Hermannsläufer wieder seiner großen Leidenschaft frönen kann, muss er noch eine Herzensangelegenheit erledigen: Giersch trifft die Helfer, die sich nach seinem dramatischen Unfall während des Teuto-Klassikers um ihn gekümmert hatten.

Er war gestürzt, auf den Kopf gefallen und hatte sich ein Schädel-Hirn-Trauma zugezogen. Nach wenigen Minuten war er aber weiter gelaufen. Die Erinnerung an die Ereignisse, die sich kurz hinter der Schutzhütte oberhalb der Habichtshöhe zugetragen hatten, ist nicht zurück gekehrt. „Immerhin ist mir wieder eingefallen, wo ich morgens vor dem Bustransfer mein Auto abgestellt hatte", sagt der 58-Jährige leicht grinsend. Die meiste Zeit dieses Tages spielt sich für ihn im Dunklen ab. „So gegen 18 Uhr habe ich dann wieder etwas wahrgenommen", sagt er.

Norbert Piwek erscheint und steuert geradewegs auf Giersch zu. Der hat sich daran gewöhnt, dass er mittlerweile häufig erkannt wird. Seit diese Zeitung seinen Fall schilderte und ihn bei der Suche nach Zeugen unterstützte, ist er in der Szene noch bekannter als vorher. Immerhin war es sein 35. Hermann.

„Wir müssen erstmal ordentlich mit Ihnen schimpfen"

Der Freundeskreis unter seinen Laufkollegen ist ohnehin groß. Jetzt ist ein weiterer hinzu gekommen: „Wir müssen ja erstmal ordentlich mit Ihnen schimpfen", eröffnet Piwek lachend das Treffen. Giersch nickt verlegen und seine Frau Petra stimmt energisch zu.

Christian Degner schlendert heran. Der Hägeraner Altherrenfußballer war einer der Anwesenden, die sich minutenlang um Giersch gekümmert und den Notarzt verständigt hatten. Die Atmosphäre wird immer lockerer. „Dass Sie noch so eine Zeit knapp über drei Stunden gelaufen sind", staunt Degner, der selbst schon zweimal die anspruchsvolle Strecke von Detmold nach Bielefeld bewältigt hat.

Zum ersten Mal hat Giersch die Gesichter seiner Helfer vor Augen. Ihre Geschichten, in denen er immerhin der Hauptdarsteller ist, hat auch er aus der Zeitung entnommen. Piwek, der seinen 14. Hermann absolvierte, war als Erster beim Verletzten. „Meine Zeit war mir in dem Moment völlig egal", sagt er. Gottlob muss der M-40er regelmäßig seine Erste-Hilfe-Kentnisse auffrischen. Er wusste sofort, wie der Bewusstlose zu lagern war. „Ich kann mich an Sie erinnern. Sie haben uns angesprochen und gebeten, den Notarzt zu verständigen", bemerkt Degner.

Die Giersch-Kuhle geht in die Geschichte des Laufs ein

Dass offenbar alle weiteren Hilfsaktionen ineinander griffen, freut Giersch. Piwek machte sich nach den ersten Instruktionen auf den Weg zur Habichtshöhe, um die dort stationierten Sanitäter zu alarmieren. Degner und andere blieben bei Giersch, der wieder zu sich gekommen war. Als der aber aus heiterem Himmel aufsprang, um den Lauf zu beenden, waren seine Helfer sprachlos. „Freundlich, aber bestimmt", habe er sich verabschiedet. „So schnell konnten wir uns die Startnummer gar nicht merken. Und festhalten hätten wir ihn ja auch nicht können", sagt Degner.

Die Erleichterung über das Happyend ist groß, und für jeden Helfer gibt es von Giersch ein kleines Dankeschön. „Im nächsten Jahr laufen wir wieder", verabredet er mit Piwek. „Ich werde an der ominösen Stelle stehen und kontrollieren", verspricht Degner. Körperlich sind keine Schäden zurück geblieben. Giersch darf wieder laufen. Einziges Überbleibsel: Der kurze Abschnitt hinter der Schutzhütte dürfte wohl für alle Zeit als »Giersch-Kuhle« in die Hermannslauf-Geschichte eingehen.

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