Spielverbot während der Handball-WM

Friedrich Prill hofft durch die Weltmeisterschaft auf einen Boom im Jugendbereich wie nach dem Wintermärchen 2007. Der Vorsitzende des Kreisverbandes Gütersloh kann deshalb mit dem Spielverbot leben

Uwe Kramme

Unterstützung: Auch diese jugendlichen Anhänger der SF Loxten hoffen auf einen Erfolg der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der WM. - © Max Maschmann
Unterstützung: Auch diese jugendlichen Anhänger der SF Loxten hoffen auf einen Erfolg der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der WM. (© Max Maschmann)

Altkreis Halle. Friedrich Prill fiebert der Handball-Weltmeisterschaft 2019, die am morgigen Donnerstag mit dem Spiel Deutschland – Südkorea in Berlin eröffnet wird, entgegen. Und natürlich hofft der Vorsitzende des Handball-Kreisverbandes Gütersloh, dass sich das Wintermärchen von 2007, als sich die DHB-Auswahl im eigenen Land mit dem legendären 29:24-Finalsieg über Polen in Köln den Titel schnappte, wiederholt.

Aber noch mehr am Herzen liegt dem 68-Jährigen der Boom, den ein solcher Erfolg und ein größeres öffentliches Interesse an der Handball-Nationalmannschaft als in normalen Jahren auslösen dürfte. „2007 wollten plötzlich alle Kinder Handball spielen und strömten in die Vereine, die mit dem Zulauf jedoch leider nicht gut fertig geworden sind, weil es an Trainern und Übungszeiten in den Hallen fehlte", erinnert sich Prill. „Jetzt könnten wir so einen frischen Schwung und vor allen Dingen viele Jungs und Mädchen in unseren Vereinen aber wieder gut gebrauchen, denn seit 2010 haben wir im Nachwuchsbereich 25 Prozent Mitglieder verloren." Statt 275 Nachwuchsmannschaften im Jahr 2010 zählt der Handball-Kreisverband Gütersloh heuer tatsächlich nur noch 205.

Diese für ihn „existenzgefährdende Tendenz" will der Rietberger auch am Samstag zur Sprache bringen, wenn er nach 20 Jahren als Verbands-Vorsitzender zum letzten Mal den Handball-Kreistag eröffnet, um dann sein Amt in jüngere Hände zu übergeben (das HK berichtete). Gewappnet haben sich Prill und seine Vorstandskollegen auch für kritische Nachfragen der Kreistagsdelegierten zum bundesweiten Spielverbot, das der Deutsche Handball-Bund (DHB) für die Samstage 12. und 19. Januar ausgesprochen hat.

Prill hält Strafen für unnötig

„Ich persönlich halte diese Entscheidung für Blödsinn", sagt Prill. „Denn der nächste Spielort Köln ist vom Kreis Gütersloh weit weg, und wer dort trotzdem WM-Partien schauen will, der fährt sowieso, Spielverbot hin oder her." Nötig ist das unter Androhung von Strafen ausgesprochene Spielverbot an diesen WM-Samstagen für Prill ohnehin nicht. „Denn natürlich wären wir als Kreisverband dem Wunsch nach Spielverlegungen ohne Umstände nachgekommen, wenn Mannschaften von uns zur Weltmeisterschaft hätten fahren wollen."

Spielmacher: Friedrich Prill führt den Handball-Kreisverband Gütersloh seit zwanzig Jahren. - © nw
Spielmacher: Friedrich Prill führt den Handball-Kreisverband Gütersloh seit zwanzig Jahren. (© nw)

Selbstverständlich wisse er aber auch um die Verpflichtungen des DHB gegenüber seinen WM-Sponsoren und um die Hoffnung auf hohe Einschaltquoten bei den TV-Übertragungen. „Und dass Handball bei dieser WM endlich wieder im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen wird, ist für unsere Sportart ja auch ein Segen", räumt Prill ein. Gleichzeitig fragt er sich aber auch: „Könnte man nicht viel mehr erreichen, wenn unsere Vereine vor oder nach ihren Spielen zum Beispiel mit einem Public Viewing ihre Zuschauer und Anhänger einbinden dürften?" 2007 sei die Nationalmannschaft im Übrigen auch ohne Spielverbote Weltmeister geworden und hätte ein überragendes öffentliches Interesse am Handball ausgelöst, fügt Prill hinzu.

Dass das WM-Spielverbot am 12. und 19. Januar sowie in Westfalen zusätzlich am 20. Januar strikt eingehalten wird, steht für den Vorsitzenden des Handball-Kreisverbandes Gütersloh indes außer Frage. „Der Ärger um das Spielverbot während der Frauen-Weltmeisterschaft Ende 2017 ist schließlich immer noch nicht ausgestanden."

Spiele am Finaltag wären problemlos verlegbar 

Weil seinerzeit in einigen unteren Klassen – übrigens auch im Kreis Gütersloh – trotz Verbot gespielt wurde, hatte der DHB mehrere Landesverbände mit Geldstrafen belegt. Der westfälische Verband sollte zum Beispiel letztlich noch 5.000 Euro berappen. „Dagegen wurde geklagt. Ein Urteil ist mir noch nicht bekannt", berichtet Prill.

Übrigens: Sollte die deutsche Mannschaft das WM-Finale, das am 27. Januar um 17.30 Uhr im dänischen Herning angepfiffen wird, erreichen, sollen für diesen Tag angesetzte Ligaspiele problemlos verlegt werden können.

Info
Heimspiele zu ungewohnter Anwurfzeit

Mit einem Heimspiel gegen TuS Ferndorf II startet Oberligist SF Loxten am Wochenende in die Rückrunde. Wegen des Spielverbots am 12. Januar wichen die Sportfreunde zum ersten Mal seit langer Zeit auf einen Sonntag aus. Die Partie in der Sparkassen-Arena wird um 17 Uhr angepfiffen. Direkt davor (um 14.45 Uhr) bestreitet die Reserve das Bezirksliga-Topspiel gegen die HSG Löhne-Obernbeck. SFL-Vorsitzender Evers befürchtet durch den ungewohnten Termin „keine Einbußen". Er freut sich vielmehr, „dass unsere Zuschauer und wir selbst am Samstag das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Brasilien schauen können". Auch viele andere Altkreisvereine haben ihre Spiele verlegt. So treten die Landesligisten Spvg. Hesselteich (19.30 Uhr gegen SW Havixbeck) und TG Hörste (20.15 Uhr gegen Vorwärts Gronau) bereits am Freitag an.

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