Reinert Open: Im ersten Satz auf Augenhöhe

Dennis Bleck

Konzentriert: Julyette Steur vom Tennispark Versmold hat eine schwere Auftakthürde erwischt. Zwar verliert sie gegen Silvia Soler Espinosa in zwei Sätzen, zeigt aber gutes Tennis. - © Dennis Bleck
Konzentriert: Julyette Steur vom Tennispark Versmold hat eine schwere Auftakthürde erwischt. Zwar verliert sie gegen Silvia Soler Espinosa in zwei Sätzen, zeigt aber gutes Tennis. (© Dennis Bleck)

Versmold. Julyette Steur braucht viel Geduld: Gerade erst hat sich die 22 Jahre alte Tennisspielerin vom Tennispark Versmold eingespielt und den Münzwurf des Schiedsrichters gewonnen, da kommt die Unterbrechung. Ein Wolkenbruch in Versmold stoppt das Auftaktmatch der Wild Card-Inhaberin bei den Reinert Open. Steur und ihre Gegnerin, die Spanierin Silvia Soler Espinosa, packen nach kurzer Wartezeit auf der Bank ihre Sachen und stürmen vom Platz. Das Warten in der Players Lounge beginnt.

Mehr als eine Stunde dauert es, ehe die beiden Spielerinnen den Court erneut betreten können. Der akribischen Arbeit des Helferteams ist es zu verdanken, dass der Sand trotz der Wassermassen wieder trocken und bespielbar ist. Die lange Wartezeit verkürzten sich Steur und Soler Espinosa, indem sie Musik hörten und etwas aßen. „Natürlich nur eine Kleinigkeit", sagt Steur, die von ihrem Trainer etwas Nudeln und eine Banane gereicht bekam.

Noch am Wochenende schlug Steur bei einem ITF-Turnier in Den Haag in den Niederlanden auf. Dort erreichte die Deutsche, mit holländischen Wurzeln das Halbfinale, stieß im Doppel mit ihrer Partnerin Dasha Ivanova (USA) sogar bis ins Finale vor. Ihre guten Leistungen in den Niederlanden brachten der Lokalmatadorin auch die Wild Card des Veranstalters ein. Ursprünglich sollte Steur in Versmold die Qualifikation spielen. „Aber ich konnte schlecht an zwei Orten gleichzeitig sein", sagt Steur und lacht.

Die 22-Jährige findet es „großartig", dass sie bei einem mit 60.000 Dollar dotierten Turnier direkt ins Hauptfeld gerutscht ist. Die gute Nachricht erreichte sie am Freitagabend via Telefon. Karsten Wolf, Turnierorganisator, teilte der verdutzten Steur mit, dass sie frühestens am Dienstag in Versmold aufschlagen wird.

In Soler Espinosa erwischte das heimische Tennis-Ass in der Auslosung allerdings eine schwere Auftakthürde. Die Spanierin, immerhin Nummer 198 der WTA-Weltrangliste, ist eine Spezialistin auf Sand, hat in ihrer Karriere bislang mehr als 2 Millionen US-Dollar Preisgeld eingeheimst und stand bei den French Open in Paris sogar einmal im Viertelfinale. Den Klassenunterschied merkten die zahlreichen Zuschauer am Court aber nur im zweiten Satz. Nachdem Steur ihre Nervosität abgelegt hatte, lieferte sie gegen Soler Espinosa einen großen Kampf, brachte die Südländerin mit starken Vorhand-Schlägen immer wieder zur Verzweiflung. Am Ende des ersten Satzes hieß es aber trotzdem 5:7. „Mit meiner Leistung bin ich aber zufrieden", resümierte Steur, die ihre Form im zweiten Satz nicht halten konnte und sich dort mit 2:6 geschlagen geben musste.

Überhaupt wird in der Familie Steur der Tennis-Sport großgeschrieben. Joelle Steur, die kleine Schwester von Julyette, ist deutsche Meisterin der U 14 und wohl die nächste große Nachwuchshoffnung beim Tennispark Versmold. „Manchmal trainieren wir zusammen", sagt Steur, „wenn es unsere Turnierpläne zu lassen." Dann lernt die kleine Schwester von der großen und umgekehrt.

Wegen des Regens mussten die Turnierverantwortlichen gleich fünf Spiele absagen und auf den nächsten Tag verschieben. „Noch sind wir früh in der Turnierwoche, kleinere Verzögerungen sind einkalkuliert", sagt Turnierdirektor Jan Miska. Notfalls könne man auch in die Tennishalle ausweichen. Aber das sei derzeit noch überhaupt keine Option. Schon morgen soll ja auch schließlich wieder die Sonne scheinen.

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