BielefeldIgnorante Hundehalter: Mehrere Tiere sterben durch Hitzschlag

Noch immer scheinen nicht alle Tierhalter die ständigen Warnungen ernst zu nehmen.

Alexandra Buck

Traurige Nachrichten aus der Tierklinik. - © Symbolfoto: Pixabay
Traurige Nachrichten aus der Tierklinik. © Symbolfoto: Pixabay

Bielefeld. Die Ignoranz mancher Hundehalter ist wirklich erstaunlich: Auf allen Kanälen warnen Tierärzte und Tierschützer seit Jahren davor, Tiere der Sommerhitze auszusetzen. Und doch gibt es immer noch Tierbesitzer, die offenbar keine Ahnung haben, was sie ihrem Hund antun, wenn sie ihn bei Hitze im Auto lassen oder glauben, dass Sport bei den aktuellen Temperaturen sein muss.

Auch bei der Bielefelder Tierklinik wird man deshalb nicht müde, zu warnen: "Schont eure Hunde bei Hitze. Kein Sport, kein Radfahren, keine Gänge in der Mittagszeit, viel Wasser, ganz viel Ruhe. Es ist noch kein Tier gestorben, weil eine Gassirunde ausgefallen ist", raten die Experten. Trotz aller Warnungen musste das Team in den letzten Tagen mehrere Hunde mit Hitzschlag behandeln.

"Wir haben alles Menschenmögliche getan", heißt es weiter. Doch nicht alle Hundeleben konnten gerettet werden. "Das hinterlässt uns unfassbar traurig. Gönnt euren Hunden einfach Ruhe oder frühmorgens und spätabends eine kleine Runde am Wasser."

Ab 43°C akute Lebensgefahr

Das Problem mit Hunden und Hitze: Die meisten Rassen haben dichtes Fell, außerdem können Hunde nicht am Körper schwitzen. Die wenigen Schweißdrüsen an den Pfoten zur Regulation nicht aus. Hunde regulieren ihre Körpertemperatur bei Hitze durch Hecheln: Mit offenem Fang und lang heraushängender Zunge atmen sie schnell und flach - bis zu hundertmal schneller als bei normaler Atmung. Durch den Wasserverlust über die Atemluft wird dabei Wärme abgegeben.

Ist der Hund hohen Temperaturen ausgesetzt und kann die überschüssige Wärme nicht schnell genug abgeben, droht ein Hitzschlag. Bei einem Hitzschlag steigt die Körpertemperatur auf über 40°C, der Hund trocknet aus und entwickelt ein Hirnödem. Ab 40°C Körpertemperatur bekommt der Hund Kreislaufbeschwerden. Über 43°C Körpertemperatur besteht akute Lebensgefahr.

Fenster einschlagen oder nicht?

Neben den so genannten belastungsinduzierten Hitzschlägen durch lange Spaziergänge, Laufen am Fahrrad oder Hundesport bei hohen Umgebungstemperaturen oder in der prallen Sonne ist das Einsperren der Tiere im Auto bei direkter Sonneneinstrahlung mit Abstand der häufigste Grund für die meist tödlich verlaufenden Hitzschläge, heißt es beim Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH).

Doch was tun, wenn man einen gefährdeten Hund in einem Auto entdeckt? "Halten Sie zunächst nach dem Besitzer Ausschau", raten die Experten des VDH. Handle es sich um einen Supermarktparkplatz oder um einen Parkplatz bei einer öffentlichen Veranstaltung, solle der Fahrzeughalter umgehend ausgerufen werden.

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Sei es nicht möglich, den Besitzer auszurufen, sollten Feuerwehr oder Polizei benachrichtigt werden, die das Tier befreien können. Befinde sich der Hund aber schon in akuter Lebensgefahr, müsse er sofort befreit werden. Unter Berücksichtigung von §228 BGB (Notstand) und §34 StGB (Rechtfertigender Notstand) erscheine in einem solchen Fall das Einschlagen einer Fahrzeugscheibe durchaus angemessen, sofern das Hundeleben akut bedroht ist, so der VDH.

Dennoch stelle das Einschlagen der Fahrzeugscheibe eine Sachbeschädigung dar und könne unter Umständen rechtliche Konsequenzen haben. "Daher sollten Sie die Situation mit der Handykamera vorher kurz dokumentieren. Sollten Sie kein Handy dabei haben, ziehen Sie andere Passanten hinzu, die später als Zeugen über die Situation aussagen können. Und rufen Sie in jedem Fall trotzdem die Polizei hinzu! Zeigen Sie den Halter an!"

Diese Rassen sind besonders gefährdet

Besonders gefährdet sind die sogenannten brachycephalen Rassen, also Hunde mit kurz gezüchteten Nasen wie etwa Mops, englische und französische Bulldoggen oder Pekinesen. Durch ihre stark verkürzten Nasen mit verkleinerten Nasenmuscheln und verengten Nasenlöchern ist die Fähigkeit zur Wärmeabgabe durch Hecheln reduziert. "Bei diesen Rassen reichen schon kleinste Belastungen und es kommt zum Hitzschlag", heißt es in der Tierklinik. Bei allen Fällen, die jüngst in Bielefeld behandelt wurden, handelte es sich übrigens um ebendiese kurznasigen Rassen.

Eine Studie aus Israel zur Untersuchung des Vorkommens von Hitzschlag bei Hunden habe zudem ergeben, dass neben den brachycephalen Rassen auch der Labrador Retriever, der Golden Retriever und der Malinois besonders gefährdet sind, einen Hitzschlag zu erleiden.

Erste Anzeichen einer Überhitzung

• starkes Hecheln

• Unruhe

• langgestreckter Hals, weit heraushängende Zunge

• der Hund sucht nervös nach einer Möglichkeit, ins Kühle zu gelangen

Symptome bei Hitzschlag

• schnelle, flache Atmung

• Herzrasen

• hochrote Schleimhäute

• Taumeln

• evtl. Erbrechen, Durchfall

• starker Speichelfluss

• Teilnahmslosigkeit

• hohe Körpertemperatur über 40°C

Am Ende stehen Kreislaufkollaps und Schock

• blasse, trockene, evtl. bläulichen Schleimhäute

• Krämpfe, Zittern

• Bewusstlosigkeit, Koma

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