Wegen Beleidigung und Bedrohung in Häger: Co-Trainer erhält lange Sperre

Fußball: Sportgericht greift wegen verbaler Entgleisung eines Funktionärs hart durch

Dennis Bleck

Urteil: Das Sportgericht verhängte eine lange Sperre gegen den Co-Trainer. - © Fotolia
Urteil: Das Sportgericht verhängte eine lange Sperre gegen den Co-Trainer. (© Fotolia)

Häger/Bielefeld. Hägers Torwart Alexander Romnov nahm das Urteil gelassen zur Kenntnis. Gerade hatte die Spruchkammer des Kreisverbands Bielefeld den Co-Trainer des FC Türk Sport Bielefeld bis einschließlich 3. Juni 2019 gesperrt. Der Funktionär hatte sich im A-Ligaspiel zwischen dem SV Häger und dem FCT vor knapp drei Wochen massiv im Ton vergriffen, Torhüter Romnov und Schiedsrichter Niklas Pankoke beleidigt und bedroht. Der Mann rastete aus, weil Romnov nach einem Gegentor den Ball nicht sofort herausrückte.

„Die Beleidigungen, die da fielen, sind nicht zitierfähig", sagte der Schlussmann. Diesen Vorwurf stritt der beschuldigte Bielefelder ab. Weil er der Verhandlung fernblieb, las das Sportgericht eine schriftliche Stellungnahme vor, die er zuvor eingereicht hatte. Darin räumte er zwar ein, dass er während des Spiels „ausgerastet" sei, Bedrohungen und Beleidigungen habe es aber nicht gegeben.

Neben Romnovs Zeugenaussage vertraute das Sportgericht auf den Sonderbericht, den Schiedsrichter Pankoke im Anschluss an die hitzige Partie (Endstand 4:4) anfertigte. Weil die Richter die Vorwürfe als erwiesen ansahen, verurteilten sie den FCT-Co-Trainer wegen unsportlichen Verhaltens. Der Funktionär muss eine Geldstrafe von 100 Euro zahlen und darf in dieser Saison nicht mehr als Trainer in Erscheinung treten. Darüber hinaus ist ihm untersagt, in den nächsten fünf Pflichtspielen seines Vereins den Innenraum des jeweiligen Sportplatzes zu betreten.

Romnov stellt Versöhnung in Aussicht

„Ich finde es schade, dass er der Verhandlung fernblieb", erklärte Romnov. Der 23 Jahre alte Keeper hätte sich gewünscht, dass es zu einer Aussprache zwischen ihm und dem Funktionär gekommen wäre. Er stellte aber auch klar, dass es für eine Versöhnung noch nicht zu spät ist: „Dafür bin ich immer offen – letztlich gehen wir doch alle nur unserem Hobby nach."

Erst Ende Oktober hat der Kreisverband wie berichtet einen runden Tisch eingerichtet, um sich mit den Trainern der A-Ligisten über die zunehmenden Respektlosigkeiten auf den Fußballplätzen auszutauschen. Auch der nun verurteilte Co-Trainer nahm an dem Gespräch im Vereinsheim des TuS Jöllenbeck teil und stimmte dem allgemeinen Tenor zu, dass vor allem die Trainer diejenigen sind, die maßgeblichen Einfluss auf die Spieler haben und eine Vorbildfunktion vorleben sollten.

Türk Sport kündigt einen Einspruch an

Dass der Effekt des runden Tisches verpufft ist, glaubt Philip Ortgies nicht. Der Vorsitzende des Kreis-Fußball-Ausschusses betont, dass die Gespräche „sehr konstruktiv" verlaufen sind. Eigentlich seien sich alle Teilnehmer einig gewesen, sich in Zukunft mit mehr Fairness und Toleranz gegenüberzutreten. Warum sich Türk Sports Co-Trainer trotzdem so daneben benahm, kann sich Ortgies auch nicht erklären.

Der FC Türk Sport kündigte derweil an, Einspruch gegen das Urteil einzulegen. Das bestätigte Cengiz Külah, der die Öffentlichkeitsarbeit des Clubs übernimmt. Von vereinsinternen Strafen nimmt der Verein vorerst Abstand. Zumindest, bis das Urteil rechtskräftig ist.

Auch der Bestrafte meldete sich zu Wort. „Ich bin kein Unschuldslamm und war in der Situation unkontrolliert, aber bedroht und beleidigt habe ich keinen", sagte er. Weil er sich vom Romnov provoziert gefühlt habe, dieser ihm den Mittelfinger gezeigt habe, will er selbst Strafanzeige erstatten. Romnov sieht das entspannt. „Es wäre sehr mutig, wenn er das täte – ich habe mir nichts vorzuwerfen." Er verweist auf ein Dutzend Zeugen, die seine Aussage bekräftigen könnten.

Copyright © Haller Kreisblatt 2018
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.