LokalsportSchlagball: Erster Spieltag der inoffiziellen deutschen Meisterschaft

Spvg. Steinhagen: Die kaum verbreitete Sportart überzeugt mit einer besonderen Stimmung

Max Backhaus

Gute Haltung: Der Spiekerooger Schläger versucht den Ball entweder weit oder hoch weg zu schlagen. - © Max Backhaus
Gute Haltung: Der Spiekerooger Schläger versucht den Ball entweder weit oder hoch weg zu schlagen. © Max Backhaus

Steinhagen. Der Himmel ist fast wolkenfrei, die Sonne strahlt. Aus den Boxen schallt »Gangsta’s Paradise« von Coolio, zwei Jungs tragen mit hochgekrempelten Ärmeln und Sonnenbrille auf der Nase eine Kiste Kaltgetränke zu ihrem Mannschaftslager.

Die für einen sportlichen Wettkampf ungewöhnliche Urlaubsatmosphäre am Rande der 1. Station der Deutschland-Tour 2018 kommt nicht von ungefähr: Ein Großteil der insgesamt fünf aus Langeoog, Spiekeroog, Winterhude und Mülheim nach Steinhagen angereisten Mannschaften besteht aus Menschen, die während eines Ferienaufenthalts ein Team gegründet haben. Auf den ostfriesischen Inseln wird Schlagball traditionellerweise am Strand gespielt.

Andererseits ist die gute Laune Axel Börgers zu verdanken. Das Vorstandsmitglied der Sportvereinigung hatte hatte den Sport einst selbst während eines Urlaubs für sich entdeckt und zögerte nicht lange, als der Langeooger Schlagballtrainer Peter te Heesen anfragte, ob Steinhagen als Ersatzstandort für Mühlheim einspringen wolle. Schließlich werden Verpflegung, Rahmenprogramm und Unterkunft in der Cronsbachhalle den Bedürfnissen der 90 Spieler samt ihrer Familien durchaus gerecht. Dass Steinhagen ein Standort mit erfolgreicher Schlagballvergangenheit in den 1920er-Jahren ist, passt ins Bild. „Einige Ältere haben heute morgen zugeguckt, die kennen das noch von früher", berichtet Börgers.

Sieger: Die Green Bulls von der Insel Spiekeroog konnten alle vier Begegnungen für sich entscheiden. - © Max Backhaus
Sieger: Die Green Bulls von der Insel Spiekeroog konnten alle vier Begegnungen für sich entscheiden. (© Max Backhaus)

Bis in die 40er-Jahre war Schlagball in Deutschland äußerst beliebt. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei ernannte diese urdeutsche Disziplin sogar zum Nationalsport. Im Rahmen der Entnazifizierung wurde Schlagball dann vorübergehend aus der Vereinslandschaft verbannt.

Da der Sport an sich aber nichts für diese dunkle Periode konnte, wird er heute wieder betrieben – wenn auch im kleinen Rahmen: Gerade mal zwölf Teams gibt es in ganz Deutschland. Die Spielregeln seien laut Börgers heute etwas anders, aber vom Grundprinzip trotzdem leicht zu verstehen. Eine Mannschaft ist am Schläger, der je nach Inselherkunft Klippe (auf Langeoog) oder Keule (Spiekeroog) genannt wird.

„Das Schöne ist, dass Schlagball geschlechter- und altersgemischt ist"

Wie beim amerikanischen Baseball, der durch europäische Auswanderer aus dem Schlagball entstanden ist, wird der 80-Gramm-Ball möglichst weit weg oder hoch geschlagen. Die ballbesitzende Mannschaft kann durch ihre Läufer Punkte erreichen, die andere durch das Fangen des Balles und Abwerfen der Spieler. Ertönt der Pfiff des Schiedsrichters, wechselt der Ballbesitz. „Das sind die besten Momente", schwärmt Börgers, als sich im Inselderby zwischen den Spiekerooger Teams in Sekundenbruchteilen das ganze Spiel dreht.

Körpereinsatz ist verboten, höchstens der Kontakt mit dem Ball sorgt mal für blaue Flecken. Ansonsten passt auch auf dem Rasen das freundschaftliche und faire Verhältnis zum Urlaub am Cronsbach. „Das Schöne ist, dass Schlagball geschlechter- und altersgemischt ist", sagt Börgers.

Dessen Söhne Lasse und Petter spielen selbst für Langeoog, das in der vergangenen Spielrunde sogar inoffizieller deutscher Meister wurde. Heute hat ihr Team alle vier Spiele im Modus Jeder-gegen-jeden verloren. Spätestens auf der Schlagerparty des Löschzugs in der Aula des benachbarten Schulzentrums am Abend war die Urlaubsstimmung aber auch bei ihnen wieder hergestellt.

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