Nach Mobbing – Spieler klagt: „Sie nahmen mir den Spaß am Fußball“

Teresa Kröger

Mobbing: Justin Schröder fühlte sich ausgegrenzt wie dieser Junge auf dem Symbolbild - © Fotolia
Mobbing: Justin Schröder fühlte sich ausgegrenzt wie dieser Junge auf dem Symbolbild (© Fotolia)

Halle. Nur ungern blickt Justin Schröder auf die Zeit zurück, in der er 14 Jahre alt war. Damals kickte der A-Junior des SC Halle bei Arminia Bielefeld. Er lebte seinen Traum. Er hoffte darauf, eines Tages Profi zu werden. Doch dieser Wunsch erfüllte sich nie. Stattdessen stieg er beim DSC aus – aber nicht freiwillig. Justin Schröder wurde rausgemobbt: „Sie nahmen mir den Spaß am Fußball", klagt er heute.

Schröders ganze Jugend war auf den Sport ausgerichtet. Schon als D-Jugendlicher ging es bei Turnieren gegen die großen Clubs. Er trat gegen Borussia Dortmund, Schalke 04 oder RB Leipzig an. Nicht nur einmal wählten ihn die Veranstalter zum »Spieler des Turniers«. Großen Vereinen blieb Schröders Talent nicht verborgen. Sie reagierten prompt. Unter anderem der VfL Wolfsburg wollte den Nachwuchsmann verpflichten. „Ich hätte dort aufs Sportinternat gehen sollen, hätte fürs Fußballspielen Geld bekommen", sagt Schröder über die große Chance. Weil er eine Knie-Entzündung erlitt, zog der VfL das Angebot zurück. Der Verein holte einen anderen Spieler. Für den Haller kein Beinbruch. Er blieb erfolgreich und begehrt – bis das Mobbing begann.

Justin Schröder wird beleidigt und bedroht

Fast sein ganzes Leben verbrachte der ambitionierte Jugendfußballer mit seinem Team. Doch genau diese Jungs begannen, Schröder zu mobben. Sie beleidigten und peinigten ihn. Schröder fühlte sich von Tag zu Tag unwohler, täuschte Verletzungen vor, um nicht zum Training zu müssen. Das Mobbing ging soweit, dass der Nachwuchskicker bedroht und bestohlen wurde. „Gib mir jetzt dein Geld, sonst schlag ich dich – sagten sie zu mir", erinnert sich Schröder. Er beugte sich dem Druck, gab seinen Peinigern das Geld. Manchmal hatten sie es sich aber auch schon selbst genommen. „Nach dem Training war mein Portemonnaie leer.Wenn ich daran denke, spüre ich noch heute ihre Blicke auf mir", erzählt Schröder.

Das war für den damaligen C-Junior zu viel. Er wollte nicht mehr. Auch seine Familie merkte ihm an, dass etwas nicht stimmte. Justins Mutter, Jennifer Dingwerth, sagt: „Wir haben ihn zur Rede gestellt und dann rückte er mit allem raus. Man merkte, wie tief der Schmerz bei ihm saß." Daraufhin wendeten sich die Schröders an den Verein. Sie konfrontierten den DSC mit den Ereignissen. Der Club reagierte und entließ einen Peiniger. Für Schröder zu spät. Schon lange hatte er keinen Spaß mehr am Fußball. Er sagte seiner Mannschaft, warum er aufhörte. Die Spieler, die ihn nicht mobbten, waren schockiert. Auch ihm ging dieser Moment nah: „Als ich den Jungs sagte, warum ich aufhören will, musste ich die Tränen unterdrücken", sagt er. Nach dem Gespräch habe er aber Erleichterung verspürt. „Es war endlich vorbei", berichtet er.

Auch privat muss Schröder einen Rückschlag verkraften

Sein damaliger C-Jugend-Trainer, Peter Slavov, sagte: „Wir sind ein Leistungsverein und es gibt immer mal Reibereien unter den Jungs. Wir wussten, da ist etwas, aber nicht genau was. Wir haben den Spieler dann auch entlassen, aber das alles als Mobbing zu bezeichnen, ist fraglich."

Schröders Vater, Förderer und Unterstützer in jeder Lebenslage, wollte, dass er die Entscheidung überdenkt. Doch Schröder hatte seinen Entschluss schon längst gefasst. „Ich will nicht wissen, wie vielen es auch so geht wie mir damals, und die nicht darüber reden", sagt Schröder.

Er nahm sich eine kurze Auszeit vom Fußball, ging dann zum SC Verl. Dort spielte er ein Jahr in der U 17. Als er keinen Vertrag für die U 19 bekam, verließ er den Verein wieder. Wenig später realisierte er, dass das schlimmste in seinem Leben noch kommen sollte.

Seine neue sportliche Heimat hat er in Halle gefunden

Schröders Vater erkrankte schwer. Diagnose Krebs. Für den jungen Fußballer war sein Vater immer die Bezugsperson. Fast jedes Spiel stand er am Rand und feuerte seinen Sohn an. Auch noch, als die Krankheit weit fortgeschritten war. Einmal ging er zu einem Spiel, obwohl es ihm ziemlich schlecht ging. Er kam allerdings nach kurzer Zeit wieder heim und ging für die Schlussminuten wieder hin. Am 22. Juni 2018 verlor Justins Vater den Kampf gegen den Krebs und starb.

In seiner Trauer suchte Schröder Halt und fand ihn wieder im Fußball. Dem Sport, den erst so sehr liebte. Nun kickt der 18-Jährige bei den A-Junioren des SC Halle. Der Traum von einer Profikarriere? Begraben. Doch das alles ist ihm nicht wichtig: „Hier habe ich den Spaß wieder gefunden", sagt Schröder. Es scheint so, als habe er nach all den Rückschlägen nun sein Glück gefunden.

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