Tobias Brockschnieder ist nicht mehr Trainer der Spvg. Steinhagen

Dennis Bleck

Sitzt ab sofort nicht mehr auf der Trainerbank: Tobias Brockschnieder - © Christian Helmig
Sitzt ab sofort nicht mehr auf der Trainerbank: Tobias Brockschnieder (© Christian Helmig)

Steinhagen. Tobias Brockschnieder ist nicht länger Trainer der Spvg. Steinhagen. Der 31-Jährige legte sein Amt am Samstag überraschend nieder. Erst vor rund zwei Monaten hatte der B-Lizenzinhaber seinen Vertrag beim Tabellenzweiten der Fußball-Bezirksliga um ein weiteres Jahr verlängert. Nun ist plötzlich Schluss. Eine Woche vor dem ersten Pflichtspiel in 2019 müssen die Spvg.-Verantwortlichen ein neues Trainerduo finden. Auch Brockschnieders Stellvertreter, Mesut Sahin, steht dem Club ab sofort nicht mehr zur Verfügung. Zwischen einzelnen Spielern und dem Gespann hat es einen Streit gegeben, der gegen Ende der Woche eskalierte.

Brockschnieder berichtet von Differenzen zwischen ihm und einigen Akteuren, die beispielsweise sein Training kritisierten. Bei der Übungseinheit am Freitag seien Spieler in der Kabine geblieben, hätten das Training verweigert. „Eine komische Situation", sagt der Rietberger und erklärte: „Von dem neuen Sportlichen Leiter Evran Cinar habe ich die Rückendeckung vermisst." Offenbar habe sich Cinar auf die Seite der Kritiker geschlagen. Eine Stellungnahme des 32-Jährigen, der erst vor rund vier Wochen die Nachfolge von Carsten Lochmüller antrat, blieb gestern aus. „Wir werden zum jetzigen Zeitpunkt keinen Kommentar dazu abgeben", sagte er gestern.

Brockschnieder indes bezweifelt, dass der Großteil der Mannschaft tatsächlich gegen ihn gewesen ist. Ein solches Veto sei am Freitagabend nach besagter Trainingseinheit an die Verantwortlichen herangetragen worden. Auch Andreas Wessels, kommissarischer Fußball-Obmann und Spvg.-Vereinsvorsitzender war gestern telefonisch nicht zu erreichen.

Sebastian Herrmann wechselt trotzdem zum TuS Quelle

Fakt ist, dass es innerhalb des Teams rumorte. Am Mittwochabend hatten sich Brockschnieder, Mesut Sahin, Evran Cinar und Wessels darauf geeinigt, zwei Spieler bis Saisonende zu suspendieren. „Die Entscheidung sollte den beiden am Samstag vor dem Testspiel mitgeteilt werden", sagte Brockschnieder. Bei dem Duo handelte es sich um Sebastian Herrmann und Benedikt Schoebel.

Die etablierten Kicker galten als Kritiker des erst im Sommer verpflichteten Coaches. Routinier Herrmann hatte am Mittwoch bekräftigt, den Verein nach elf Jahren wegen Differenzen mit Brockschnieder nach der Saison verlassen zu wollen. Trotz Brockschnieders Rücktritt, steht Herrmanns Entschluss fest. Mittlerweile ist auch klar, zu welchem Verein der 32-Jährige wechselt: Er wird ab Sommer das Trikot des B-Ligisten TuS Quelle tragen.

Darüber, wer die Spvg. Steinhagen in den restlichen Spielen übernimmt, kann Brockschnieder nur spekulieren. Evran Cinar wird es wohl nicht werden. So viel verriet der ehemalige Trainer des Bezirksligisten TuS Friedrichsdorf: „Ich bin Sportlicher Leiter, ich werde nicht als Coach fungieren", betonte er auf Nachfrage des Haller Kreisblatts.

Kommentar: Es fehlt eine starke Führung

Der Rücktritt von Tobias Brockschnieder kommt unerwartet. Der 31-Jährige hatte die Spvg. Steinhagen erst im Sommer übernommen. In kurzer Zeit ist es ihm gelungen, zwölf Zugänge zu integrieren. Als Tabellenzweiter steuert der Bezirksligist dem Wiederaufstieg entgegen. 2,2 Punkte holte Brockschnieder im Schnitt. Die nackten Zahlen sprechen für ihn. Trotzdem äußerten einige Spieler Kritik. Am Training, der Aufstellung, der Ansprache.

Es scheint, als hätten sich zwei Lager gebildet: Anhänger und Widersacher. Gerade als sich Trainer und Vereinsführung einig waren, in Sebastian Herrmann und Benedikt Schoebel zwei etablierte Kritiker zu suspendieren, bekamen die Club-Verantwortlichen kalte Füße. Die Stimmen der Widersacher haben offenbar mehr Gewicht als die der Anhänger. Zumindest überzeugten sie die Sportliche Leitung, Brockschnieders Qualitäten als Trainer zu überdenken. Weil ein Großteil der Mannschaft aber wohl gerne weiter mit dem Rietberger zusammengearbeitet hätte, bleibt abzuwarten, wie diese Spieler nun auf die »Revolte« reagieren.

Fest steht: Das erklärte Ziel Wiederaufstieg ist in Gefahr. Erste Aufgabe eines neuen Trainers wird es sein, die Grüppchenbildung innerhalb des Teams zu sprengen. Der Sportvereinigung ist zu wünschen, dass sie endlich die vakanten Stellen im Fußball-Vorstand besetzt. Es fehlt eine starke Führung, die das Rückgrat besitzt, unpopuläre Entscheidungen zu fällen und Verantwortung zu übernehmen.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.