Mit Jogis Jungs quer durch Russland

Philipp Kreutzer

Fan der DFB-Auswahl: Jochen Twelmeyer mit Trikot und Fahne. - © Foto: Philipp Kreutzer
Fan der DFB-Auswahl: Jochen Twelmeyer mit Trikot und Fahne. (© Foto: Philipp Kreutzer)

Werther. Jochen Twelmeyer war 15, als er die deutsche Nationalmannschaft zum ersten Mal live spielen sah. Am 1. Mai 1974, kurz vor Beginn der WM im eigenen Land, besiegten Beckenbauer und Co. Schweden mit 2:0. Twelmeyer war mit seinem Bruder von Werther nach Hamburg gefahren, er wurde Zeuge zweier Tore von Jupp Heynckes. Und spürte, was er in den folgenden Jahren bei Besuchen von Spielen mit deutscher Beteiligung immer wieder spüren sollte: Gänsehaut.

Inzwischen ist Twelmeyer 58. Aber wenn er zu Hause in Werther im Garten sitzt und von seinen Reisen zu Länderspielen erzählt, dann versprüht er noch immer die Begeisterung eines 15-Jährigen. Es ist vor allem die Atmosphäre rund um Partien der DFB-Auswahl, es sind die Begegnungen mit anderen Fans – ob mit deutschen oder denen aus anderen Ländern –, die ihn bis heute mit fast magnetischer Energie anziehen. „Und wenn im Stadion die Nationalhymne gespielt wird, ist das jedes Mal ganz besonders", sagt er.

Twelmeyer ist mindestens drei Mal live dabei

In den kommenden Wochen wird Twelmeyer mindestens drei Mal live dabei sein, wenn die dritte Strophe des »Liedes der Deutschen« intoniert wird. Womöglich sogar sieben Mal. Denn der Wertheraner hat Karten für sämtliche Spiele der deutschen Mannschaft. Für die drei Vorrundenpartien gegen Mexiko in Moskau, gegen Schweden in Sotschi und gegen Südkorea in Kasan genauso wie für die K.o.-Runde .

Sollte die DFB-Elf diese erreichen, greift sein sogenanntes Follow-My-Team-Ticket . Dieses ermöglicht es Fans, ihr Team bis ins Finale zu begleiten – wenn es denn bis dorthin vordringt. Am Freitag geht Twelmeyers Flug von Hannover nach Moskau. Er schreibt zwar auch Frankreich und Spanien sehr gute Titelchancen zu, hat sich aber – optimistisch wie er ist – innerlich schon darauf eingestellt, gegen Ende des Turniers in die Hauptstadt zurückzukehren. In Moskau werden nämlich ein Halbfinale und das Endspiel ausgetragen. „Ich hoffe einfach, dass Deutschland es wieder schafft", sagt er.

Im Idealfall wird er also gut vier Wochen quer durch Russland unterwegs sein. Möglich ist das dem 58-Jährigen, weil er sich inzwischen im Vorruhestand befindet. Früher arbeitete er in leitenden Funktionen für US-amerikanische Software-Unternehmen. „Ich bin sehr happy, jetzt die Zeit zu haben, so etwas zu machen", betont Twelmeyer .

Beim Erzählen bekommt er eine Gänshaut

Nach 30 Jahren in München kehrte er im November 2016 zurück nach Werther und konzentriert sich nun auf das, woran er Freude hat. Zum Beispiel die Tätigkeit als Vorsitzender des BV Werther, für den er schon als Junge kickte. Oder eben Fußballreisen .

Russland, oder genauer die russische Regierung sieht Twelmeyer wegen deren Politik durchaus kritisch. Zugleich ist er aufgrund der Erfahrungen, die er beispielsweise während der EM 2012 in der Ukraine gemacht hat, absolut überzeugt: „Auch in Russland werden die normalen Menschen auf der Straße überwiegend herzlich sein und sich darauf freuen, Leute aus anderen Ländern kennen zu lernen."

Völkerverständigung mitzugestalten, Menschen und Kultur eines für ihn bisher unbekannten Landes zu erleben und seiner großen Leidenschaft Fußball nachzugehen: Das ist für Twelmeyer eine unschlagbare Kombination. „Ich freue mich riesig auf diese Reise", sagt er – und gerät plötzlich ins Stocken. „Hier, gucken Sie", unterbricht er sich selbst und deutet auf seinen linken Arm, „wenn ich nur daran denke, kriege ich Gänsehaut."

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