Halles Ära endet in der Landesliga

HSG Union ’92 verzichtet auf Oberliga

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Aus und vorbei: HSG-Vorsitzender Ernst-August Stüssel ist über den Rückzug genauso traurig wie Elisa Brügger (14) und Edita Medjedovic. - © Foto: Christian Helmig
Aus und vorbei: HSG-Vorsitzender Ernst-August Stüssel ist über den Rückzug genauso traurig wie Elisa Brügger (14) und Edita Medjedovic. (© Foto: Christian Helmig)

Halle. HSG Union ’92 verzichtet nach dem Abstieg auf das Oberliga-Startrecht. Jetzt plant der Verein den Neuanfang. Nach über 40 Jahren gibt der Verein damit seine Position als Nummer eins im heimischen Frauenhandball auf – gezwungenermaßen. „Wir hätten in der kommenden Saison keine konkurrenzfähige Mannschaft mehr aufstellen können", sagt Ernst-August Stüssel. Weil nach Einschätzung des Union-Vorsitzenden sogar die Verbandsliga eine Nummer zu groß gewesen wäre, werden dort künftig die Spvg. Steinhagen und Aufsteiger TuS Brockhagen die erste Geige im Altkreis spielen.

Wochenlang hatte Stüssel dafür gekämpft, dass die Union auch nach dem mittlerweile feststehenden Abstieg aus der Dritten Liga eine sportlich ambitionierte Perspektive besitzt. Viele Spielerinnen kamen zum Probetraining in die Masch, doch keine konnte sich angesichts der unsicheren Aussichten zu einem Wechsel entschließen. Dass es nicht geklappt hat, macht Stüssel traurig. „Nach vielen guten Jahren bedeutet diese Entscheidung eine erhebliche Zäsur für den Verein und auch für mich als Mensch", gibt er zu.

Die letzte Drittligapartie am Samstag um 17 Uhr gegen die HSG Blomberg-Lippe (siehe Extra-Text) wird damit zum großen Abschiedsspiel und besiegelt das Ende einer Ära: Der Stammverein TV Künsebeck zählte in den 70er-Jahren zu den Gründungsmitgliedern der damals zweitklassigen Regionalliga und bereitete den Boden dafür, dass die Union auch nach der Fusion auf hohem Niveau spielte – zuletzt neun Jahre lang ununterbrochen in der dritthöchsten deutschen Spielklasse.

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Verabschiedung nach dem Abpfiff

Zum Saisonfinale stellt sich am Samstag noch einmal ein absolutes Topteam der Dritten Liga in der Masch vor. „Schnell, jung, gut ausgebildet", so beschreibt Union-Trainer Steffen Thiede die Qualitäten von HSG Blomberg-Lippe II. Die Gäste sind Tabellenzweiter und wollen ihre Position hinter Meister Germania Fritzlar verteidigen. Halle könnte selbst im Falle eines Sieges den letzten Platz nicht mehr verlassen.
Trotzdem verspricht Thiede, dass seine Mannschaft voll motiviert zur Sache gehen wird, „um einen schönen Abschluss hinzukriegen". Dabei darf der Coach voraussichtlich auch auf seine Schwägerin Katrin Thiede bauen, die trotz ihrer Fußverletzung alles versuchen will, um ein letztes Mal vor heimischem Publikum aufzulaufen. Die offizielle Verabschiedung der Spielerinnen und Trainer hat die Union nach dem Abpfiff geplant.

Nun löst sich das Team in alle Himmelsrichtungen auf: Edda Sommer, Katrin Thiede und Edita Medjedovic verabschieden sich vom Leistungssport. Mareen Stüker, Josephine Löbig (beide zum TV Verl), Anna-Lena Bergmann (Minden-Nord), Jana Seegers und Elisa Brügger (beide Ziel unbekannt) suchen bei anderen Vereinen ihre Herausforderung. Anfang der Woche erklärte dann auch Trainer Steffen Thiede, dass er sich nach einer neuen Aufgabe umsehen wird.

Reserve soll in der Bezirksliga starten

Nur vier Spielerinnen des aktuellen Kaders haben laut Stüssel bislang keine Entscheidung über ihre sportliche Zukunft getroffen: Magali Werft könnte der HSG als Ur-Hallerin am ehesten erhalten bleiben. Allerdings dürfte es der Torhüterin an Wechsel-Angeboten nicht mangeln. Ob Verena Schüler, Kristina Meyer und Marleen Fräßdorf bleiben, ist ebenfalls fraglich. Letztere tendiert offenbar zur Rückkehr zu ihrem Stammverein TuS 97 Bielefeld-Jöllenbeck.

„In Halle wird auch in Zukunft Frauenhandball gespielt", versichert Stüssel. Fraglich war bis gestern noch, in welcher Klasse. Der ursprüngliche Plan des Vereins, für die Oberliga zu melden, das Team dann zurückzuziehen und nach einem Jahr Auszeit in der Spielzeit 2016/17 einen Neuanfang in der Verbandsliga zu starten, wurde von Spielleiter Andreas Tiemann abgelehnt. „Die Statuten sagen, dass man dafür mindestens die erste Halbserie zu Ende spielen muss", erklärt der Union-Chef.

So deutet alles darauf hin, dass die Haller Zukunft in der Landesliga liegt – der Spielklasse, in der die Reserve in der abgelaufenen Spielzeit den drittletzten Platz belegt hat. „Weil durch unseren Verzicht oben ein Platz frei wird, müssten wir keine Relegationsspiele mehr machen", hat Stüssel erfahren. Aktuell stünden 19 Spielerinnen und Trainer Yannick Hansel zur Verfügung und auch Tiemann gab gestern Abend grünes Licht. Die zweite Mannschaft soll in der Bezirksliga spielen und durch die A-Jugend ergänzt werden, falls diese den Aufstieg in die Oberliga nicht schafft. Die Zustimmung vom Kreis steht noch aus.

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