RegionVeterinäramt überrollt: Immer mehr Tierschutz-Beschwerden im Kreis Gütersloh

Fast jeder hat ein Haustier, aber nicht alle können damit umgehen. Die Beschwerden beim Veterinäramt des Kreises Gütersloh häufen sich. Die Kontrolleure kommen aber nicht hinterher.

Anja Hustert

Die Zahl der Beschwerden im Kreis Gütersloh ist von 170 im Jahr 2019 auf 284 im vergangenen Jahr gestiegen. Für dieses Jahr werden 325 Beschwerden prognostiziert. - © Symbolfoto/Pixabay
Die Zahl der Beschwerden im Kreis Gütersloh ist von 170 im Jahr 2019 auf 284 im vergangenen Jahr gestiegen. Für dieses Jahr werden 325 Beschwerden prognostiziert. © Symbolfoto/Pixabay

Kreis Gütersloh. Die Zahl der Hunde, Katzen, Kaninchen und Hamster in den Haushalten im Kreis Gütersloh hat während der Coronazeit zugenommen. Und seither häufen sich auch beim Veterinäramt die Tierschutzbeschwerden. "Wir werden überrollt", sagte Kreisveterinär Patrick Steinig jetzt im Gesundheitsausschuss. Er bat die Ausschussmitglieder um eine Aufstockung seines Personals.

Die Zahl der Beschwerden ist laut Steinig von 170 im Jahr 2019 auf 284 im vergangenen Jahr gestiegen. Für dieses Jahr werden 325 Beschwerden prognostiziert. "Durch die Zunahme der privaten Tierhaltungen steigt auch der Anteil an Beschwerden", so die Veterinäre. In der Regel sei aufgrund einer Anzeige nicht ersichtlich, ob es sich um eine berechtigte oder unberechtigte Beschwerde handele.

"Daher ist in nahezu jedem Fall ein Vor-Ort-Termin erforderlich", so Steinig. Zusätzlich handele es sich in vielen Fällen um beratungsintensive Termine, die zum Teil auch weitere Kontrollen nach sich zögen, da die erforderliche Qualifikation der Tierhalter fehle.

Tierschutz-Transport-Vergehen werden nicht geahndet

Um die vielen Beschwerden bewältigen zu können, soll im Stellenplan 2023 zusätzlich eine halbe Tierarztstelle befristet auf zwei Jahre eingerichtet werden. Danach könne eingeschätzt werden, ob es sich um einen coronabedingten Kurzzeiteffekt oder um einen langfristigen Mehraufwand handele. "Die Kollegen brauchen Unterstützung, sonst gehen die auf dem Zahnfleisch", sagte der Kreisveterinär.

Aber auch an anderen Stellen haben die Veterinäre Unterstützungsbedarf. Der Gesundheitsausschuss sprach sich - bei einer Gegenstimme durch die UWG - für eine weitere Verwaltungsstelle im Bereich Fleischhygiene aus. "Wir haben einen großen Rückstau bei den Ordnungswidrigkeitsverfahren", sagte Steinig. Der Kreis kontrolliere die Schlachtbetriebe, sowie die dazugehörigen Verarbeitungsbetriebe.

Steinig sprach von "sechs dicken Leitzordnern" mit Vergehen, unter anderem Tierschutz-Transport-Vergehen, die nicht abgearbeitet werden könnten. "Wir brauchen ein klares Signal, das man mit bestimmten Vergehen im Kreis Gütersloh nicht durchkommt", betonte er. Die Kosten der Stelle könnten weitestgehen über Buß- und Zwangsgelder refinanziert werden.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.