LandtagGesundheitsminister: Deutschland muss mehr Ärzte ausbilden

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Karl-Josef Laumann (CDU), Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, sitzt bei einer Pressekonferenz. - © Carsten Koall/dpa
Karl-Josef Laumann (CDU), Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen, sitzt bei einer Pressekonferenz. © Carsten Koall/dpa

In Deutschland müssen nach Worten von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann dringend mehr Medizinstudienplätze geschaffen werden. «Wir bilden in Deutschland schlicht und ergreifend zu wenig Ärzte aus», sagte der CDU-Politiker am Donnerstag in einer Aktuellen Stunde des Landtags zum Thema Hausarztmangel. Auf jeden Studienplatz kämen zehn Bewerber und Bewerberinnen.

Bayern und Nordrhein-Westfalen seien die einzigen Bundesländer, die «in erheblichem Umfang» die Zahl der Medizinstudienplätze in den vergangenen Jahren erhöht hätten, sagte Laumann. So sei noch unter der schwarz-gelben NRW-Landesregierung entschieden worden, eine neue Medizinische Fakultät in Bielefeld mit 300 Studienplätzen mit Schwerpunkt Allgemeinmedizin aufzubauen. Außerdem sei an der Universität Witten-Herdecke die Zahl der Studienplätze verdoppelt worden. NRW bilde somit 400 Ärzte mehr aus als vorher. Bisher seien es 2000 Ärzte gewesen und demnächst würden es 2400 sein. In ihrem Koalitionsvertrag haben CDU und Grüne sich eine Erhöhung der Zahl der Medizinstudienplätze in NRW um 20 Prozent zum Ziel gesetzt.

Der SPD-Abgeordnete Serdar Yüksel forderte, nicht mehr nur auf Ärzte zu setzen, sondern medizinische Fachangestellte zu Versorgungsassistenten auszubilden. Speziell geschultes Pflegepersonal könnte etwa auch Visiten in Pflegeheimen oder Wundversorgung in den Praxen übernehmen. «Wir müssen weg vom Faktor Arzt», sagte Yüksel. Das Statistische Bundesamt prognostiziere bis zum Jahr 2040 eine Steigerung des Bevölkerungsanteils der über 67-Jährigen um bis zu 42 Prozent. Allein bei Diabetes-Erkrankungen werde ein Anstieg um bis zu 77 Prozent bis 2040 prognostiziert, so Yüksel. Bis 2030 gingen in NRW 1165 Hausärzte in den Ruhestand.

Von den rund 11.200 niedergelassenen Hausärztinnen und Hausärzten in NRW haben mehr als ein Drittel bereits das 60. Lebensjahr überschritten. Nach Ansicht des Hausärzteverbandes Nordrhein wird auch die aktuelle Zahl an Medizinstudienplätzen in NRW nicht ausreichen, um die Ruhestandswelle abzufangen.

Der Mediziner und AfD-Fraktionschef Martin Vincentz sagte, es sei «nicht so einfach möglich», die Zahl der Medizinstudienplätze zu erhöhen. Denn dafür müsse viel mehr Geld auch für die Lehre investiert werden. Eine Erhöhung der Studienplatzzahl hätte man schon viel früher diskutieren müssen, sagte er. Denn die normale Ausbildung eines Mediziners dauere elf Jahre.

Die Grünen-Abgeordnete Meral Thoms verwies darauf, dass viele angehende Ärzte nicht mehr Einzelkämpfer sein wollten, sondern neue Formen der Zusammenarbeit suchten. Gerade jüngere Ärzte und Ärztinnen wollten eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und können sich eine hausärztliche Tätigkeit auch in Teilzeit oder als Angestellte vorstellen. Dies wäre zum Beispiel in Gemeinschaftspraxen und Medizinischen Versorgungszentren oder in Ärztegenossenschaften möglich.

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