NRWTüv legt kräftig zu und schließt Rückkehr nach Russland aus

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Michael Fübi, Vorsitzender der TÜV Rheinland AG. © Oliver Berg/dpa/Archivbild

Weil sich die Corona-Folgen abschwächen und der Bedarf an Prüfungen steigt, hat der Tüv Rheinland deutlich mehr Geschäft gemacht. Der Umsatz sei im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2020 um sieben Prozent auf 2,1 Milliarden Euro gestiegen, teilte der Prüfkonzern am Dienstag mit.

Das Betriebsergebnis (Ebit) lag bei 157,8 Millionen Euro. Der Nettogewinn wurde nicht mitgeteilt. 2020 war das Ebit leicht negativ, was vor allem an 90 Millionen Euro schweren Rückstellungen wegen eines Brustimplantate-Skandals lag. Dieser Skandal wurde 2010 aufgedeckt, und die Rechtsstreitigkeiten dauern an. Der Vergleich zu 2019 ist beim Betriebsergebnis aussagekräftiger: Damals lag das Betriebsergebnis mit 135,6 Millionen Euro deutlich niedriger als im vergangenen Jahr.

Konzernchef Michael Fübi zeigte sich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. «Der positive Jahresabschluss gibt uns zusätzlichen Spielraum für Investitionen in unsere Zukunft und weiteres Wachstum.» Der Konzern hat weltweit 20 241 Vollzeitstellen, davon 8486 in Deutschland. Insgesamt sank die Beschäftigtenzahl im vergangenen Jahr wegen Restrukturierungsmaßnahmen um etwa zwei Prozent. Künftig will die Firma wieder Jobs aufbauen. «Wir haben aktuell über 900 Stellen in Deutschland offen», sagte Fübi.

Der Tüv Rheinland ist eins der größten Prüfunternehmen in Deutschland. Zu den Wettbewerbern gehören Dekra, Tüv Nord und Tüv Süd. Die bekannteste Dienstleistung des Tüvs ist die Hauptuntersuchung (HU) von Autos. Dieses Geschäft ist in der Konzernsparte Mobilität enthalten, die 2021 kräftig zulegte und grob gesagt ein Viertel des Konzernumsatzes ausmacht. Ein weiteres Viertel entfällt auf die Produktprüfungen - hier werden zum Beispiel Spielzeuge, Bekleidung und Kosmetika unter die Lupe genommen. Außerdem bietet der Tüv Rheinland Schulungen und IT-Sicherheit an und zertifiziert Managementsysteme.

Firmenchef Fübi war bei einer Prognose für dieses Jahr zurückhaltend - hierzu eine Schätzung zu machen, sei sehr schwierig, sagte der Manager und verwies auf die Folgen des Ukraine-Krieges und die noch nicht überstandene Pandemie.

In Shanghai hat der Tüv Rheinland 1400 Beschäftigte. «Dort sind wir seit fünf Wochen im Lockdown», sagte Fübi. Das habe Auswirkungen nicht nur auf den eigenen Laborbetrieb, sondern auch für die Lieferketten. In der Ukraine hat der Tüv Rheinland keine Beschäftigten. Ihr Russland-Geschäft hat die Firma eingestellt - dies war ein kleines Möbel-Prüflabor mit einem Jahresumsatz von weniger als einer Million Euro. Der Tüv Rheinland wird nach den Worten Fübis nach dem Ukraine-Krieg nicht nach Russland zurückkehren.

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