KulturpolitikMuseumsdirektorin erfreut über Einigung zu Benin-Bronzen

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Nanette Snoep, Direktorin des Rautenstrauch-Joest-Museum, lacht. © Marius Becker/dpa

Die Direktorin des Kölner Rautenstrauch-Joest-Museums, Nanette Snoep, hat sich erfreut über die Einigung zur Rückgabe der Benin-Bronzen geäußert. «Hinter dieser Vereinbarung zwischen Deutschland und Nigeria verbergen sich jahrzehntelange Kämpfe von Menschen in Afrika und Europa für Restitution und Gerechtigkeit, deren Stimmen kaum oder nicht beachtet wurden», teilte Snoep am Mittwoch auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. «Ich hoffe sehr, dass auf diesen ersten Schritt tiefgreifende Veränderungen in den Museen erfolgen werden, die von der Politik begleitet und unterstützt werden.»

Das Rautenstrauch-Joest-Museum besitzt 96 sogenannte Benin-Bronzen aus Nigeria, die 1897 von der britischen Armee aus dem Königspalast des Königreichs Benin geraubt und anschließend in Europa versteigert worden waren. Insgesamt sind etwa 1100 der Bronzen in rund 20 deutschen Museen zu finden. Am Dienstag war bekannt geworden, dass Deutschland und Nigeria sich über den Umgang mit den Bronzen verständigt haben. Für Freitag ist im Auswärtigen Amt (AA) die Unterzeichnung einer Absichtserklärung geplant, die den Weg für die Eigentumsübertragungen freimacht.

Für das Rautenstrauch-Joest-Museum müsse der Kölner Stadtrat die Eigentumsübertragung beschließen, erläuterte eine Museumssprecherin. Der Rat hatte bereits Anfang Februar beschlossen, die Rückgabe in Abstimmung mit dem AA und dem Kulturstaatsministerium vorzubereiten. Die ersten Bronzen könnten dann voraussichtlich Ende des Jahres zurückgegeben werden, sagte die Sprecherin. Ob einige von ihnen als Leihgaben in Köln bleiben, habe die nigerianische Seite zu entscheiden.

«Die Restitution dieses für Nigeria so wichtigen kulturellen Erbes wird nun immer konkreter und die Stadt Köln zeigt damit, dass sie den Dekolonisierungsprozess und die Auseinandersetzung mit ihrem kolonialen Erbe ernst nimmt», sagte Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos).

«Wir sollten nie vergessen, wie tief solche Museen mit der Kolonialgeschichte verwoben sind und dass die dabei verursachten kolonialen Traumata immer noch in den nachfolgenden Generationen fortwirken», sagte Snoep, die sich seit vielen Jahren für die Rückgabe der Bronzen einsetzt. Eine Dekolonisierung könne nur stattfinden, wenn sich auch die Strukturen der Museen änderten, indem die Nachfahren der Kolonisierten aktiv in Entscheidungsprozesse eingebunden würden.

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