LokalsportVöllig überraschend: Hägers Fußballer Jens Horstmann trifft Basketball-Star Dirk Nowitzki

Während seiner Dallas-Reise erhält "Hoshi" einen überraschenden Anruf. Wenige Stunden später steht er seinem Idol gegenüber. Plötzlich ist der sonst so wortgewandte Fußballer ganz stumm.

Johnny Dähne

Eine Unterschrift für die Ewigkeit: Dirk Nowitzki versah das Trikot von Jens Horstmann in den Katakomben des American Airlines Center mit seinem Namenszug. - © Foto: Keisha Wyatt (Player Relations Dallas Mavericks)
Eine Unterschrift für die Ewigkeit: Dirk Nowitzki versah das Trikot von Jens Horstmann in den Katakomben des American Airlines Center mit seinem Namenszug. © Foto: Keisha Wyatt (Player Relations Dallas Mavericks)

Bielefeld/Häger. Wer Jens Horstmann kennt, weiß, dass er nicht gerade auf den Mund gefallen ist. Der Fußballer, der in der Ü 32 der Spvg. Steinhagen und beim SV Häger kickt, beherrscht die ganze Klaviatur der verbalen Kommunikation. Ein flapsiger Spruch hier, ein meinungsstarker Vortrag dort – Horstmanns Stimme hat Gewicht. Doch in diesem Moment, als er in den Katakomben der American Airlines Center der Dallas Mavericks allein vor Dirk Nowitzki steht, ist es nicht weit her mit seiner Eloquenz.

„Ich stand da wirklich wie ein Fanboy. Das war alles so surreal", sagt Jens Horstmann, der in der Nacht von Montag auf Dienstag seinen Lieblingsspieler wieder aus der gewohnten Perspektive verfolgte: Als „The German Wunderkind" gegen die New Orleans Pelicans sein persönliches Punktekonto auf 31.424 Punkte schraubte und damit Wilt Chamberlain in der Punkteliste der National Basketball Association (NBA) von Platz fünf verdrängte, saß Horstmann daheim vor seinem Laptop.

„Das Spiel ging ja relativ früh um 1:30 Uhr los", erklärt »Hoshi«, wie ihn Freunde und Bekannte nennen, lächelnd. So eine Aussage tätigt nur jemand, der regelmäßig in der Nacht aufsteht, um den besten Basketballern der Welt möglichst nah zu sein. Fachzeitschriften, Podcasts, Spielzusammenfassungen und natürlich Livestreams im Internet – der 34-Jährige verwendet einige Stunden in der Woche, um in Sachen NBA auf dem Laufenden zu sein.

„Ich konnte es einfach nicht fassen, dass er wirklich da stand"

Obwohl der bekennende Fan des TSV 1860 München eigentlich Fußballer ist und neben seiner Spielertätigkeit auch als Trainer des B-Ligisten VfL Theesen II in Erscheinung tritt, „bin ich ein riesengroßer Basketball-Fan. Das Spiel hat so viele kleine Kniffe, ist taktisch sehr interessant", erläutert Jens Horstmann.

Doch wie kam es zum Treffen mit Dirk Nowitzki? Nachdem er keinen seiner Freunde von einem gemeinsamen Trip nach Dallas überzeugen konnte – „Irgendwas fehlte immer: Vor allem Geld oder Zeit" (Horstmann) – setzte er sich alleine in den Flieger in die drittgrößte texanische Stadt. Dort angekommen, bezog er sein Airbnb-Zimmer in der Peripherie der Metropole und besuchte tags darauf das Texas-Derby zwischen den Mavericks und den Houston Rockets. Das Ergebnis von 93:94 war für Horstmann eher Nebensache, hat Dallas doch ohnehin nur noch theoretische Chancen auf die Playoffs. „Ich saß in Reihe drei, fünf Meter von der Mavericks-Bank und damit auch von Nowitzki entfernt. Da war für mich schon klar, dass sich die Reise in jedem Fall gelohnt hat", sagt Horstmann. Doch es sollte noch besser kommen.

Der Ehemann einer Freundin stielte das Treffen ein

Zwei Tage später – vor dem Duell gegen die San Antonio Spurs – klingelte Horstmanns Handy. Am Apparat: Marc Charles. Der Ehemann einer Freundin von Horstmann wollte sein Geburtsdatum in Erfahrung bringen, um es weiterzuleiten. „Eine Woche vor der Abreise hatte ich mit Kim und Marc bei einem Kaffee zusammengesessen und von meiner Reise erzählt. Und dann ruft der mich an", berichtet Horstmann. Der Clou: Charles ist ein Freund der deutschen Handballlegende Christian Schwarzer, der wiederum mit Dirk Nowitzki befreundet ist. Am Ende dieses Beziehungsgeflechts sitzt nun also Jens Horstmann mittags in Dallas, in einem bekannten Pancake-Restaurant Eierkuchen essend, und bekommt gesagt, dass ihm Dirk Nowitzki einen „Post-Game-Pass" hinterlegen wird.

Sechs Stunden später verfolgt Jens Horstmann die 105:112-Niederlage der Mavs gegen die Spurs, nicht genau wissend, was ihn erwartet. Nach der Schlusssirene findet er sich in einem Bereich nahe des Spielfeldes ein, wo alle eine »Red Card« für den besonderen Zugang besitzen. Einige warten auf Trainer Rick Carlisle oder andere Spieler, Horstmann wartet auf den Mann mit der Nummer 41. Rund 45 Minuten und einige Nachfragen von Offiziellen und Sicherheitsbeamten später, ob er wirklich die Dallas-Ikone Dirk Nowitzki treffen würde, geht es los. „Ich bin mit einem elegant gekleideten Typen in die Katakomben gegangen, in einen großen Aufenthaltsraum.

„Ich hatte überlegt, ob ich ihn mit ’Hoshi’ unterschreiben lasse"

Und auf einmal ging die Tür auf – und dann stand er da", sagt Horstmann. „Ich habe erst mal drei Sekunden geguckt wie ein Auto, was mir im Nachhinein ziemlich peinlich war. Ich konnte es einfach nicht fassen, dass er wirklich da stand", erläutert der gebürtige Castrop-Rauxeler. Auf Nowitzkis erste Frage, ob er ein Freund von »Blacky« (der Spitzname von Christian Schwarzer) sei, erwidert Horstmann das oben beschriebene Wirkungsgeflecht. In dem fünfminütigen Gespräch war unter anderem die Meisterschaft der Mavericks 2011 ein Thema, „die mit wenig Schlaf und viel Arbeit bei mir verbunden war. Es war zu merken, dass Nowitzki das echt interessiert hat. Er ist wirklich ein umgänglicher, auf dem Boden gebliebener Sportler."

Einige Fotos später vor der Larry O’Brien Championship Trophy signierte Dirk Nowitzki das Trikot von Horstmann mit „Für Jens". „Ich hatte erst überlegt, ob ich ihn mit ’Hoshi’ unterschreiben lasse. Aber das konnte ich ja nicht machen", erläutert Horstmann lachend seinen großen Respekt gegenüber dem 2,13 Meter großen Hünen. Am Ende des Treffens mit dem 40-Jährigen Würzburger „habe ich ihm noch einmal gesagt, wie viel mir dieses Meeting bedeutet hat und dass er von allen Sportlern der Größte für mich ist. Bei diesen Worten huschte ein sehr breites Grinsen über Dirks Gesicht", erklärt Horstmann. Seine verbalen Fähigkeiten hatte er in diesem Moment längst wiedererlangt.

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