Verband stellt OM-Versand ein

Markus Voss

Gedankenspiele: Im Hauptgebäude des FLVW im Kamen-Kaiserau haben sich die Funktionäre und die Justiziare des Verbandes Gedanken gemacht, wie sie die GSGVO umsetzen müssen. - © FLVW
Gedankenspiele: Im Hauptgebäude des FLVW im Kamen-Kaiserau haben sich die Funktionäre und die Justiziare des Verbandes Gedanken gemacht, wie sie die GSGVO umsetzen müssen. (© FLVW)

Altkreis Halle . Die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) wirkt sich auch auf die Informationsweitergabe im Amateurfußball in Westfalen und damit auch auf den Fußballkreis Bielefeld aus. Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) stellt ab sofort den Versand seiner Offiziellen Mitteilungen (OM) an die Medien ein. „Laut unserem Justiziar und unserem Datenschutzbeauftragten ist ein Versand der OM nicht mehr vereinbar mit der DSGVO“, teilt der Verband mit. Auch die Sportredaktion des Haller Kreisblatts war bislang mit den OM beliefert worden. Die Vereine sind von dieser Neuregelung nicht betroffen.

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Übertriebene Zensur

von Wolfgang Temme

Vor laufenden Fernsehkameras hat Jogi Löw am Montag etwas getan, was andernorts rechtlich fragwürdig ist. Er hat öffentlich preisgegeben, wen der Deutsche Fußball-Bund für den WM-Kader nominiert. Wäre es nicht um die Nationalmannschaft, sondern um die Westfalenauswahl gegangen, hätte es die Information über die Berufung nicht gegeben.
Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen sieht sich aufgrund der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) nicht mehr in der Lage, die Medien über solche Personalien zu unterrichten. Bisher wurden sie zusammen mit anderen Informationen wöchentlich in den Offiziellen Mitteilungen (OM) auf elektronischem Weg an die Presse verschickt.
Seit dem Inkrafttreten der Verordnung am 25. Mai gibt es aber keine verbandlichen Informationen mehr über alle Inhalte der OM. Neben Nominierungen für Auswahlteams sind dies personenbezogene Angaben über Ordnungsgelder, Sportgerichtsurteile und Sperren. Auch nichtpersonenbezogene Daten wie Spielwertungen,⋌Neuansetzungen und organisatorische Hinweise sind über die OM für Journalisten nicht mehr zugänglich.
Datenschutz ist wichtig, da wird niemand widersprechen. Aus Verunsicherung und Sorge vor etwaigen Konsequenzen übertreibt es der FLVW allerdings. Hier wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Verloren geht nämlich etwas anderes Wertvolles – Transparenz. Und ob die Daten tatsächlich in angeblichem Übereinklang mit der DSGVO geschützt sind, wenn sie zwar den Medienvertreten vorenthalten werden, gleichzeitig aber ins Intranet des Verbandes gestellt werden, auf das alle Vereine und unzählige Vereinsvertreter Zugriff haben, ist äußerst zweifelhaft.
Im Sinne aller Beteiligten wäre es gut, wenn die Verbandsführung die Sommerpause nutzt, um die »Zensur« zu überdenken und juristische Vorkehrungen zu treffen, den Informationsfluss aufrechtzuerhalten. Oder wollen wir in letzter Konsequenz Mannschaftsaufstellungen ohne Namen und Spielergebnisse ohne Torschützen haben?

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