Rassistische Beleidigungen beim Amateur-Fußball

Dennis Bleck

Anti-Rassismus-Kampagne: So wie hier in Berlin gibt es viele Aktionen, die sich mit dem Thema befassen. - © imago/Matthias Koch
Anti-Rassismus-Kampagne: So wie hier in Berlin gibt es viele Aktionen, die sich mit dem Thema befassen. (© imago/Matthias Koch)

Oesterweg. Leo Messi, Gareth Bale oder Franck Ribéry : Die Gesichter der Fußball-Superstars flimmern vor jedem Champions League Spiel über die Fernsehbildschirme. Sie sind Teil einer Kampagne, die der europäische Fußballverband UEFA in den vergangenen Jahren ins Leben rief. Eine Kampagne, die gegen Diskriminierung und Intoleranz im Fußball kämpft. „Sag nein zu Rassismus", fordern die Profis in ihrer Landessprache. Ein frommer Wunsch: Denn Rassismus ist für viele Menschen afrikanischer Abstammung im Amateurfußball Alltag, ob sie nun Deutsche sind oder keinen deutschen Pass haben.

Will sensibilisieren: Mischa Rustige. - © Foto: SG OEsterweg
Will sensibilisieren: Mischa Rustige. (© Foto: SG OEsterweg)

Robert ist dunkelhäutig. Er spielt bei der SG Oesterweg in der Kreisliga C. Aus Angst vor weiteren Anfeindungen möchte er seinen richtigen Namen nicht genannt haben. Die Erlebnisse der vergangenen Wochen und Monaten stimmen ihn nachdenklich. Häufiger wurde er wegen seiner Hautfarbe auf den Fußballplätzen rassistisch angefeindet: „Sie nennen mich Neger oder Bananenpflücker", erzählt er. Dass er selbst ein aggressiver Spieler ist, den ein oder anderen Zweikampf sicher zu hart führt, gibt er zu. Ein Grund ihn deshalb rassistisch zu beleidigen sei das aber noch lange nicht.

Rustige ärgert sich über die Situation

Roberts Trainer Mischa Rustige ist über die Situation verärgert. „Rassistische Beleidigungen auf Fußballplätzen haben zugenommen", sagt er. Für den 31 Jahre alten Coach eine „besonders schmerzhafte Erfahrung", weil sich in seinem Kader mehrere Spieler mit Migrationshintergrund befinden, der Verein sich der Integrationsarbeit verschrieben hat. In der vergangenen Saison sei es zu zwei Vorfällen gekommen in der laufenden Saison erneut zu einem.

Dass es in jüngster Vergangenheit „immer mal wieder Probleme gegeben hat", bestätigt der Vorsitzende von einem der beschuldigten Vereine auf HK-Anfrage. Er betont jedoch gleichzeitig, dass der Klub viel unternimmt und Mitglieder, die sich rassistisch äußern, aussortiert. „Wir verfolgen da eine Null-Toleranz-Politik", sagt der Vereinsvertreter. In den vergangenen Jahren habe der Verein schon rigoros durchgegriffen, sich von vielen Spielern und Funktionären getrennt. „Wir haben in diesem Jahr daher auch nur noch eine Senioren-Mannschaft gemeldet. Bis im gesamten Verein jedoch Ruhe einkehrt, dauert es seine Zeit."

Mischa Rustige wünscht sich indes auch ein härteres Durchgreifen der Schiedsrichter auf dem Platz. „Die hören manchmal gekonnt über diese Beleidigungen hinweg", prangert er an. In allen geschilderten Fällen habe der Unparteiische keine Reaktion gezeigt. Rustige vermutet, dass viele Schiedsrichter „Angst haben, in solchen Situationen entschlossen durchzugreifen".

„Diese Entwicklung auf den Sportplätzen ist ein Spiegelbild der Gesellschaft"

Dass dieses Verhalten der Schiedsrichter „aus regeltechnischer Sicht falsch ist", darauf weist Klaus Münstermann hin. Der 49 Jahre alte Versmolder pfeift bis zur Bezirksliga, ist stellvertretender Vorsitzender des Kreisschiedsrichter-Ausschusses. Er leitet seit 20 Jahren Fußballspiele und hat festgestellt: „Diese Entwicklung auf den Sportplätzen ist ein Spiegelbild der Gesellschaft, in der Respekt und Wertschätzung immer weiter abnehmen." Ein Unparteiischer, der aus Angst Regeln nicht anwende solle seine persönliche Eignung für dieses Hobby – mehr sei es aus Amateurebene nun einmal nicht – aber trotzdem überdenken.

Wie dem Rassismus auf Amateursportplätzen begegnet werden kann, bewiesen die Spieler des SC Lauchingen in der südbadischen Kreisliga A: Als Mamadou Kebba Mitte September von Zuschauern rassistisch beleidigt wurde, reagierten seine Kollegen. Sie verließen geschlossen das Spielfeld, der Schiedsrichter brach die Partie nach 85 Minuten ab. Gastgeber und Gegner FC Weizen hatte dafür Verständnis, entschuldigte sich wenig später für das Fehlverhalten der Anhänger.

Beleidigungen machen traurig

Ganz so weit mussten Rustige und die SG Oesterweg noch nicht gehen. Einmal waren sie in der vorherigen Saison aber kurz davor: „Ich habe gesagt, dass wir das Spiel abbrechen, sollte es erneut zu einer rassistischen Beleidigung kommen", erinnert sich Rustige. Meistens wechselt der 31-Jährige dann aber Robert aus, um ihn vor sich selbst zu schützen.

„Die Beleidigungen machen mich sehr traurig", sagt der Fußballer, der dann häufig seine Wut nicht kontrollieren kann. Aber das sei besser geworden, versichert Rustige , der viel mit seinem Spieler spricht, ihn beruhigt. „Dass die Mannschaft so hinter mir steht, gibt mir Kraft", sagt Robert. Er spielt gerne Fußball, wünscht sich einfach Respekt auf und neben dem Platz. „Wir Menschen sind doch alle gleich, Religion, Hautfarbe oder Herkunft dürfen keine Rolle spielen", sagt er. Rustige ergänzt: „Das muss endlich in den Köpfen der Menschen ankommen." Ob die Kampagne der UEFA dabei wirklicht hilft, ist offen. Sie ist aber ein Anfang.

Kommentar

Die großen Fußballverbände kämpfen seit Jahren gegen Rassismus. Sie starten Kampagnen, vergeben Fairplay-Preise, senden Botschafter aus. Doch noch immer ist der Ertrag dieser Bemühungen sehr gering. Sowohl auf Profi- aber vor allem auf Amateurebene kommt es immer mal wieder zu rassistischen Beleidigungen. In Profiligen sind es die Zuschauer, die Affenlaute imitieren, im Breitensport die Spieler, die sich im Ton vergreifen. Beleidigungen wie „Neger", „Kanacke" oder „Kameltreiber" haben weder auf dem Sportplatz noch in unserer Gesellschaft einen Platz. Sie sind diskriminierend. Sie kränken. Sie zeigen die hässliche Fratze des Sports.

Die Fußballer des SC Lauchringen zeigten, wie sie als Mannschaft mit Rassismus umgehen, verließen geschlossen den Platz, als einer ihrer Teamkollegen als „Schwarzer" bezeichnet wurde. Diese Entscheidung ist konsequent und richtig. Dass sich Mischa Rustige und die SG Oesterweg an die Öffentlichkeit wenden, beweist, dass auch im hiesigen Fußballkreis Konfliktpotenzial herrscht. Vereine und Verantwortliche müssen ihre Spieler gegen Rassismus sensibilisieren – und auch vor harten (vereinsinternen) Strafen nicht zurückschrecken.

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