Versmolds Kickbox-Weltmeisterin spricht über ihr Erfolgsgeheimnis

Kein Pappenstiel: Die Versmolderin Tanja Huth gewann die Weltmeisterschaft im Kickboxen. Mit dem HK spricht sie über ihren Lebenswandel und ein Vorurteil, das sie stört

Max Backhaus

Ordentlich zugelangt:Tanja Huth verpasst ihrer Konkurrentin im Ring einen Fußkick.  - © HK
Ordentlich zugelangt:Tanja Huth verpasst ihrer Konkurrentin im Ring einen Fußkick.  (© HK)

Am 27. Oktober 2017 wog Tanja Huth noch 86 Kilogramm. Auf den Tag genau ein Jahr später trägt sie deutlich mehr Muskeln, 25,5 Kilo weniger und den Siegergürtel einer Weltmeisterschaft. „Ich bin ein Mensch vom Typ »ganz oder gar nicht«", sagt die 33 Jährige. Waren ein Leben lang Pferde ihr größtes Hobby, ist es nun schlagartig der Kampfsport.

Erkennungsmerkmal: Großer Ehrgeiz

„Erst wenn du einen auf die Rübe bekommst, weißt du, ob du eine Kämpferin bist oder nicht", sagt Huth. Und dass sie eine ist, hat sie gerade erst unter Beweis gestellt: Das Kickbox-WM-Finale der Klasse D in der Disziplin K 1 konnte sie für sich entscheiden, bekam aber einen unerlaubten Low-Kick gegen ihr Knie, so dass sich die Kniescheibe verschob. Den Rat des Ringarztes, im darauffolgenden Finale im Vollkontakt besser nicht anzutreten, missachtete sie. Zu groß war ihr Ehrgeiz.

Immer noch irreal: Die Versmolderin kann ihr Glück nach wie vor kaum fassen. - © Max Backhaus
Immer noch irreal: Die Versmolderin kann ihr Glück nach wie vor kaum fassen. (© Max Backhaus)

Letztlich musste sie den Kampf trotzdem abbrechen und fand sich tags darauf beim Orthopäden wieder. Einen Einrenkversuch und 20 Minuten Autofahrt später stand sie wieder im Ring – Training. „Ich kenne nur den Vorwärtsgang", sagt die gebürtige Sassenbergerin. Sechs Tage die Woche feilt sie bei ihrem »Coma-Team« zwei bis drei Stunden zusammen mit ihrem Trainer Jens Schniedenharn in Glandorf und Lengerich an Kraft, Technik und Kondition.

Schniedenharn entdeckte vor gut einem Jahr Huths Talent, fing an sie zu fördern. Die Kilos purzelten und die Lust auf Wettkämpfe stieg. Die beiden Qualifikationsturniere für die Weltmeisterschaft konnte Huth prompt gewinnen. Dabei kürte sie sich zur deutschen Meisterin und Europameisterin im Verband »World Fightsport & Martial Arts Council« (MFMC). In ihrer Gewichtsklasse (bis 65 Kilogramm) wurde sie anschließend an erster Stelle für den WM-Kader nominiert wurde.

Der Sieg ist für sie bis heute irreal

Direkt nach dem Halbfinale im K 1 musste sie völlig entkräftet wieder in den Ring. „Das war acht Minuten gib ihm", sagt Huth und lacht im Nachhinein über die Kämpfe, die jeweils zwei Mal zwei Minuten andauerten. Als sie schließlich von ihrem Sieg erfuhr, konnte sie es kaum glauben. „Ich habe mich zwar gefreut, aber es ist bis heute so irreal", sagt sie und lächelt.Dass sie den Finalkampf gegen eine Holländerin gewonnen hat, macht sie besonders stolz: „Die haben K 1 ganz groß gemacht und sind am besten in dieser Disziplin."

Schlechtreden lässt sie sich den Titel von niemandem. „Ich kenne die Vorurteile und finde sie sehr ärgerlich", sagt Huth. Weil es beim Kampfsport mehrere Verbände gibt, die jeweils ihre eigenen Meisterschaften austragen können, ist die Einschätzung über den Wert eines solchen Titels nicht immer einfach. „Das war aber wirklich hammerschwer, dort kämpften die Weltbesten", so Huth. Zudem sei die WM offen gewesen, auch Kämpfer aus anderen Verbänden hätten daher daran teilgenommen.

Durch ihren Erfolg darf Huth zukünftig in der C-Klasse antreten. Zwischen A- und D-Klasse wird nach Stärke eingeteilt. Nach der A-Klasse kommt schließlich die Profiklasse. „Spätestens in zwei Jahren ist die A-Klasse mein Ziel, ich bin ja auch nicht mehr die Jüngste", meint Huth. Wenn sich ihre rasante Entwicklung in den kommenden Jahren aber fortsetzt und sie ihren Biss behält, ist das Alter sicherlich zweitrangig.

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