MedienberichteTönnies unter Verdacht: Separatorenfleisch in Geflügelwurst?

Der Forscher Stefan Wittke hat im Auftrag von NDR und "Spiegel" 30 Geflügelwurstprodukte untersucht. Das sind seine Ergebnisse.

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Neun von 30 Geflügelwurst- und Geflügelfleischproben sollen positiv auf Separatorenfleisch getestet worden sein (Symbolbild). - © picture alliance / dpa Themendienst
Neun von 30 Geflügelwurst- und Geflügelfleischproben sollen positiv auf Separatorenfleisch getestet worden sein (Symbolbild). © picture alliance / dpa Themendienst

Hamburg/Rheda-Wiedenbrück. Nach Recherchen von NDR und "Spiegel" steht Deutschlands größter Schlachtkonzern Tönnies zusammen mit anderen Betrieben unter Verdacht, in Geflügelwurstprodukten Separatorenfleisch zu verarbeiten, ohne dies wie gesetzlich vorgeschrieben zu kennzeichnen. Hierfür hätten Laboruntersuchungen des Bremerhavener Hochschulprofessors Stefan Wittke "konkrete Indizien geliefert", teilt der NDR mit. Der Forscher habe ein neues Verfahren entwickelt, um diese Zutat in Wurstprodukten nachzuweisen.

Separatorenfleisch wird erzeugt, indem grob zerkleinerte Knochen mit Fleischresten durch Lochscheiben hindurchgepresst werden. Knochensplitter und Knorpelteile bleiben hängen, alle weichen Teile wie etwa Muskulatur, Fett und Bindegewebe oder auch Rückenmark werden abgepresst. Die breiartige Masse koste nur Centbeträge pro Kilogramm, so der NDR.

NDR und "Spiegel" hatten 30 Geflügelwurst- und Geflügelfleischproben verschiedener Hersteller zur Prüfung in Blindtests eingereicht. Neun davon seien positiv getestet worden - darunter vier Bio-Wurstwaren. Unter den 20 Wurstproben sei fast jede zweite positiv gewesen, so der NDR in einer Mitteilung. Dagegen habe sich bei den untersuchten zehn Aufschnittproben mit Stückfleisch aus Filet, Kassler oder Braten kein Indiz für Separatorenfleisch gefunden.

"Fünf der neun positiv getesteten Produkte wurden von der in Böklund ansässigen Zur Mühlen Gruppe hergestellt, die zur Tönnies-Unternehmensgruppe gehört", so der NDR. Ebenso seien zwei Produkte des Herstellers Franz Wiltmann (Versmold) sowie je ein Produkt der Hersteller Wiesenhof und der Mecklenburger Landpute GmbH unter den Positivfällen. Verkauft worden seien diese Waren unter Markennamen wie Gutfried, Edeka Bio, Rewe Bio oder Rewe Beste Wahl. Nirgends sei "Separatorenfleisch" auf der Verpackung angegeben.

Tönnies streitet ab

Die Sprecher dreier Firmen, die zur Tönnies Holding gehören, haben nach Angaben des NDR den Einsatz von Separatorenfleisch abgestritten. Außerdem hätten sie die Aussagekraft der Untersuchungsmethode angezweifelt. Auch Wiesenhof habe mitgeteilt, dass in der betroffenen Geflügel-Mortadella kein Separatorenfleisch enthalten sei. Auch Wiesenhof hat laut NDR die Untersuchungsmethode in Zweifel gezogen. Eine Wiltmann-Sprecherin und eine Sprecherin der Mecklenburger Landpute GmbH haben nach Angaben des NDR ebenfalls erklärt, kein Separatorenfleisch einzusetzen.

Über das Thema berichten die ARD-Sendung "Panorama" (NDR) am Donnerstag, 23. Juni, um 21.45 Uhr im Ersten sowie die Dokureihe "45 Min: Geheimsache Wurst - was essen wir da?" am Montag, 27. Juni, um 22 Uhr im NDR Fernsehen. Anschließend sind die Sendungen in der ARD-Mediathek zu sehen.

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