Vor 3.500 Zuschauern: Kickboxerin Tanja Huth macht jetzt auch Käfigkämpfe

Dennis Bleck

Riesenevent: In diesen Ring steigt Tanja Huth am 27. April in Bremen. Es ist ihr erster Käfigkampf. - © Torsten Helmke
Riesenevent: In diesen Ring steigt Tanja Huth am 27. April in Bremen. Es ist ihr erster Käfigkampf. (© Torsten Helmke)

Versmold. Früher war Tanja Huth schüchtern. Der 33-Jährigen fiel es schwer, vor vielen Menschen zu sprechen. Ein Interview mit der Presse? Damals undenkbar. Noch im Oktober 2017 wog sie 86 Kilo. Huth liebte Pferde. Später machte sie ihr Hobby zum Beruf – wurde Pferdepflegerin. Eigentlich war sie mit ihrem Leben zufrieden. Dann sorgte ein schicksalhafter Vorfall in der Versmolder Innenstadt für neuen Schwung.

„Es war eine negative Begegnung", sagt Huth. Näher darauf eingehen will sie nicht. Doch es ist dieser Moment, der sie dazu bringt, eine Glandorfer Kampfkunstschule zu besuchen. Im »Center of Martial Arts«, kurz COMA, erkennen die Trainer schnell ihr Talent. Nach einem halben Jahr gewinnt sie in der Disziplin K1-Fullcontact, „der Königsklasse des Kickboxens", wie sie sagt, die ersten Turniere. Es ist erst der Anfang.

Denn Huth ist ehrgeizig. Sie trainiert sechs Mal in der Woche für zwei bis drei Stunden. Ihr Fleiß zahlt sich aus: Deutsche Meisterin, Europameisterin und Weltmeisterin – Huth holt in ihrem ersten Jahr als Kampfsportlerin gleich die großen Titel. Und auch in 2019 knüpft sie an diese Erfolge an. Vergangenes Wochenende wird die gebürtige Sassenbergerin erneut Europas Beste und feiert eine Premiere: Im Verband »World Fightsport & Martial Arts Council «(WFMC) landet sie in ihrer Gewichtsklasse (bis 65 Kilogramm) ihren ersten technischen K.o. „Nach neun Sekunden in der zweiten Runde flog das Handtuch", berichtet Huth mit Stolz. Denn im Ring kämpft sie mit vielen Nachteilen.

Europameisterin: Trainer Jens Schniedenharn und Tanja Huth mit Siegerpokal Foto: Privat - © Privat
Europameisterin: Trainer Jens Schniedenharn und Tanja Huth mit Siegerpokal Foto: Privat (© Privat)

„Meine Gegnerinnen sind meistens einen Kopf größer als ich", sagt die Pferdepflegerin. Um den Reichweitenvorteil zu kompensieren, begibt sie sich oft in den Nahkampf. Huth geht hohes Risiko. „Ich kenne nur den Vorwärtsgang", sagt sie. Der Erfolg gibt ihr Recht: Erst einen Kampf hat Huth verloren. Weil sich ihre Kniescheibe nach einem unerlaubten Tritt verschob, musste sie unter Schmerzen aufgeben. Trotzdem stand sie nur einen Tag später wieder im Ring. Training. Die nächsten Aufgaben warteten.

"Letztlich ist es ein Kampf wie jeder andere - nur der Ring ist eingezäunt"

Durch ihre Erfolge ist Huth von der D- in die C-Klasse aufgestiegen. Zwischen A- und D-Klasse wird nach Stärke eingeteilt. Nach der A-Klasse kommt die Profiklasse. „Spätestens in zwei Jahren möchte ich in die A-Klasse aufsteigen", sagt Huth. In ihrer Stimme schwingt dieses neue Selbstvertrauen mit, das ihr der Kampfsport verleiht.

Einen ersten Eindruck davon wie es ist, im Konzert der Großen mitzumischen, bekommt Huth am 27. April in Bremen. Dann wechselt die Versmolderin erstmals in ihrer Karriere in den Käfig. Etwa 3.500 Zuschauer gucken zu. »Rumble in the Cage« heißt das Event, auf das Huth derzeit hintrainiert. Die Vorfreude ist riesig, die Aufregung hält sich in Grenzen. „Letztlich ist es ein Kampf wie jeder andere – nur der Ring ist eingezäunt", sagt Huth. Ihre Gegnerin heißt Pia Peters. Ihr Ziel: „Natürlich der Sieg", sagt Huth.

Trotz ihrer Erfolge ist die Kampfsportlerin bescheiden geblieben. „Ohne meinen Trainer Jens Schniedenharn wäre ich nicht da, wo ich heute bin", sagt sie. Und auch die erfolgreichen Teamkollegen Mareike Hülsmann, Matthias Baumgart und Stefan Dornseif erwähnt sie. Schließlich sei da auch noch ihr Sponsor, ein Versmolder Supermarkt, der sie finanziell unterstützt. Denn Preisgeld gewinnt man in ihrer Kategorie noch nicht mal als Weltmeisterin. „Ohne Sponsoren geht es nicht", sagt Huth, die daher stetig nach weiteren Gönnern sucht. „Vielleicht hilft ja dieser Artikel", sagt sie, lacht und entpuppt sich plötzlich auch als Medienprofi.

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