Zwischen Weser und RheinMinisterin erklärt Hintergründe von Mallorca-Reise

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NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) sitzt im Untersuchungsausschuss zur Flutkatastrophe. © Frank Christiansen/dpa/Archivbild

Nordrhein-Westfalens Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) hat sich näher zu den Umständen ihrer umstrittenen Reise nach Mallorca während der Flutkatastrophe im Juli 2021 geäußert. Die Politikerin sagte der «Rheinischen Post» (Donnerstag): «Meine minderjährige Tochter war mit vier 14- und 15-jährigen Freundinnen und Freunden in unserer dortigen Wohnung. Ich hatte ihr dies nach zwei Jahren Pandemie ohne Urlaub versprochen.» Es sei ihre Verantwortung gewesen, die Kinder persönlich zu betreuen und ihre Rückkehr zu organisieren. «Ich konnte das meinem 76-jährigen Mann nicht zumuten. Wir sind dann als Familie am darauffolgenden Wochenende zurückgeflogen.»

Die SPD-Opposition forderte Heinen-Esser daraufhin am Donnerstag erneut zum Rücktritt auf. «Offenbar hat sie doch nur ihren Urlaub zu Ende gebracht, die Rückflüge dürften längst gebucht gewesen sein», sagte SPD-Obmann Stefan Kämmerling dem «Kölner Stadt-Anzeiger». «Die Ministerin hatte keinerlei Gespür für die Not der Menschen, und sie verfügt offenbar auch nicht über ein angemessenes Amtsverständnis. Sie muss umgehend zurücktreten.»

Die CDU-Landtagsfraktion wies das als schäbige «Schmutzkampagne» zurück. Als die damalige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) 2014 während einer Sturmkatastrophe im Urlaub eine Woche nicht erreichbar gewesen sei und das mit einem «Dauerfunkloch» erklärt habe, sei das «für die Genossen völlig in Ordnung» gewesen, kritisierte der CDU-Sprecher im Untersuchungsausschuss Flut, Thomas Schnelle.

Die damalige CDU-Opposition habe dennoch keinen Rücktritt gefordert. «Aber jetzt will die SPD eine Ministerin mit Angriffen auf ihr Privatleben aus dem Amt jagen, die nach bisherigem Stand nonstop gearbeitet und alle nötigen Maßnahmen ergriffen hat», bemängelte Schnelle. «Das ist lachhaft!»

Heinen-Esser war während der Flut-Katastrophe zurück nach Mallorca geflogen, wo ihre minderjährige Tochter zurückgeblieben war. Die Ministerin hat nach eigenen Angaben von Mallorca aus weitergearbeitet. Am 22. April, gut drei Wochen vor der Landtagswahl, soll sie erneut vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss des Landtags zur Flutkatastrophe aussagen.

Der «Rheinischen Post» sagte die 56-Jährige: «Ich verstehe, dass es als unsensibel empfunden wird, dass ich nach der Flut eine gute Woche nicht in Nordrhein-Westfalen war. Ich bedauere, dass hier ein falsches Bild entstanden ist, und bitte dafür um Entschuldigung.»

Die Hochwasserkatastrophe habe für viele Menschen im Land schlimme Folgen gehabt und alle Verantwortungsträger vor große Aufgaben gestellt - auch sie selbst. «Mir war es wichtig, mich intensiv um die anstehenden Themen zu kümmern. Ich habe vor allem das Entsorgungsproblem in den betroffenen Kommunen begleitet, Sofortmaßnahmen organisiert und die Aufarbeitung vorangetrieben. Aus heutiger Sicht würde ich versuchen, mich von vorneherein privat anders zu organisieren.»

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