HK-Interview mit Jan Phillip Lindemann: "Uns fehlt die Erfahrung"

Jan Phillip Lindemann ist der dienstälteste Spieler beim Handball-Verbandsligisten Spvg. Steinhagen. Vor dem Heimspiel gegen den TV Isselhorst spricht "Zivi" über die sportliche Krise und persönliche Pläne

Christian Helmig

In Schieflage: Jan Phillip Lindemanns Routine ist bei der Spvg. Steinhagen zurzeit mehr denn je gefragt. - © Max Maschmann
In Schieflage: Jan Phillip Lindemanns Routine ist bei der Spvg. Steinhagen zurzeit mehr denn je gefragt. (© Max Maschmann)

Steinhagen. Jan Phillip Lindemann ist der dienstälteste Spieler beim Handball-Verbandsligisten Spvg. Steinhagen. Vor dem Heimspiel gegen den TV Isselhorst spricht »Zivi« über die sportliche Krise und persönliche Pläne.

Jan Phillip, am vergangenen Wochenende hat Ihre Mannschaft mit elf Toren beim Tabellenvorletzten verloren. Wie kann so was passieren?

Jan Phillip Lindemann: Gute Frage. Da kommen sicher viele Faktoren zusammen. Wir sind eigentlich gut ins Spiel gestartet, haben dann aber irgendwann vorne die Bälle nicht mehr reingeworfen. Dazu kam dass wir ohnehin keinen breiten Kader hatten und Joschi (Joshua Wagner, die Redaktion) wegen einer roten Karte früh ausgefallen ist. Wenn du unten stehst, kommst du dann schnell in eine Abwärtsspirale hinein, die sich nicht mehr aufhalten lässt.

Woran liegt es, dass die Spvg. in dieser Saison so schwer in Tritt kommt?

Lindemann: Uns fehlt die Erfahrung, das sieht man schon daran, dass ich mit 27 der Älteste in der Mannschaft bin. Wir haben über Jahre immer wieder Führungsspieler abgegeben und eigentlich nur junge dazugeholt. Was das bedeutet, zeigt sich besonders auf der Torhüterposition. Wir hatten in Christoph Weber vor der Saison einen absoluten Topmann, der uns leider wieder verlassen hat. Unsere jungen Leute bringen gute Leistungen, aber ich bin sicher: Mit ihm würde es in der Tabelle ganz anders für uns aussehen.

Ist das derzeit die schwierigste Phase seit Sie in Steinhagen Handball spielen?

Lindemann: Definitiv. Man sieht im ganzen Verein einen deutlichen Umbruch. Ich kann mich nicht erinnern, dass die erste Mannschaft zu diesem Zeitpunkt mal so schlecht dagestanden hat. Und die Landesligatruppe ist ja auch eine Baustelle. Da ist es gerade nicht leicht, sich gegenseitig zu unterstützen.

Wie können Sie als routinierter Spieler der Mannschaft in dieser Situation helfen?

Lindemann: Zum einen natürlich, indem ich in den entscheidenden Spielsituationen Verantwortung übernehme. Aber ich probiere auch im Training als Vorbild voranzugehen und die anderen so einzustellen, dass es uns am Ende gelingt, die Verbandsliga zu halten. Ein Abstieg wäre für den Verein nicht schön.

Die Ergebnisse vermitteln den Eindruck, dass auch die Tandemlösung mit Michael Bohnemeier und Torben Gottsleben auf der Trainerbank noch nicht optimal funktioniert.

Lindemann: Natürlich ist das eine Situation, die für alle Beteiligten nicht leicht ist und auf die wir uns alle erstmal einstellen müssen Ich persönlich bin auch eher Fan davon, wenn ein Trainer das Sagen hat. Aber die Rollenverteilung und die Absprachen sind klar, und als Mannschaft stehen wir voll hinter dieser Lösung.

Sie haben die fehlende Erfahrung angesprochen. Wünschen Sie sich manchmal Ihren langjährigen Weggefährten Christian Blankert zurück, der ja noch regelmäßig in der zweiten und dritten Mannschaft spielt?

Lindemann: Ich weiß nicht, ob das geplant ist. Aber wenn es hart auf hart kommt, würde er uns sicher zur Seite stehen – zumal wir uns auf der Mittelposition, wo ich im Moment spiele, nach dem Abgang von Simon Schulz nicht unbedingt verstärkt haben. Klar, Christian könnte noch ein Faktor werden, genauso wie Steffen Thiede.

Kann auch ein Derby wie das gegen Isselhorst am Samstag zusätzliche Kräfte freisetzen?

Lindemann: Das hoffe ich. Isselhorst ist sicher der Favorit, aber solche Spiele sind oft hopp oder top. Wir haben in der Rückrunde noch drei sehr schwere Gegner. Ich bin trotz allem guter Dinge, dass wir punkten können und ein bisschen Euphorie mit in die Weihnachtspause nehmen.

Sie selbst waren lange Jahre sehr verletzungsanfällig. In der laufenden Spielzeit haben Sie jedes Spiel mitgemacht.

Lindemann: Das stimmt. Ich hatte zum Glück nie schlimme Verletzungen wie einen Kreuzbandriss, aber kleine Wehwehchen sind auch jetzt immer da. Die Schulter zwickt, und vor zwei Wochen habe ich mir im Training die Nase gebrochen.

Haben Sie schon Pläne über die Saison hinaus gemacht?

Lindemann: Ich hatte schon dem Verein im Sommer angekündigt, dass es mein letztes Jahr in der ersten Mannschaft wird. Dabei bleibt es. Mein beruflicher Aufwand (Lindemann ist Geschäftsführer einer Softwarefirma) ist noch mal größer geworden. Ich werde mich dann in die Dritte zurückziehen.

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Linkshänder-Duo kehrt zurück

Vor dem Nachbarduell gegen Isselhorst hat sich die Personalsituation bei der Spvg. Steinhagen leicht entspannt. In Moritz Lünstroth und Dennis Strothmann stehen zwei Linkshänder vor der Rückkehr in den Kader. Zudem kann Michael Bohnemeier auf die Akteure der Reserve zurückgreifen, die im Anschluss spielt. „Trotzdem gibt es in unserer Situation dankbarere Aufgaben, als gegen Isselhorst zu spielen“, weiß der Spvg.-Trainer. Die Gäste sind mit 17:5 Punkten Tabellendritter und verfügen über starke Individualisten. Steinhagen (8:12) trennt dagegen nur ein Zähler von den Abstiegsrängen. „Wir sollten uns auf heftige Gegenwehr einstellen“, warnt deshalb TVI-Trainer Dirk Elschner.

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