LokalsportElla Wagner auf dem Sprungbrett nach oben

Altkreis-Sportlerwahl: Schwimmerin ist das weibliche Nachwuchstalent des

61ÿChristian Helmig

Steinhagen. In Ostwestfalen ist auf den Brust- und Lagenstrecken kein Mädchen des Jahrgangs 2003 schneller. Das ist nur ein Grund, warum die Jury Ella Wagner vom SC Steinhagen-Amshausen zum weiblichen Nachwuchstalent des Jahres wählte.

Musterschülerin mit Biss: Ella Wagner vom SC Steinhagen-Amshausen blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2015 zurück. - © Foto: Christian Helmig
Musterschülerin mit Biss: Ella Wagner vom SC Steinhagen-Amshausen blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2015 zurück. (© Foto: Christian Helmig)

Wenn sich ein achtjähriges Mädchen abends um halb acht noch im Hallenbad tummelt, muss es dafür einen guten Grund geben. So wie bei Ella Wagner. „Da habe ich mir das erste Mal gedacht: Die kann ein bisschen mehr", erinnert sich Mutter Brigitte schmunzelnd an den Tag, an dem Trainer Klaus Völcker vorschlug, ihre Tochter solle in eine Gruppe mit älteren Kindern aufsteigen.

Das war vor vier Jahren. Und bis heute gibt es im Jahrgang 2003 weit und breit kaum eine Schwimmerin, die der Siebtklässlerin aus Steinhagen im Wasser dasselbige reichen kann. Bei den ostwestfälischen Kurzbahn-Meisterschaften in Lemgo gewann Ella Wagner kürzlich fünf Titel. In sieben Disziplinen (siehe Infokasten) führt die Brust- und Lagenspezialistin die Jahresbestenliste in OWL an. „Sie hat gute Aussichten, ganz weit nach vorne zu kommen", prognostiziert Völcker.

Trainer Völcker lobt: „Ella ist sehr stark wettkampforientiert"

Dass sie einmal die Wahl zum weiblichen Nachwuchstalent des Jahres im Altkreis gewinnen würde, ahnten die Eltern freilich noch nicht, als sie das damals fünfjährige Mädchen zum Schwimmkurs bei der Frau anmeldeten, die schon Generationen von Steinhagener Kindern die richtige Fortbewegung im kühlen Nass beigebracht hat. Unter Anleitung von Annegret Völcker schaffte Ella Wagner – wen wundert’s – mühelos das Seepferdchen. Um sich aber wirklich sicher über Wasser halten zu können, sollte sie noch zwei weitere Jahre beim SCSA trainieren – im Hause Wagner quasi eine Familientradition.

Während sich ihre älteren Brüder Joshua (16) und Finn (14) später für den Handball entschieden, blieb die Jüngste beim Schwimmen – auch „wegen des tollen Gruppengefühls", das sie im Verein tagtäglich erlebt. „Traurig war ich aber immer, wenn die anderen Kinder schneller geschwommen sind als ich", erinnert sich Ella Wagner und bringt mit diesem Satz eine Eigenschaft zum Ausdruck, die Klaus Völcker als eine ihrer größten Stärken sieht. „Ella ist sehr stark wettkampforientiert. Ihr Biss, immer gewinnen zu wollen, ist extrem", lobt der Trainer.

Um ihre stattliche Medaillensammlung („Mittlerweile müssten es ungefähr 150 sein") zu erweitern, trainiert Ella Wagner mindestens drei Mal in der Woche. An rund 20 Wochenenden im Jahr ist sie zu Wettkämpfen unterwegs. Zwischendurch gibt es aber auch immer wieder die Momente, in denen Klaus Völcker seiner Musterschülerin tief in die Augen schaut und sie mit einem strengen Unterton bei ihrem zweiten Vornamen nennt. „Miss Sophie", mahnt Völcker auch jetzt im Pressegespräch, „nimmt sich manchmal zu viel vor. Vor lauter Ehrgeiz vergisst sie dann die richtige Technik". Und auch im athletischen Bereich könne Ella „noch einiges tun".

„Ich brauche die Bewegung"

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das Altkreistalent des Jahres mit dem langen blonden Haar, der zierlichen Figur, der Zahnspange und dem fröhlichen Lachen tatsächlich kaum von gleichaltrigen Mädchen. Dass sie in gewisser Weise schon ein wenig erwachsener ist, verrät sich vor allem dann, wenn sie Sätze sagt wie: „Wer etwas erreichen will, muss auch etwas dafür tun" oder „Ich brauche die Bewegung. Wenn ich einen Tag lang nichts tue, fühl’ ich mich schlecht".

Auch den Traum vieler sportbegeisterter Kinder, das Hobby eines Tages zum Beruf zum machen, sieht Ella Wagner realistisch. „Das möchte ich nicht. Wenn ich dann mal verletzt bin, bekomme ich ja kein Geld", sagt sie. Vielleicht wäre Lehrerin eine Alternative. Wenn im Sportunterricht Schwimmen auf dem Plan steht, ist Ella schon heute freigestellt und gibt vom Beckenrand aus Tipps. Dann merken auch ihre Mitschüler: Die kann ein bisschen mehr.

Info

Ella Wagners Erfolge im Jahr 2015

• Bei den OWL-Meisterschaften auf der 25-m-Bahn gewann sie Gold über 50, 100 und 200 Meter Brust sowie über 100 und 200 Meter Lagen. Dazu kamen drei zweite Plätze.
• Bei den OWL-Meisterschaften auf der 50-m-Bahn in Beckum belegte sie über 100 und 200 Meter Brust sowie 200 Meter Lagen Platz eins. Dazu gewann sie drei Silbermedaillen.
• Sie ist siebenfache Nummer eins der ostwestfälischen Jahresbestenliste: über 25 (0:22,78 Min.), 50 (0:39,00), 100 (1:23,47) und 200 Meter Brust (2:59,01) sowie über 100 (1:16,66), 200 (2:47,11) und 400 Meter Lagen (6:12,78).
• In der NRW-Bestenliste belegt sie über 200 und 400 Meter Lagen Platz 10.
Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.