Küken töten verbotenDiese Eier-Siegel garantieren die Aufzucht von Bruderhähnen

Seit Januar 2022 dürfen männliche Küken in Deutschland nicht mehr getötet werden. Dennoch gibt es die Praxis noch im europäischen Ausland – mit Auswirkungen auf das Angebot in Supermärkten und Discountern.

Wiebke Wellnitz

Nur weil Eier als "deutsch" deklariert werden, ist damit das Töten von Küken nicht automatisch ausgeschlossen. - © Pixabay
Nur weil Eier als "deutsch" deklariert werden, ist damit das Töten von Küken nicht automatisch ausgeschlossen. © Pixabay

Das Töten von Küken ist seit einem Jahr in Deutschland verboten – in Europa jedoch nicht. Das führt dazu, dass immer noch Eier von Hühnern in Deutschland verkauft werden können, deren "Bruderhähne" nicht älter als einen Tag alt werden. Doch wie lässt sich das beim Einkauf feststellen? Das erklärt die Verbraucherzentrale.

Warum ist beim Kauf von deutschen Eiern das Kükentöten nicht ausgeschlossen?

Hühner und Hähne schlüpfen nicht zwangsläufig in dem Betrieb, in dem sie aufgezogen werden. Konzentrieren sich Brütereien vor allem auf das Schlüpfen der Küken, findet die spätere Haltung und das Eierlegen der erwachsenen Tiere meist in anderen Betrieben statt. Das heißt laut der Verbraucherzentrale: Legehennenbetriebe, die sich in Deutschland befinden, können trotz des deutschen Verbots, Küken zu töten, Küken aus dem Ausland importieren, auch wenn dort das Töten von Eintagsküken noch gängige Praxis ist. Die Eier dieser Legehennen werden dennoch als "deutsche Eier" verkauft.

Bieten nur Biosupermärkte Eier an, bei denen das Kükentöten ausgeschlossen werden kann?

Nein. Laut der Verbraucherzentrale gibt es auch in konventionellen Supermärkten und bei Discountern entsprechende Angebote. Mit dabei sind unter anderem Aldi, Kaufland, Lidl, Edeka und Rewe. Unklar bleibt für Verbraucherinnen und Verbraucher jedoch teilweise, ob die Bruderhähne tatsächlich aufgezogen oder die männlichen Küken durch die Geschlechtsbestimmung im Ei bereits vor dem Schlüpfen aussortiert wurden.

Welche Siegel garantieren, dass die Bruderhähne aufgezogen wurden?

Laut der Verbraucherzentrale gibt es sowohl Initiativen, die bundesweit aktiv sind, als auch welche, die sich regional zusammenschließen. Im Folgenden werden Initiativen vorgestellt, die nicht nur in Bioläden, sondern auch in Supermärkten und beim Discounter zu finden sind.

Die Initiative "haehnlein" stellt sicher, dass die Bruderhähne unter ökologischen Bedingungen aufwachsen. Die Betriebe der Erzeugergemeinschaft befinden sich in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Ihre Eier sind mittlerweile nicht nur in Biosupermärkten zu finden, sondern auch in Rewe- und Edeka-Supermärkten in OWL.

Die Rewe-Gruppe hat zudem ein eigenes Projekt initiiert. Unter dem Namen "Spitz & Bube" werden Eier deklariert, bei denen sichergestellt ist, dass Legehennen die Schnäbel nicht gekürzt werden und männliche Küken mit aufgezogen werden. Diese Eier sind in allen Rewe-Filialen erhältlich.

Der Discounter Penny bietet Folgendes an: Das Logo "Herzbube" kennzeichnet Eier aus Betrieben, bei denen laut Penny sichergestellt ist, dass auch die männlichen Küken gerettet und artgerecht aufgezogen werden.

In Hofläden und Biosupermärkten sind häufig Eier der "Bruderhahn Initiative Deutschland" zu finden. Laut der Verbraucherzentrale handelt es sich um Demeter- und Biolandbetriebe, die die Eier in den Handel bringen. In OWL können sie beispielsweise in Denn's Biomarkt in Städten wie Herford, Gütersloh, Minden, Paderborn, Lemgo und Bielefeld gekauft werden.

Auch in OWL gibt es regionale Initiativen außerhalb von Supermärkten und Discountern. So hat beispielsweise der Geflügelhof Südbrock in Rheda-Wiedenbrück das "Mein Bruderhahn"-Konzept mit ins Leben gerufen. Die Idee: Die Höfe ziehen nicht nur die eigenen Bruderhähne auf, sondern auch die anderer Biohöfe. Auf diese Weise soll Betrieben der Einstieg in das Konzept erleichtert werden. Verkauft werden nicht nur Eier mit dem entsprechenden Siegel, sondern auch verarbeitete Produkte wie Bolognese-Soße oder Geflügel-Currywurst.

Dennoch kritisiert die Tierschutzorganisation "Peta" das Konzept. Denn die Aufzucht der Hähne laufe aus ihrer Sicht häufig keinesfalls artgerecht ab und bedeute Leid für die Tiere.

Gibt es noch weitere Alternativen?

Wer nicht im Supermarkt, Bioladen oder Discounter einkaufen möchte, kann sich auch bei den Landwirten in der Umgebung informieren. Denn ein anderes Konzept der Haltung ist laut der Verbraucherzentrale das der Zweitnutzungsrassen. Das heißt, dass Hahn und Huhn weder beim Eierlegen noch beim Fleischansatz Höchstleistungen vollbringen. Dadurch wird jedoch gewährleistet, dass die Tiere länger leben und vor allem beide Geschlechter aufgezogen werden.

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