Kinderpornografie"Ich schäme mich": Bielefelder gesteht Straftaten im Darknet

Der 33-jährige Bielefelder ist einschlägig vorbestraft. Mehrere Jahre schien er danach den Ausstieg aus der Szene geschafft zu haben - doch dann erfolgte der Rückfall.

Nils Middelhauve

Der Bielefelder richtete im Darknet zwei Plattformen ein, die er zum illegalen Handel und Austausch von Kinderpornografie nutzte. - © dpa
Der Bielefelder richtete im Darknet zwei Plattformen ein, die er zum illegalen Handel und Austausch von Kinderpornografie nutzte. © dpa

Bielefeld. Folgt man der Einlassung des Angeklagten, so war es vor allem Geltungssucht, das Heischen nach virtuellem Schulterklopfen, das ihn dazu brachte, im Darknet Plattformen mit Kinderpornografie zu betreiben. Nun hat der 33 Jahre alte Bielefelder vor dem Landgericht ein umfassendes Geständnis abgelegt.

„Es war sicherlich ein Fehler von mir, mir damals keine Hilfe gesucht zu haben. Ich dachte, ich schaffe das alleine", sagte Sebastian N. (Name geändert) nun in der Verhandlung vor der XX. Großen Strafkammer des Landgerichts. Damit rekurrierte er auf die Zeit, die sich vor zehn Jahren an eine Verurteilung anschloss. Bereits 2013 hatte sich der Bielefelder IT-Experte wegen Taten im Zusammenhang mit Kinderpornografie verantworten müssen. Damals habe er eigentlich schon damit abschließen wollen, führte N. nun aus.

Und tatsächlich hielt sich der 33-Jährige auch fünf Jahre lang von der Szene fern. Doch änderte sich dies schließlich wieder. 2018 sei, so N. vor Gericht, das Verlangen wieder aufgetreten „so etwas wieder zu sammeln". Im März 2021 schließlich mietete N. einen Server in der Ukraine an. Ab November 2021 betrieb er mithilfe eines so genannten TOR-Netzwerks zwei Plattformen mit kinder-und jugendpornografischen Inhalten. Dabei sei es ihm nach eigenen Angaben nicht nur um den illegalen Content der Seiten gegangen: „Zuerst hatte mich vor allem die Technik interessiert." Hinzugekommen sei jedoch auch, dass er Anerkennung erhalten habe, wenn er etwas gepostet habe.

Als er die Plattformen deinstallierte, war er längst ins Blickfeld der Ermittler geraten

Sebastian N. agierte als Administrator und Serverbetreiber, ließ jedoch von Moderatoren Fragen in seinen Foren beantworten. Eine dieser Personen soll eine Mutter eines kleinen Kinds gewesen sein. Für 2022 habe er schließlich den Vorsatz gefasst, „damit nichts mehr zu tun zu haben", weil er gemerkt habe, dass „das alles Scheiße ist". Am 30. März des vergangenen Jahrs schließlich deinstallierte er alles, was mit den illegalen Plattformen zu tun hatte. Doch war N. zu diesem Zeitpunkt bereits lägst in den Fokus internationaler und deutscher Ermittler geraten. Am 12. April schließlich überraschten Polizeibeamte den Computernerd.

Die Polizisten stellten mehrere Datenträger mit zahlreichen kinder- und jugendpornografischen Dateien sicher. Nach einigem Zögern verriet N. die Passwörter zu den verschlüsselten Datenträgern. Dies, so sein Verteidiger Peter Rostek in der Gerichtsverhandlung, müsse man seinem Mandanten hoch anrechnen: „Andernfalls hätte es möglicherweise Jahre gedauert, die Verschlüsselungen zu knacken." Sebastian N. gibt sich geläutert, möchte auf jeden Fall eine Therapie machen: „Ich kann mich nur schämen. Mir ist klar geworden, dass da Schicksale hinterstehen."

Der Prozess wird am 26. Januar fortgesetzt.