In Steinhagen ist Gehfußball der Renner

Die junge Abteilung der Spvg. Steinhagen feiert ihr einjähriges Bestehen. Der Trendsport entwickelt sich rasend schnell. Der Teammanager spielt trotz künstlicher Hüfte und Herzinfarkt.

Dennis Bleck

Filigran: Während der ersten Trainingseinheit im vergangenen April spielt Teammanager Rudi Deike (links) mit der Hacke. - © Max Backhaus
Filigran: Während der ersten Trainingseinheit im vergangenen April spielt Teammanager Rudi Deike (links) mit der Hacke. (© Max Backhaus)

Steinhagen. Rudi Deike ist 64 Jahre alt. Er hat ein künstliches Hüftgelenk und schon einmal einen Herzinfarkt erlitten. Daran, dass er jemals wieder Fußball spielen könnte, glaubte er nicht. Bis ihm Axel Börgers, Vorstandsmitglied der Spvg. Steinhagen, im März 2018 eine Idee offenbarte. Eine Idee, die Deike sofort in die Tat umsetzte und die sich heute, mehr als ein Jahr später, als Erfolgsgeschichte entpuppte.

Börgers schlug vor, in Steinhagen den Trendsport Walking Fußball zu etablieren. Rennen, Körperkontakt, hohe Bälle: Alles verboten. Fußball im Schritttempo. Deike war zunächst nicht überzeugt vom Lauf- und Zweikampfverzicht. Nach einer Probeeinheit beim VfL Wolfsburg änderte sich seine Meinung. Das Training beim Bundesligisten imponierte dem Rentner, der nur wenige Wochen später – im April vergangenen Jahres– seine erste eigene Übungseinheit in der Cronsbachhalle abhielt.

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Walking Fußball: Schon gewusst?

Als »Erfinder« des Walking Fußballs gilt der englische Fußballverein Chesterfield. Er soll 2011 den Trend ins Leben gerufen haben. Offizielle Richtlinien bestehen in Deutschland noch nicht. Die Regeln sind vor allem aus dem englischen Regelwerk übernommen. Fest steht jedoch, dass das Rennen untersagt ist und mit einem Freistoß für den Gegner geahndet wird. Der Ball darf nicht über Hüfthöhe gespielt werden, und gekickt wird im Modus sechs gegen sechs. Zudem ist die Abseitsregel aufgehoben. Im Vereinigten Königreich gibt es mittlerweile mehr als 1.000 Walking Fußball-Clubs. Und auch in Deutschland erfreut sich der Sport immer größerer Beliebtheit. Das hat auch der Deutsche Fußballbund (DFB) erkannt, der seinen Landesverbänden die Aufgabe erteilte, den Sport in denn kommenden Jahren zu etablieren.

Der älteste Spieler im Team ist 73 Jahre alt

„Anfangs habe ich unsere Ü 50 verdonnert mitzutrainieren", sagt Deike. Er wollte sichergehen, dass genug Spieler für ein vernünftiges Training erscheinen – am Ende waren es 13 Teilnehmer. Eine Zahl, die sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt hat. „Bis heute sind und waren 31 Spieler bei uns im Team aktiv", sagt der 64-Jährige. Dass die Sportart so viele Befürworter findet, überrascht ihn nicht.

„Viele spielen noch gerne Fußball, können das aus gesundheitlichen Gründen aber nicht mehr", sagt Deike: „Genau die möchten wir erreichen." Der älteste Spieler im Team ist 73 Jahre alt. Doch das ist nicht das, was Deike am meisten beeindruckt. „Wir haben auch drei Leute dabei, die wegen ihrer Krankheit deprimiert zu Hause gesessen haben", sagt er. Seitdem das Trio regelmäßig am Training teilnimmt, „spüre ich eine ganz neue Lebensfreude", freut sich Deike.

Das Team taufte sich Steinhäger Urkönige

Den ersten Geburtstag feierte die Abteilung in zwei Etappen. Am 6. April war die Mannschaft nach Leverkusen eingeladen, um dort erst gegen Bayer 04 ein Freundschaftsspiel zu bestreiten und anschließend das Bundesligaspiel zwischen den Gastgebern und RB Leipzig zu besuchen. Eine Woche später traf sich das Team mit den befreundeten Mannschaften aus Ummeln, Paderborn, Union Bielefeld, Enger und Wünneberg zur gemeinsamen Party.

Überhaupt pflegen die Steinhäger Urkönige, wie sich die Gehfußballer seit kurzen nennen, ein gutes Verhältnis zu allen anderen Vereinen. Regelmäßig waren die Vertreter aus dem Altkreis im vergangenen Jahr bei den Bundesligisten Schalke 04, Werder Bremen oder in Wolfsburg zu Gast. Andersherum kommen die Clubs immer gerne ins Schnapsdorf. Zuletzt am 3. Oktober 2018. Damals veranstaltete Steinhagen das bislang größte Walking Fußball-Turnier Deutschlands. „Ein voller Erfolg", wie Deike betont.

Und auch für 2019 ist der Terminkalender wieder rappelvoll. Erstmals wird die Spvg. Ende Mai an einem inoffiziellen Ligawettbewerb teilnehmen. Hinzu kommen einige Turniere und PR-Maßnahmen. Denn schon bald will Rudi Deike das Team in eine Hobby- und eine Turniergruppe unterteilen. Der nächste Schritt des steilen Aufstiegs.

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