Dieser 16-Jährige rennt den Berliner Halbmarathon schneller als jeder andere in seinem Alter

Florian Gontek

Auf der Überholspur: Jan-Eric Hornberg gewann seine Altersklasse beim Berliner Halbmarathon am 7. April; auch die zehn Kilometer lief er schon unter 40 Minuten. Kraft und Motivation geben ihm vor allem Familie, Freunde und seine Freundin. - © Florian Gontek
Auf der Überholspur: Jan-Eric Hornberg gewann seine Altersklasse beim Berliner Halbmarathon am 7. April; auch die zehn Kilometer lief er schon unter 40 Minuten. Kraft und Motivation geben ihm vor allem Familie, Freunde und seine Freundin. (© Florian Gontek)

Halle. Manchmal sind Wetten etwas Trügerisches. Schneller als 1:25 Stunden sollte Jan-Eric laufen. Dann gehen er und sein Freund aus Krabbelgruppentagen im nächsten Jahr zusammen beim Berliner Halbmarathon an den Start. Am Ende stoppt die Uhr für Jan-Eric Hornberg (16) an diesem 7. April, einem sonnigen Sonntag, 3:38 Minuten zu spät. 1:28,38 Stunden. Kein anderer der 139 Starter der männlichen Jugend B beim Berliner Halbmarathon – all denen also, die im Kalenderjahr 16 oder 17 Jahre alt werden – läuft die 21,1 Kilometer an diesem Tag schneller als der Blondschopf, 1,85 Meter groß, 72,5 Kilo schwer, der für die TG Hörste an den Start geht. Rennen gewonnen, Wette verloren. So ist das Leben.

An diesem Mittwochnachmittag, auch jetzt strahlt die Sonne wieder, sitzt Jan-Eric gut vier Autostunden vom Ort seines größten sportlichen Triumphes, dem Brandenburger Tor, entfernt am Küchentisch, trinkt Mineralwasser und kann über all das nur schmunzeln.

Ehrgeizig ist er immer: Auch auf dem Fußballplatz

„Stimmt, die Wette habe ich wohl verloren", grinst er. Jan-Eric, weißes T-Shirt, weiße Sneaker, blondes Haar, schwarze Sportuhr am Handgelenk, wurmen diese drei Minuten; zumindest ein bisschen. „Ich will schon immer gewinnen", sagt er. Das gilt beim Laufen, beim Wetten mit dem Freund – na klar, erst recht auf dem Fußballplatz.

Seit er sechs Jahre alt ist, ist der Fan des FC Schalke 04 am Ball – immer beim SC Halle. Mittlerweile auf der Zehn. Die Position also, die jeder spielen will. Denn wer dort spielt, vermag das Spiel der eigenen Mannschaft am besten zu lesen, so sagt man. Übersicht, Ehrgeiz, Teamfähigkeit – „das kann man glaube ich schon als meine Stärken bezeichnen", sagt Jan-Eric selbstbewusst und doch bescheiden.

Das läuferische Talent liegt in den Genen

Und wie passt das zum Laufen? „Die vielen kurzen Antritte, das hilft mir sehr", sagt Jan-Eric. Aus fünf bis sechs Einheiten besteht eine normale Woche bei Ihm: Fußballtraining und Spiel, funktionelles Krafttraining zuhause, ein bis zweimal die Woche Laufen – ganz für sich. Längere Strecken in Halbmarathon-Distanz werden es dabei nur selten, vielmehr steigert sich Jan-Eric Schritt für Schritt und hat dabei auch die Uhr immer im Blick.

„Ich beschäftige mich viel mit Training und auch Ernährung", sagt Jan-Eric, der die EF des Kreisgymnasiums besucht und sich nach dem Abi gerne dem Bereich Sportwissenschaften näher widmen würde. In einen Leichtathletikverein möchte er, trotz seiner jüngsten Erfolge, nicht eintreten. „So, wie ich es gerade mache, fühlt sich das gut an", sagt er.

Die Erfolge geben ihm Recht. In Berlin finishte er in diesem Jahr gut 15 Minuten schneller als 2018 (1:43,45) und auch beim Halbmarathon in Köln, im Oktober vergangenen Jahres, lief er als 7. seiner Altersklasse in 1:34,45 Stunden eine beachtliche Zeit. Fragt man Beate und Guido Hornberg, Jan-Erics Eltern, liegt das läuferische Talent ihres Sohnes wohl ein Stück weit in den Genen: Opa Hans-Peter finishte den Hermannslauf mehr als 20 Mal.

Hermannlauf ist derzeit noch kein Thema

Der OWL-Klassiker ist für Jan-Eric momentan noch kein großes Thema. Vielmehr hat er weitere Halbmarathons im Blick: Ganz sicher Berlin, gerne auch mal in Amsterdam oder Barcelona – auch ein paar Volksläufe will er gemeinsam mit seinem Papa mitlaufen. „Mittlerweile reisen wir aber nur noch zusammen an", grinst Jan-Eric.

Auf der Strecke geht er mittlerweile sein eigenes Tempo. Dass die 1:25 Stunden dabei spätestens nächstes Jahr in Berlin fallen sollen, steht für Jan-Eric fest: „Klar, die Wette läuft ja weiter."

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.