Es rumort im Tennispark

Philipp Kreutzer

Unter Druck: Der Vorstand des Tennisparks Versmold um den Vorsitzenden Hans-Ewald Reinert (Mitte). Archiv - © Foto: Claus Meyer
Unter Druck: Der Vorstand des Tennisparks Versmold um den Vorsitzenden Hans-Ewald Reinert (Mitte). Archiv (© Foto: Claus Meyer)

Versmold. Auf seiner Internetpräsenz stellt sich der Tennispark Versmold als moderner, aufstrebender Verein mit „wunderschöner" Anlage im Stadtpark vor. Weniger schön ist hingegen die Stimmung, die zurzeit im Club herrscht. Diesen Eindruck legt jedenfalls ein offener Brief nahe, den ein anonymer Verfasser jetzt an den Vereinsvorstand adressiert hat. In dem Schreiben, das im Namen „vieler, mehr als besorgter Vereinsmitglieder" aufgesetzt sein soll und der Redaktion vorliegt, heißt es: „Unser Verein befindet sich in einem desolaten Zustand. Der Verein ist zerrissen. Es brodelt wie noch nie unter den Mitgliedern."

Der Hauptvorwurf, dem sich die Vorstandsmannschaft um Hans-Ewald Reinert, Geschäftsführer des gleichnamigen Fleischwarenherstellers und Sponsor des Tennisparks, ausgesetzt sieht: Die Verantwortlichen legten zu wenig Wert auf Geselligkeit und Breitensport, hätten vielmehr fast ausschließlich den Leistungssport im Blick. Im Tennispark, dem knapp 400 Mitglieder angehören, findet jährlich das Damen-Weltranglistenturnier Reinert Open statt, die erste Herrenmannschaft spielt in der Zweiten Bundesliga. Die Damen, ebenfalls personell aufgerüstet, sind in der Westfalenliga angelangt.

„Egoismus, Arroganz, Lüge und Machtspiele haben Einzug gehalten"

„Es geht euch nicht um die Menschen, es geht euch nicht um Freunde und Freude", schreibt der Verfasser. Sondern vielmehr „um Titel, um Status, um Ansehen. Egoismus, Arroganz, Lüge und Machtspiele haben durch euch in unseren Verein Einzug gehalten".

Ein weiterer Vorwurf behandelt das Ende der Zusammenarbeit von Club einerseits und den Trainern Ion Geanta und Matthias Lohmann andererseits. Diese hatten den Tennispark, wie berichtet, zum 30. September verlassen. Anders als der Vorstand es den Mitgliedern gegenüber dargestellt habe, seien beide aber keineswegs freiwillig gegangen. „So kann man vielleicht in der Wirtschaft auftreten", schreibt der Verfasser, „jedoch nicht unter Vereinsfreunden!"

Weiterhin beklagt der Schreiber das Fehlen „vernünftiger Kommunikation" imClub. Er stellt fest: „Es gibt kein gutes Vereinsleben mehr" und prophezeit: „Nach dem Winter werden noch viele der jetzigen Vereinsmitglieder dem Verein den Rücken kehren." Der Brief endet mit der Aufforderung: „Stellt euch den Mitgliedern in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung!"

Eben dies wird der Vorstand tun. Reinert und Co., die das anonyme Schreiben auf HK-Anfrage nicht kommentieren mochten, haben die Mitglieder für morgen zu einem Vereinsabend in die »Park Lounge« im Tennispark eingeladen. Dort soll es eine Aussprache und die Möglichkeit geben, offen Kritik zu üben.

Reinert möchte morgen Abend auch über den Stand in Sachen »Agenda 2020« informieren. Der Unternehmer will die Anlage amCaldenhoferWeg wie berichtet um drei Plätze erweitern sowie einen Centre-Court und ein neues Vereinsheim errichten. Die Zustimmung der Mitglieder für diesen Plan hatte Reinert vor gut eineinhalb Jahren mit seiner Wahl zum Vorsitzenden und Nachfolger von GustavMenzefrickeverknüpft. Doch obwohl es zu diesem Zeitpunkt innerhalb desClubslängst kritische Stimmen gab, die sich gegen das Vorhaben Reinerts aussprachen und skeptisch auf die Entwicklung des Vereins schauten, wurde der Unternehmer in der Mitgliederversammlung Anfang März 2016 einstimmig gewählt.

Kommentar

Anonym und polemisch

In einem ordentlichen Verein ist Kritik nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht. Insofern gibt es nichts daran auszusetzen, dass ein Mitglied des Tennisparks
Versmold seine Unzufriedenheit formuliert. Dennoch ist diese Kritik zu kritisieren. Denn der Verfasser argumentiert weniger sachlich-konstruktiv als vielmehr polemisch bis verletzend.

Noch kritikwürdiger ist, dass er sich nicht zu erkennen gibt. Wenn es dem Schreiber des anonymen Briefes wirklich darum geht, Verbesserungen für seinen Verein zu erreichen, dann sollte er in der morgigen Versammlung aufstehen. Und von Angesicht zu Angesicht kritisieren, statt aus dem Hinterhalt.

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