EinschulungMit diesen Tipps lernt jeder Erstklässler die Gefahren im Verkehr

Kurz vorm Schulstart haben mehr als 3.000 angehende Erstklässler und ihre Eltern noch einiges zu tun. ADAC, Verkehrswacht und Polizei geben nützliche Tipps für einen sicheren Schulweg.

Jens Reichenbach

Es ist höchste Eisenbahn, um den neuen Schulweg mit den Eltern zu trainieren. Kommende Woche geht es schon los. - © Symbolfoto: picture alliance / dpa
Es ist höchste Eisenbahn, um den neuen Schulweg mit den Eltern zu trainieren. Kommende Woche geht es schon los. © Symbolfoto: picture alliance / dpa

Bielefeld. Mitte der Woche beginnt für mehr als 3.000 Kinder in Bielefeld ein neues Leben: Die Schule beginnt. Für die Eltern ist jetzt höchste Zeit, die Erstklässler auf die Schwierigkeiten und Lösungen beim Weg zur Schule aufmerksam zu machen. Aber auch auf Schulwechsler kommt viel Neues zu. Deshalb rät Polizeisprecher Michael Kötter, frühzeitig mit dem Training zu beginnen.

Sofort starten

„Falls noch nicht geschehen, sollten Sie mit dem Training in den verbleibenden Ferientagen beginnen", sagt Kötter. „Auch wenn Ihr Kind sehr selbstständig ist, trainieren Sie den Schulweg mehrfach." Je nach Strecke sind fünf bis zehn Einheiten, raten Experten.

Morgens trainieren

Das Training sollte an die Schulzeiten gekoppelt stattfinden – am besten morgens um 8 Uhr. Ein Wochenende mit geringem Verkehrsaufkommen kann höchstens als Einstiegstraining dienen. Das gilt ebenso für die öffentlichen Verkehrsmittel und das richtige Verhalten an Haltestellen.

Gefahren besprechen

Die beiden zukünftigen Erstklässler Amy und Luca üben mit der Mama von Amy das richtige Verhalten auf dem Schulweg und das richtige Überqueren einer Straße. - © Symbolfoto: picture alliance / dpa
Die beiden zukünftigen Erstklässler Amy und Luca üben mit der Mama von Amy das richtige Verhalten auf dem Schulweg und das richtige Überqueren einer Straße. (© Symbolfoto: picture alliance / dpa)

Die Polizei betont: „Oft erkennen Grundschüler gefährliche Situationen oder Geschwindigkeiten gar nicht, weil ihnen noch Erfahrungen und Verständnis fehlen." Verkehrssicherheitsexperten raten, die Kinder deshalb gezielt auf Besonderheiten oder Gefahrenstellen entlang des Schulwegs anzusprechen. Aber man sollte die Kinder auch nicht unnötig verängstigen. „Zeigen Sie ihnen, wie sie die Gefahren gut umgehen können."

Vorbild sein

Nur was geübt werde, könnten Kinder auch umsetzen, sagen die Verkehrssicherheitsberater der Polizei. Besonders das positive Vorbild der Erwachsenen sei hier gefordert, damit Kinder nicht das Fehlverhalten anderer kopieren." Wer ein wenig Selbstdisziplin übt, könne effektiv helfen, Unfälle zu vermeiden.

Welche Gefahren gibt es?

Vor allem das richtige Überqueren der Straße sollte intensiv geübt werden. Denn Kinder können Geschwindigkeiten von Autos noch nicht gut einschätzen. Sie haben ein kleineres Sichtfeld und lokalisieren die Geräusche ihrer Umwelt noch nicht gut. Auch parkende Autos am Straßenrand sind eine Gefahr. „Erwachsene sollten deshalb öfter in die Hocke gehen, um die Sichthindernisse der Kleinen zu erleben." Dazu gehören auch Hecken und Mülltonnen.

Reicht es mitzugehen?

Anfangs ja. An der Hand von Erwachsenen passen Kinder zwar meistens gut auf. Doch dadurch überschätzen viele Eltern ihre Fähigkeiten später, sagt die Verkehrswacht. „Kinder reagieren spontan und kaum berechenbar."

Der beste Weg

Der kürzeste Weg ist nicht immer der sicherste, sagt der ADAC. Oft sind kleine Umwege, die zu Ampeln und Zebrastreifen führen, sinnvoller. Die Stadt Bielefeld hat für alle Grundschulen Schulwegpläne ausgearbeitet. Sie führen meist direkt zu Kreuzungen, die durch Ampeln die größte Sicherheit versprechen.

Eile vermeiden

Wer sich sputen muss, erhöht die Unfallgefahr. Unter Zeitdruck lässt die Aufmerksamkeit nach. Wer aber früh aufsteht und ausgeschlafen ist, geht sicherer zur Schule.

Langsamere Verarbeitung

Mit sechs Jahren benötigen Kinder deutlich mehr Zeit, um eine Straße zu überqueren: „Während Erwachsene gleichzeitig an den Gehwegrand treten, Geräusche lokalisieren und die beiden Fahrspuren nach Autos absuchen, können das Grundschulkinder all das nur nacheinander", wissen Verkehrsexperten.

Anhaltende Autos weiterwinken

Außerdem sollten Kinder Autofahrer, die netterweise anhalten, weiterwinken, betont die Polizei. „Denn man kann nie ganz sicher sein, ob nicht andere Fahrer trotzdem zufahren." Eine große Gefahr.

Ab wann geht es alleine?

Experten raten, Schüler in den ersten Tagen noch zu begleiten. Bald sollte man die Selbstständigkeit der Kinder fördern und sie einen Teil der Strecke alleine gehen lassen. „Nach mehrmaligem Üben kann der Schüler Mama oder Papa führen und ihm den Weg erläutern", rät die Verkehrswacht. Später könnten Eltern den Kindern mit Abstand folgen: „Erst wenn sich die Kinder unbeobachtet wähnen, lässt sich feststellen, ob sie sich wirklich an die Absprachen halten." Achtung, oft nimmt die Konzentration rapide ab, wenn andere Kinder dazukommen!

An dunkle Tage denken

Mit Reflektoren und Warnwesten sind die Kinder im Dunkeln 150 Meter früher zu sehen als ohne. - © Polizei
Mit Reflektoren und Warnwesten sind die Kinder im Dunkeln 150 Meter früher zu sehen als ohne. (© Polizei)

Kinder sollten möglichst gut erkennbar auf den Schulweg gehen. Gerade im Herbst und Winter ist es nicht nur morgens dunkel. Durch reflektierende Elemente oder Warnwesten sind die i-Dötze deutlich früher zu erkennen. „Autofahrer erkennen Fußgänger mit reflektierender Kleidung 150 Meter früher als diejenigen ohne", sagt Kötter.

Bitte nicht hinfahren

Die Polizei rät dringend davon ab, Kinder mit dem Auto zur Schule zu bringen. Die Unfallgefahr vor den Schulgebäuden wird durch den unübersichtlichen Bring- und Abholverkehr deutlich größer. Viele Schulen haben zur Verbesserung der Sicherheit „Elternhaltestellen" abseits der Schultore eingerichtet. Hier halten die Autofahrer nur kurz und werfen die Schüler raus.

Selbstständigkeit fördern

Wer aufs Elterntaxi verzichtet, fördert übrigens auch die Selbstständigkeit der Kinder. Wer stets gefahren wird, lernt schlechter, Entfernungen abzuschätzen und Gefahren zu erkennen. Studien besagen, dass Autokinder eher gefährdet sind, in einen Unfall verwickelt werden.

Noch nicht Radeln

Wer jetzt denkt, Schulanfänger sind auf dem Fahrrad sicherer aufgehoben, liegt auch nicht richtig, sagt die Polizei: „Kinder sollten während der Grundschulzeit zunächst die Fahrradprüfung ablegen und erst danach zur Schule radeln." Die Fahrradprüfung, bei der die Vorfahrtsregeln und das richtige Umgucken gelernt werden, finden in der 3. oder 4. Klasse statt.

Erstmals Bus und Bahn

Wer auf eine weiterführende Schule kommt, muss oft das erste Mal längere Strecken mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigen. Daher gilt auch für Fünftklässler eine Trainingsempfehlung: „Sowohl das richtige Verhalten an Haltestellen wie auch die Fahrt selbst sollten geübt werden", sagt Polizeisprecher Kötter.

Kostenloses Bus-Training

Der Verkehrsverbund „OWL Verkehr" bietet für Bus und Bahn das kostenlose „ElternKindTicket" an. Der Fahrschein berechtigt im August zu einer einmaligen Hin- und Rückfahrt eines Erwachsenen in Begleitung eines Kindes. Die Nutzungsbedingungen finden sie hier.

Appell an die erwachsenen Verkehrsteilnehmer

„Nehmen Sie als Auto-, Motorrad- und Radfahrer mit Ihrer Erfahrung Rücksicht auf die Kleinsten und haben Sie Geduld."

Polizei-Experten

Weitere Infos und Kontakt zu den Verkehrssicherheitsberatern der Polizei finden sich auf der Homepage der Polizei Bielefeld.