17 Jahre alte Olga Danilovic gewinnt die Reinert Open

Die Serbin schlägt Laura Siegemund in drei Sätzen und springt heute erstmals unter die Top 200 der Welt. Der Sieg in Versmold ist der größte Triumph ihrer Karriere, noch viele weitere könnten folgen

Dennis Bleck

Hoch die Hände: Olga Danilovic bedankt sich beim Publikum nach ihrem Sieg über Laura Siegemund. - © Dennis Bleck
Hoch die Hände: Olga Danilovic bedankt sich beim Publikum nach ihrem Sieg über Laura Siegemund. (© Dennis Bleck)

Versmold. Olga Danilovic haderte, sie meckerte viel und am Ende reckte sie doch ihre Arme in den blauen Versmolder Mittagshimmel. Ein Doppelfehler ihrer Finalgegnerin Laura Siegemund kürte die erst 17 Jahre alte Serbin zur Siegerin der Reinert Open. Nach drei umkämpften Sätzen hieß es 5:7, 6:1, 6:3 für Danilovic, die ab heute erstmals unter die Top 200 der Welt rutscht – mit 17. Der Beginn einer steilen Karriere?

Schon häufig erwies sich das Weltranglisten-Turnier am Caldenhofer Weg als Sprungbrett für Talente: Die überraschende Vorjahressiegern Mihaela Buzarnescu startete im vergangenen Jahr als Nummer 213 der Welt – heute ist die Rumänin auf Position 25 gelistet. Und auch die Russin Daria Kasatkina (WTA 13), Anastasija Sevastova aus Lettland (22) oder Katerina Siniakova aus Tschechien (36) haben schon in Versmold aufgeschlagen. Logisch, dass Court-Moderator Björn Sassenroth die junge Danilovic fragte, wann sie ihr erstes Grand-Slam-Turnier spielen wird. „Ich hoffe noch in diesem Jahr", antwortete Danilovic in charmanten Englisch, „nach dem Sieg heute müsste ich genug Punkte haben, um die Qualifikation der US-Open zu spielen."

Buh-Rufe für Laura Siegemund

Für die Linkshänderin ist der Triumph in Versmold der größte Erfolg ihrer jungen Karriere: Erst dreimal konnte sie einen Titel gewinnen, ein mit 60.000 US-Dollar dotiertes Turnier aber noch nie. „Es ist unglaublich. Ich bin so glücklich. Es war eine ganz tolle Woche", sagte Danilovic. Lob gab es auch von der unterlegenen Siegemund, die ihrer Kontrahentin zunächst fair gratulierte, anschließend aber die etwa 500 Zuschauer am Centre Court kritisierte: „Ich hätte mir etwas mehr Unterstützung durch das Publikum gewünscht", sagte Siegemund, die sofort Buh-Rufe für ihre Aussage erntete.

Die Niederlage der Deutschen, die erstmals seit ihrem Kreuzbandriss im April 2017 wieder die Chance auf einen Turniersieg hatte, lag aber gewiss nicht am fehlenden Rückhalt der Zuschauer. Das Spiel der aus Filderstadt stammenden Siegemund war insgesamt einfach zu fehleranfällig. Bezeichnend, dass sie ihre Niederlage mit einem Doppelfehler besiegelte.

Beide Spielerinnen auf dem selben Weg

„Der Sieg ist absolut verdient", sagte Robert Hampe, Präsident des Westdeutschen Tennisverbands (WTV). Er sieht aber Siegemund und Danilovic auf dem selben Weg: „Laura zurück in die Weltspitze, Olga auf dem Sprung dorthin."

Welches Potenzial Danilovic besitzt, stellte sie in der vergangenen Woche eindrucksvoll unter Beweis. Und auch im Endspiel diktierte die 17-Jährige das Geschehen, brachte den ersten Satz bei 5:3-Führung trotz zwei Satzbällen aber nicht durch. Siegemund behielt die Nerven, gewann wir Spiele in Folge und ging in Führung. Der zweite Satz war dann an Eindeutigkeit fast nicht zu überbieten. 6:1 hieß es am Ende für die Serbin, die dann auch im Entscheidungssatz die aktivere Spielerin war und den Titel einheimsen konnte.

Als Lohn erhält die Siegerin 9.119 US-Dollar Preisgeld und 80 Weltranglistenpunkte. Siegemund erhält immerhin 4.863 US-Dollar und 48 Punkte. Damit verbessert sie sich in der Weltrangliste auf Position 270, ein Sprung von 52 Plätzen und wohl trotzdem nur ein schwacher Trost für die ehrgeizige 30-Jährige, die sich in Versmold so wohl fühlt.

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