Handball-Nachlese: Ein typischer Tabellenführer tritt anders auf

Der TuS Brockhagen lässt im Landesligaderby beim TV Werther Souveränität vermissen. Beim Oberligisten SF Loxten findet man trotz der Niederlage gegen A-H Bielefeld glückliche Gesichter

Marc Uthmann,Christian Helmig,Johnny Dähne

Die Mienen verraten es: Brockhagens Torwart Robin Meise und seine Mitspieler waren mit ihrem Auftritt in Werther nicht zufrieden. - © Johnny Dähne
Die Mienen verraten es: Brockhagens Torwart Robin Meise und seine Mitspieler waren mit ihrem Auftritt in Werther nicht zufrieden. (© Johnny Dähne)

Altkreis Halle. Der TuS Brockhagen lässt im Landesligaderby beim TV Werther Souveränität vermissen. Beim Oberligisten SF Loxten findet man trotz der Niederlage gegen A-H Bielefeld glückliche Gesichter

Oberliga

„Darauf habe ich mich fünf der vergangenen sieben Monate gefreut“, sagte Max Schäper und konnte trotz der Niederlage gegen die TSG A-H Bielefeld lächeln^d. Der Rückraumspieler der SF Loxten genoss den Moment, als er nach langer Verletzungspause ausgerechnet im OWL-Derby zum ersten Mal wieder auflief, das Publikum aufstand und ihm applaudierte.

Mannschaft des Spieltages - © HK
Mannschaft des Spieltages (© HK)

Voll auf die Nahtstellen soll er gehen, hatte ihm Coach Dirk Schmidtmeier gesagt, als er ihn nach 41. Spielminuten nachträglich auf dem Spielberichtsbogen eintragen ließ und aufs Feld schickte. Und genau das tat Schäper, erzielte ein Tor und holte einen wichtigen Siebenmeter raus – den Marlon Meyer leider vergab. „Klar waren da auch zwei Fehler“, sagt Schäper nach dem Spiel, doch seine Freude über das Comeback überwiegt. Unter einer hartnäckigen Knochenhautentzündung unter der Kniescheibe hatte er gelitten. „Die war zu 100 Prozent befallen, jetzt ist nur noch eine kleine Ecke betroffen“, berichtet der schnelle Mann mit Zug zum Tor und bedankt sich für die Unterstützung durch Teamarzt Dr. Rüdiger Mai, Physio Viktor Kanke und das Team von Physiotherapie Berger. „Wir haben hier tolle Bedingungen.“

Das denkt sich wohl auch Pascal Welge. Die Sportfreunde hatten vor der Partie eigens eine Videobotschaft auf die Leinwand geworfen, um die Vertragsverlängerung des Klassekeepers um weitere zwei Jahre zu verkünden. „Ich fühle mich hier sehr wohl und habe gewisse Freiheiten, weil ich im Job sehr eingespannt bin“, begründet Welge seine Entscheidung. „Aber der Trainer weiß, dass ich notfalls auch individuell trainiere, wenn es nötig ist.“ Dieser Ehrgeiz und diese Professionalität des 31-Jährigen tun den Sportfreunden gut. „Wir haben hier eine talentierte junge Mannschaft. Und bei der Entwicklung möchte ich einfach noch zwei Jahre dabei sein“, kündigt »Calli« an.

Verbandsliga

Bei der Spvg. Steinhagen ließ die 24:35-Auswärtsklatsche bei LiT Tribe Germania II die Alarmglocken schrillen. „Ich denke, dass jetzt jeder hier verstanden hat, dass es für uns in dieser Saison nur noch gegen den Abstieg geht“, sagte Trainer Michael Bohnemeier. Er selbst habe das schon vor dem ersten Spieltag prognostiziert. Den Hauptgrund für die „unbefriedigende Situation“ sieht Bohnemeier in der engen personellen Ausstattung seines Kaders, der den Ausfall von vier Stammkräften nicht verkraftete. „Wenn ein Spieler im Spiel mal drei auf Reihe verwirft, muss man ihm eigentlich eine Pause gönnen. Das war mit nur acht Feldspielern aber nicht möglich“, erklärte der Coach.

Die Rechnung des Vereins, einen gewissen Pool von Spielern zwischen erster und zweiter Mannschaft pendeln zu lassen, scheint derzeit nicht aufzugehen – erst recht nicht, wenn beide Teams, wie am Samstag, zeitgleich spielen. „Da muss sich was ändern“, fordert Bohnemeier mit Blick auf das Programm der nächsten Wochen. Mit Isselhorst (H), Emsdetten (A) und Altenbeken/Buke (H) warten in den kommenden Partien ausschließlich Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte auf die Steinhagener.

Landesliga

Im Tabellenkeller dümpelt die Spvg. Hesselteich mit 4:16 Punkten auf dem vorletzten Platz. Dabei könnte das Team von Trainer Dennis Laumann viel besser dastehen. Das 27:28 in Vreden war die vierte Niederlage mit nur einem Treffer Differenz für die Spielvereinigung. Eine Bilanz die Laumann, der vor der Saison von EGB Bielefeld kam, zu der Erkenntnis veranlasst. „Ich habe sicher vieles mit nach Hesselteich gebracht. Nur das Glück nicht.“

Nichts für Handballästheten, dafür spannend, emotional und kampfbetont: Die 300 Zuschauer, die am Sonntagabend an den Wertherberg reisten und das 22:22-Unentschieden im Spiel zwischen dem TV Werther und dem TuS Brockhagen sahen, dürften ihr Kommen nicht bereut haben. Trotz des unnötigen Punktverlusts nach der 18:12-Führung nach 34 Minuten durften sich die Gäste als Sieger des Spieltags fühlen, weil sie ihre Tabellenführung ausbauten. „Klar, am Ende kann es für uns ein gewonnener Punkt sein“, sagte TuS-Trainer Lokman Direk mit Blick auf die 21:23-Niederlage der TG Hörste am Freitag beim TV Verl.

Zwei Zähler Vorsprung sind es nun also auf den nach Minuspunkten gerechneten Rangzweiten, wobei sich Brockhagen in Werther nicht wie ein typischer Tabellenführer präsentierte. Lamentieren untereinander, offensichtliche Schuldzuweisungen nach Gegentreffern – Ausstrahlung und Körpersprache des TuS-Teams spiegelten Platz eins nicht wider. Die fehlende Souveränität äußerte sich auch im Wechselfehler nach 56 Minuten, als Jonas Koslik eine Zwei-Minuten-Strafe absitzen musste. Den Gastgebern spielte das alles in die Karten – oder wie TVW-Coach Nils Uhlig am Ende addierte: „Wir hatten zwölf Punkte, jetzt sind es 13. Und eigentlich wollten wir für den Klassenerhalt nur zehn pro Halbserie holen.“

Copyright © Haller Kreisblatt 2018
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.