Trotz homophober Beleidigung: Umstrittener Schiri pfeift vorerst weiter

Dennis Bleck

Ist beleidigt worden: Halles ehemaliger Trainer Zygfryd Jedrzej - © Christian Helmig, HK
Ist beleidigt worden: Halles ehemaliger Trainer Zygfryd Jedrzej (© Christian Helmig, HK)

Halle/Löhne. "Du bist eine dumme, kleine Sau" und "setz dich hin, du Schwuchtel" - Diese Beleidigungen sorgten Anfang März für Entsetzen in der heimischen Handballszene. Während des Oberliga-Spiels zwischen dem ASV Hamm II und dem VfL Mennighüffen soll Schiedsrichter Michael Schiwek diese Sätze in Richtung Zygfryd Jedrzej losgelassen haben. Mehrere Ohrenzeugen sowohl aus Hamm als auch aus Mennighüffen bestätigten diesen verbalen Aussetzer.

Derzeit prüft der Handballverband Westfalen (HVW) den Fall. Wie Schiedsrichterwart Hermann Mehlig bestätigte sind die Stellungnahmen aller Beteiligten mittlerweile eingetroffen. Der Verband brauche aber noch etwas Zeit zur Sachaufklärung, weil es sich um einen Sonderfall handele. Es gilt Gründlichkeit vor Schnelligkeit, wie Mehlig sagte. Deshalb wird es wohl noch zwei bis drei Wochen dauern, ehe der Verbandsspruchausschuss eine Entscheidung fällt.

Ungeachtet des sportgerichtlichen Verfahrens und gemäß des Prinzips der Unschuldsvermutung darf der beschuldigte Schiedsrichter Michael Schiwek vorerst mit seinem Gespannpartner Marcel Maiwald weiter pfeifen. Am vergangenen Wochenende leiteten sie zum Beispiel die Verbandsliga-Partie TV Emsdetten II gegen TuS Nettelstedt II. Am 6. April sollen sie das Spiel der SF Loxten und Hamm II leiten.

Eine Kontaktaufnahme oder gar eine Entschuldigung des Schiedsrichters in Richtung Jedrzej habe es bislang nicht gegeben.

Kommentar:

Toleranz und Fair Play sind zwei Grundideen des Sports. Für jene, die an diese Ideale glauben, grenzt es an Hohn, dass Handball-Schiedsrichter Michael Schiwek trotz der Vorkommnisse vorerst weiter Spiele pfeift. Ja, in einem Rechtsstaat gilt der Beschuldigte solange als unschuldig, bis seine Schuld bewiesen ist. Und das ist auch gut so. Polizeibeamte aber zum Beispiel werden während eines Disziplinarverfahrens vom Dienst suspendiert. Bis zur lückenlosen Aufklärung dürfen sie ihrer Tätigkeit nicht nachgehen. Zumindest über eine vorläufige Amtsenthebung hätte HVW-Schiedsrichterwart Hermann Mehling zwingend nachdenken müssen.

Dass Referee Schiwek trotz aller Ohrenzeugen bis heute keinen Kontakt zu Zygfryd Jedrzej aufgenommen hat, zeugt weder von Einsicht noch von Reue oder Rückgrat. Säße ein Spieler oder ein Trainer auf der Anklagebank, wäre er sicherlich sofort gesperrt worden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.