Gewalt auf dem Fußballplatz: Kreisvorstand sensibilisiert Trainer

Sven Hauert,Hans-Joachim Kaspers

Shakehands: Der obligatorische Handschlag nach dem Spiel ist ein Symbol des Fair-Play-Gedankens. Nicht immer ist es auf dem Platz so harmonisch wie hier zwischen Daniel Schnadwinkel (rechts) und seinem Gegenspieler. - © Foto: Claus Meyer
Shakehands: Der obligatorische Handschlag nach dem Spiel ist ein Symbol des Fair-Play-Gedankens. Nicht immer ist es auf dem Platz so harmonisch wie hier zwischen Daniel Schnadwinkel (rechts) und seinem Gegenspieler. (© Foto: Claus Meyer)

Altkreis Halle. „Ehrlicherweise hatte ich dem ganzen im Vorfeld nicht viel Bedeutung beigemessen." So wie Amshausens Trainer Meik Tischler ging es wohl vielen Offiziellen vor dem Treffen im Jöllenbecker Vereinsheim am Montagabend. Zu diesem hatte der Kreisvorstand wie berichtet die Trainer aller Mannschaften eingeladen, nachdem der GSV Cosmos Anfang September die Partie beim FC Türk Sport Bielefeld mit der Begründung abgesagt hatte, ein Zeichen gegen die zunehmende verbale Gewalt auf den Fußballplätzen setzen zu wollen.

Fast alle Vereine waren der Einladung gefolgt und hatten Vertreter geschickt. Auch der BV Werther, der die Veranstaltung eigentlich boykottieren wollte, weil sich Cosmos aus Sicht seiner Trainer in der Partie gegen den BV besonders unfair verhalten habe, nahm in Person seines Ersten Vorsitzenden Jochen Twelmeyer teil. „Es ist doch klar, dass wir einer solch wichtigen Veranstaltung nicht fernbleiben", sagte Twelmeyer, der seinen Trainern ein weiteres Mal Rückendeckung für deren Entscheidung aussprach. Von den Altkreisvereinen hatten es lediglich die Trainer der SG Oesterweg und der SC Peckeloh nicht geschafft. „Ich wäre gerne dabei gewesen", sagte Peckelohs Coach Erwin Medjedovic, der aus beruflichen Gründen später aus Versmold loskam und im Auto Richtung Jöllenbeck am Telefon erfuhr, dass er erst nach Ende der Veranstaltung eintreffen würde. Ebenfalls aus beruflichen Gründen musste Oesterwegs Coach Björn Mittendorf passen.

Die, die dabei waren, waren sich hinterher aber einig, dass dieses Treffen trotz anfänglicher Skepsis Sinn machte. „Es war gut, sich mal Auge in Auge zu treffen und so auch abseits des Platzes anders kennenzulernen", sagte Tischler, der damit die Hoffnung verband, „dass man sich dann auch während eines Spiels anders sieht". Hägers Co-Trainer Hüseyin Geceli sah es genauso: „Ich finde es gut, dass man sich jetzt vom Sehen kennt und ungefähr weiß, was der andere denkt, Dadurch geht man künftig respektvoller miteinander um."

Verbindliche Maßnahmen wie beispielsweise ein gemeinsam von allen Vereinen unterschriebener Verhaltenskodex wurden am Montagabend zwar nicht beschlossen, doch alle Beteiligten waren sich einig, dass die Vereine ihren Spielern, Offiziellen und Zuschauern klare Rahmenbedingungen vorgeben müssen. „Wenn jemand spuckt, schlägt oder rassistisch beleidigt, dann muss er in letzter Konsequenz aus dem Verein ausgeschlossen werden", regte Versmolds Trainer Patrick van der Sanden an. Eine Meinung, die die Oesterweger in einer offiziellen Vereinserklärung zu diesem Thema ausdrücklich teilen. Darüber hinaus schlug Tischler vor, bereits im Jugendbereich anzusetzen und plädierte für umfangreichere Übungsleiterschulungen sowie für rigorose interne Sperren von Spielern bei wiederholtem Fehlverhalten. Tischler brachte ebenfalls ein in den Niederlanden seit Jahrzehnten erfolgreich praktiziertes Modell ins Spiel, bei dem die Betreuer der Vereine nicht nur auf Einwurf, sondern auch auf Abseits entscheiden. „Was man nicht probiert, kann man nicht wissen", plädierte Tischler zumindest für einen Versuch.

B-Ligisten treffen sich am 26. November

Einig waren sich alle Beteiligten, dass so ein Runder Tisch ruhig regelmäßig stattfinden könnte. Natürlich nicht wöchentlich. Patrick van der Sanden schlug den Saisonanfang vor: „Da könnten sich alle Trainer einmal zusammen mit einem Schiedsrichtervertreter treffen, damit dieser in Ruhe Regeländerungen erläutert." Auch dies würde Unsicherheit und damit Konfliktpotenzial abbauen.

Hans Keuch zog ein positives Fazit. „Ich fand den Abend sehr ermutigend, weil er einen guten Austausch gebracht hat", sagte der stellvertretende Kreisvorsitzende. Es sei wichtig, sich in die Augen zu schauen und miteinander zu reden: „Nur so kann der notwendige Respekt füreinander entstehen, an dem Platz und auf dem Platz. Das Angebot des „Runden Tischs" geht am 26. November mit den B-Ligen weiter, Termine mit den C-Klassen sollen in der Winterpause folgen.

Kommentar: Die Zeichen erkannt

Dass (verbale) Gewaltausbrüche auf den Fußballplätzen nicht Fiktion, sondern Fakt sind, beweisen Spielabbrüche, Polizeieinsätze und auch einige Sonderberichte, die die Schiedsrichter anfertigen mussten. Die Verrohung auf den Sportplätzen ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, in der Respekt und gegenseitige Wertschätzung immer weiter abnehmen. Auch im Altkreis kam es in dieser Saison schon zu Vorfällen, die nachdenklich stimmen: In einem A-Juniorenspiel schlägt ein Junge seinem Gegenspieler ins Gesicht. Das Opfer kommt ins Krankenhaus. In der C-Liga klagt die SG Oesterweg über Rassismus. In Bielefeld rufen Zuschauer die Polizei, weil während eines Bezirksligaspiels ein Anhänger des Heimvereins den Gästetrainer tätlich angreift. Der Runde Tisch, den der Fußballkreis zur Gewaltprävention veranstaltete, ist daher ein erster Schritt in die richtige Richtung und zeigt: Funktionäre und Vereine haben die Zeichen der Zeit erkannt – so geht es nicht weiter.

Doch den Worten müssen nun auch Taten folgen. Vor allem die Trainer gehen hier als gutes Beispiel voran. Schon ihr Verhalten am Seitenrand spiegelt das Verhalten des Teams auf dem Spielfeld wider. Verantwortliche dürfen nicht davor zurückschrecken, konsequent gegen eigene Spieler vorzugehen, interne Strafen zu verhängen. Im Ernstfall sollte jedes Team auch einmal das eigene Verhalten reflektieren, bevor es mit dem nackten Finger auf die anderen zeigt. Von Dennis Bleck

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