Zu viele Spieltage setzen Altherren-Fußballern zu

Christian Helmig

Kein Verständnis: Martin Schmidt (rechts) und die Spvg. Steinhagen haben sich beim Fußballkreis beschwert. - © Christian Helmig, HK
Kein Verständnis: Martin Schmidt (rechts) und die Spvg. Steinhagen haben sich beim Fußballkreis beschwert. (© Christian Helmig, HK)

Altkreis Halle. Die Idee kam gut an. Eine gemeinsame Fahrt ins Deutsche Fußballmuseum nach Dortmund wollten die Altherrenkicker des TSV Amshausen in naher Zukunft unternehmen. Ein Samstag, so waren sie sich auf ihrer Jahreshauptversammlung einig, wäre dafür ideal. Beim Blick in den Kalender kehrte aber schnell Ernüchterung ein. „Bis auf die Wochen vor und nach Weihnachten gibt es keinen Termin, an dem keine unserer beiden Mannschaften im Einsatz ist", berichtet TSV-Abteilungsleiter Stephan Schley .

So wie den Amshausenern geht es vielen kickenden Oldies im Fußballkreis Bielefeld. Sie wurden von der Entscheidung überrascht, dass die Hallenrunde in diesem Winter erstmals mit Hin- und Rückspielen ausgetragen wird. Bis zu 18 Spieltage hat der Freizeit-Ausschuss unter Vorsitz von Patrick Hartmann zwischen dem Start am 27./28. Oktober und Anfang März in den drei Altersklassen Ü 32, Ü 40 und Ü 50 angesetzt. Danach folgen noch die Play-Offs.

„Das ist einfach zu viel", findet Martin Schmidt. Der zweite Abteilungsleiter der Spvg. Steinhagen, die in in jeder Runde eine Mannschaft gemeldet hat, sieht durch die Terminflut „den Grundgedanken des Altherrenfußballs" entfremdet. Er fürchtet, dass Spieler und Vereine überfordert werden und die Lust am Budenzauber verlieren. „Die meisten Altherren haben eine Familie, die sie am Wochenende sehen wollen. Manche sind im Verein ehrenamtlich als Trainer, Kassierer oder in anderer Funktion tätig. Das fällt künftig alles flach", sagt Schmidt.

Spvg. Steinhagen hat ein offizielles Beschwerdeschreiben aufgesetzt

Die Spvg. hat deshalb ein offizielles Beschwerdeschreiben an den Ausschuss aufgesetzt. Als nächste Konsequenz denkt der Club darüber nach, seine personell knapp besetzte Ü 50-Mannschaft noch vor dem Serienbeginn zurückziehen.

Die SG Oesterweg hat diesen Schritt bereits hinter sich. „In einer einfachen Runde wären wir angetreten", bestätigt Coach Frank Wacker. „Aber wir haben sogar über 60-Jährige im Team, da sind so viele Spiele nicht machbar." Dazu kämen die vielen weiten Fahrten im Winter: Sämtliche Partien der SG waren in Bielefelder Hallen angesetzt.

Was viele Vereinsverantwortliche aber am meisten stört, ist die Tatsache, dass der neue Modus auf dem Staffeltag im September mit keinem Wort erwähnt worden sei. „Hätte man da eine Abstimmung gemacht, wären 90 Prozent dagegen gewesen", glaubt Schmidt.

Hartmann: „Wir wollen keinen Verein in Schwierigkeiten bringen"

Hartmann liefert eine Erklärung: „Wir haben die Hallenzeiten erst eine Woche später bekommen." Er sei selbst überrascht gewesen, wie viele Termine die Stadt zur Verfügung gestellt habe. Gleichzeitig habe er die Chance gesehen, einem häufig an ihn herangetragenen Wunsch nachzukommen. „Viele Vereine fanden es schade, dass die Runde immer schon so früh beendet ist. Sie wollten mehr spielen", berichtet Hartmann. Für den Kompromiss, kleinere Gruppen zu bilden, sei es zu spät gewesen. „Die Auslosung stand ja schon fest", sagt er.

Gleichwohl ist dem Ausschussvorsitzenden bewusst, dass die neue Regelung viele Vereine an ihre Grenzen führen wird. Der Ausschuss hat deshalb die Durchführungsbestimmungen angepasst: Statt bisher drei, dürfen Mannschaften künftig insgesamt sechs Spiele pro Saison absagen, bevor sie aus der Wertung genommen werden. Auf Ordnungsgelder bei Nichtantreten möchte der Kreis verzichten. „Wir wollen keinen in Schwierigkeiten bringen", sagt Hartmann und betont, dass die Einführung der Doppelrunde „nur ein Pilot" sei. „Wenn es nicht funktioniert, werden wir unsere Lehren daraus ziehen", verspricht er.

Den Amshausener Altherren ist damit kurzfristig nicht geholfen. „Wir haben unsere Fahrt erst mal ins nächste Jahr verschoben", sagt Stephan Schley.

Kommentar: Zu viel des Guten

Mit berechtigtem Stolz spricht Altherren-Spielleiter Patrick Hartmann von der „größten Hallenrunde in Deutschland, vielleicht sogar in Europa". Die Einführung einer Doppelrunde wirkt vor diesem Hintergrund wie der Wunsch, dem Superlativ noch eins draufzusetzen. Doch sie ist zu viel des Guten. Das System im Fußballkreis Bielefeld funktioniert seit Jahrzehnten.

Umso behutsamer sollten die Verantwortlichen mit Veränderungen umgehen. Und vor allem müssen sie die Aktiven bei gravierenden Entscheidungen mitnehmen. Das hat der Ausschuss diesmal verpasst. Ein Zurück wird es, zumindest in dieser Saison, nicht geben. Spielern und Vereinen bleibt nur noch, dem neuen Modus eine Chance zu geben – oder sich von ihrem Hobby zu verabschieden.

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