LokalsportTipps von der Trainerlegende

Steinhagener Tennistalent in Nick Bollettieris Akademie

61ÿChristian Helmig

Steinhagen. Beats-Kopfhörer und ein Bikini stehen auf dem Wunschzettel von Luisa Meyer auf der Heide weit oben. Vor allem aber freut sich die 14-Jährige darauf, über Weihnachten einige besinnliche Tage im Kreis ihrer Familie in dem gemütlichen Bauernhaus auf der Ortsgrenze zwischen Steinhagen und Brockhagen verbringen zu dürfen.

Auf die Technik kommt es an: Nick Bollettieri demonstriert eine Vorhand. Luisa Meyer auf der Heide schaut gebannt zu. - © Foto: Privat
Auf die Technik kommt es an: Nick Bollettieri demonstriert eine Vorhand. Luisa Meyer auf der Heide schaut gebannt zu. (© Foto: Privat)

Hinter der seit Jahren erfolgreichsten deutschen Tennisspielerin des Jahrgangs 2002 liegen ebenso ereignisreiche wie anstrengende Monate. Mit vielen tausend Flugkilometern, unzähligen Trainingsstunden, neuen Eindrücken und der Hoffnung, dem Traum von einer Profikarriere wieder ein Stück näher gekommen zu sein.

„Ich habe mich sehr wohl gefühlt und so gut gespielt wie noch nie"

Florida in den USA, die Bahamas, Nicaragua und Panama hießen die Stationen, die Luisa Meyer auf der Heide gemeinsam mit ihrer Mutter Ute Henkens bereist hat. Vor dem Endspurt Richtung Abitur nutzte »Lulu« das erste Halbjahr der zehnten Klasse, um zunächst in der wohl berühmtesten Tennisschule der Welt ihre sportliche Karriere voranzutreiben: Die IMG Academy in Bradenton wurde gegründet von Nick Bollettieri, der lebenden Trainerlegende, die schon Spieler wie André Agassi, Tommy Haas, Monica Seles, Maria Scharapowa oder Sabine Lisicki zu Weltstars geformt hat.

Ausgezeichnet: Fünf Trophäen brachte »Lulu« aus Übersee mit. - © Foto: Privat
Ausgezeichnet: Fünf Trophäen brachte »Lulu« aus Übersee mit. (© Foto: Privat)

„Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt und so gut gespielt wie noch nie in meinem Leben", berichtet Luisa Meyer auf der Heide nach ihrer Rückkehr. Drei Stunden am Tag stand sie unter der Sonne Floridas auf dem Tennisplatz – in einer Trainingsgruppe, die von keinem Geringeren als David Ayme, dem ehemaligen Trainer von Boris Becker und Tommy Haas, geleitet wurde. Dazu kam tägliches Konditionstraining – und natürlich regelmäßiger Englisch-Unterricht.

Und hin und wieder gab sich sogar der Meister höchstpersönlich die Ehre. „Nick Bollettieri ist total nett", sagt Luisa Meyer auf der Heide. „Und wenn er etwas sagt, dann hat das für alle großes Gewicht." Den ganzen Tag lang pirsche der mittlerweile 85-Jährige mit wachen Augen über die riesige Anlage, beobachte das Treiben auf den Plätzen und greife sofort ein, wenn er irgendwo Korrekturbedarf sieht. „Mir hat er gezeigt, dass ich bei der Vorhand die Ellenbogen höher halten soll", berichtet die Rechtshänderin. Ihre Rückhand dagegen sei bereits „exzellent", bestätigte Bollettieri in einer SMS.

Profitieren konnte die jungen Steinhagenerin auch von der amerikanischen Methode, innerhalb der Trainingsformen Punkte auszuspielen. „Dadurch spiele ich aggressiver und weiß im Match besser, wie ich mich verhalten soll", berichtet Luisa. Und nicht zuletzt biete die Größe der Akademie die Chance, sich jeden Tag mit anderen Gegnern zu messen. „Sportlich und mental hat mir diese Zeit unheimlich viel gebracht", bilanziert Luisa Meyer auf der Heide rückblickend.

Ihre Fortschritte dokumentierte sie bei einer anschließenden dreiwöchigen Turnierreise. Bei ITF-Turnieren in Nassau, Panama-Stadt und Managua gewann sie in Einzel und Doppel insgesamt fünf von sechs möglichen Titeln. In der Juniorenweltrangliste kletterte sie auf Platz 455 – ihre bislang beste Notierung. Anfang des Jahres war sie von Rang 1875 gestartet.

„2018 möchte ich bei den Grand-Slams der Junioren mitspielen"

Dass sie dabei auch einen Einblick in die Abläufe des Profigeschäfts gewinnen konnte, sei nicht zuletzt der großzügigen Unterstützung von Gerhard Weber, dem Vorsitzenden ihres Heimatclubs TC BW Halle, und des Deutschen Tennis-Bundes zu verdanken.

Organisiert wurde der Übersee-Aufenthalt von der Agentur IMG. „Sie erledigen alles sofort", ist Ute Henkens überzeugt, dass die Vertragsunterzeichnung beim amerikanischen Vermarktungsriesen vor etwas mehr als einem Jahr die richtige Entscheidung war. Ihre Karriereplanung hat Luisa Meyer auf der Heide auch in Zukunft international ausgerichtet. „2018 möchte ich bei den Junioren-Grand-Slam-Turnieren mitspielen", nennt sie ihr mittelfristiges Ziel.

Viel Zeit zum Ausruhen bleibt ihr derweil nicht. Um ihre Ranglistenposition weiter zu verbessern, steigt sie am 6. Januar in den Flieger Richtung Dubai und Abu Dhabi, um dort die nächsten Turniere zu spielen. Im Gepäck könnte sie dann vielleicht auch ein Paar Kopfhörer und einen neuen Bikini haben.