Zwischen Weser und RheinDigitaler Ehrenamtatlas: Pandemie verändert Einsatzzeit

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Die Corona-Pandemie in den zurückliegenden zwei Jahren hat sich auch auf die Arbeit von Ehrenamtlichen ausgewirkt. Laut eines am Montag in Essen vorgestellten Ehrenamtatlas 2022 gibt mit 46 Prozent fast die Hälfte der Befragten an, dass sie ihr Engagement in der Pandemie verändert haben. 22 Prozent sprechen von etwas weniger Zeit, die sie im Vergleich zu 2020 investiert haben. 24 Prozent sagen, deutlich weniger im Ehrenamt gearbeitet zu haben.

«Es wird ein unvergleichlicher Kraftakt, diese Menschen wieder ins Ehrenamt zurückzuholen«, sagt Andreas Kötter, Sprecher der Geschäftsführung von Westlotto, der das Projekt der staatlichen Lotteriegesellschaft vorstellte. Der digitale Ehrenamtatlas zeigt für acht Regionen und 53 Kreise sowie die kreisfreien Städte auf, wie viele Menschen sich pro 100 Einwohner ehrenamtlich engagieren, wie hoch deren zeitlicher Aufwand und der wirtschaftliche Gegenwert ist.

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat dafür Anfang des Jahres 2022 rund 10.000 Menschen in Nordrhein-Westfalen ab 18 Jahren repräsentativ befragt. Insgesamt leisten die NRW-Bürger ehrenamtliche Arbeit zum Beispiel bei der Freiwilligen Feuerwehr, in Sportvereinen oder bei der Nachbarschaftshilfe im Wert von 19,14 Milliarden Euro. Grundlage der Berechnung ist dabei der ab Oktober geltende Mindestlohn von 12,00 Euro. Der Hochsauerlandkreis erreicht landesweit mit einer Quote von 69 Prozent einen Spitzenwert.

Wissenschaftlich begleitet wird der Atlas von Andrea Walter von der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW. Die Professorin forscht zum Thema Ehrenamt. «Zum ersten Mal haben wir hierzu nun aber konkrete Zahlen für das Land NRW vorliegen - und diese sollten uns im Sinne des Ehrenamtes aufhorchen lassen.»

Der Hochsauerlandkreis steht der Expertin zufolge für einen Trend: «Je ländlicher desto höher die Ehrenamt-Quote.» Besonders auf dem Land zeigten die Menschen eine hohe Motivation zum Willen zur Selbsthilfe. «Da wo es zum Beispiel Einschränkungen im Nahverkehr gibt, springen Ehrenamtsvereine ein und fahren die Busse.»

Ein Teil der Befragten beklagt die fehlende gesellschaftliche Wertschätzung. So geben 38 beziehungsweise 7 Prozent der Ehrenamtler an, sich wenig oder nicht wertgeschätzt zu fühlen. «Ehrenamt braucht mehr Zuwendung», sagt Kötter und fordert beispielsweise einen Bürokratieabbau bei ehrenamtlichen Projekten.

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