Fußball: Ist „Du Penner“ eine Beleidigung?

Fussball-Kreisliga: Halles Trainer Peter Mannek findet rote Karte für Marciano zu hart

SVEN HAUHART,Ralph Struck

Rudelbildung: Die Spieler des SC Halle protestieren gegen die Entscheidung von Schiedsrichter Lennart Brenke. - © Foto: Sven Hauhart
Rudelbildung: Die Spieler des SC Halle protestieren gegen die Entscheidung von Schiedsrichter Lennart Brenke. (© Foto: Sven Hauhart)

Altkreis Halle. Beim Fußball geht es schon mal etwas rauer zur Sache. Auch in der Ansprache untereinander. Beleidigungen haben auf dem Platz dennoch nichts zu suchen. Aber wo fängt eine Beleidigung überhaupt an? Diese Frage wurde in der A-Liga-Partie zwischen dem FC Türksport Steinhagen und dem SC Halle heftig diskutiert. In der B-Liga sind die einzigen verlustpunktfreien Mannschaften nach dem vierten Spieltag TuS Langenheide und TuS Solbad Ravensberg und damit zwei Altkreis-Teams.

Kurz vor der Halbzeit im A-Liga-Derby zwischen Türksport Steinhagen und Halle foulte Cemre Arslan Halles Umberto Marciano. Dieser betitelte Steinhagens Spieler daraufhin mit „Du Penner“ und wurde aufgrund dieser Äußerung von Schiedsrichter Lennart Brenke des Feldes verwiesen.

Für Peter Mannek eine zu harte Entscheidung. „Keine Frage. Das ist ein klares Fehlverhalten von Umberto. Aber wenn ’Penner’ Rot ist, ist ’Alter’ demnächst Gelb“, sagte Halles Trainer, der selbst „niemanden anzeigen würde, der Penner zu mir sagt“. Zumal Marciano kurz zuvor gefoult worden war und die Äußerung somit in der ersten Erregung darüber gefallen sei.

Umfrage
Sollte "Du Penner"  als Beleidigung mit "Rot" geahndet werden?
Ergebnisse

Für Daniel Beck, Schiedsrichterlehrwart beim Fußballkreis Bielefeld, gibt es hingegen „keine zwei Meinungen“, dass das Wort „Penner“ eine Beleidigung ist und „zwingend Rot“ nach sich ziehen muss. „Das, was mit der Äußerung bezweckt werden soll, ist entscheidend bei der Beurteilung, ob es sich um eine Beleidigung handelt“, erläutert Beck. Da der Ausspruch „Penner“ den Gegenspieler persönlich herabsetze und darüber hinaus eine Außenwirkung auf die übrigen Beteiligten und die Zuschauer entfalte, könnten die Schiedsrichter „gerade auf Kreisebene“ nicht darüber hinwegsehen, so Beck weiter. Der Kontext der Beleidigung, in diesem Fall das vorangegangene Foul, spiele lediglich bei der Bemessung des Strafmaßes eine Rolle. Je nachdem, was Schiedsrichter Brenke im Spielbericht vermerkt hat und wie dies Staffelleiter Dieter Brüggemann bewertet, könnte Marciano mit mildernden Umständen rechnen. Um eine Sperre wird er aber nicht herumkommen.

Wie lange Halles Ernes Azari pausieren muss, steht ebenfalls noch nicht fest. Der Offensivspieler, der – wie berichtet – in der Schlussphase der Partie in Steinhagen mit herausgesprungener Kniescheibe ins Krankenhaus eingeliefert wurde, konnte dieses Sonntagabend wieder verlassen. „Wir haben kurz telefoniert. Da war er schon wieder gut drauf“, berichtete Mannek erleichtert. Aufschluss darüber, ob Azari bei seinem Sturz eventuelle Bänderverletzungen im Knie davongetragen hat, sollen weitere Untersuchungen im Laufe der Woche ergeben.

In der B-Liga geschieht Historisches

In der B-Liga geschah am Wochenende beinahe Historisches: Langenheide setzte sich mit 3:1 im Stadtderby bei BV Werther II durch. „Ich habe mal nachgeschaut, unser bis dahin letzter Auswärtssieg bei der BV-Reserve datiert aus der Saison 2002/03“, weiß TuS-Vorsitzender Eckhard Lohmann zu berichten. Umso größer war die Freude bei Mannschaft und Trainern des Tabellenführers nach dem hart erkämpften Erfolg. Bis zur 60. Spielminute stand es 1:1, der BV war gleichwertig. „Als dann Gian-Luca de Carlo das 2:1 erzielte, haben meine Jungs noch einmal richtig aufgedreht“, stellte TuS-Trainer Maximilian Luedtke erfreut fest.

Folgerichtig sorgte Morten Franken neun Minuten vor dem Abpfiff für die Entscheidung. Luedtke sah für seine Truppe Vorteile im konditionellen Bereich und schwärmte von den Zugängen: „In Deniz Özden, Morten Franken und David Lohöfener standen neue Spieler in unserer Anfangsformation, die uns richtig weiterbringen.“

Auch der TuS Solbad Ravensberg erfüllte seine Pflicht durch einen 3:1-Sieg beim SC Peckeloh III. Dabei zeigten die Gäste in den ersten 45 Minuten eine gute Leistung. „Einziges Manko war die schlechte Chancenverwertung“, stellte Trainer Cüneyt Üstün fest. Deshalb lag seine Elf zur Pause nur mit 1:0 vorn. Auch das 2:0 kurz nach Wiederanpfiff brachte noch keine Ruhe ins Spiel, und als SCP-Akteur Viktor Kanke per Strafstoß auf 1:2 verkürzte, wurde es sogar kurz spannend. Solbad gelang aber nur sieben Minuten später durch den zweifachen Torschützen Abdoulaye Keita der erlösende dritte Treffer. „Wir haben sicher nicht unser bestes Spiel abgeliefert“, sagt Üstün, „aber wir haben trotzdem absolut verdient gewonnen.“

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.