RegionDas Spezial zur Landtagswahl: Was Wähler in OWL wissen müssen

Die Landtagswahl in NRW rückt näher. Wie stellen sich die Parteien in der Region auf? Was ist bemerkenswert? Ein Blick hinter die Kulissen des Urnengangs.

Matthias Bungeroth, Ingo Kalischek

Wer wird aus OWL in den nächsten Landtag von Nordrhein-Westfalen einziehen? Das entscheidet sich am kommenden Sonntag. - © picture alliance
Wer wird aus OWL in den nächsten Landtag von Nordrhein-Westfalen einziehen? Das entscheidet sich am kommenden Sonntag. © picture alliance

Bielefeld/Düsseldorf. 15 Wahlkreise und 124 Kandidierende – das ist, in dürren Zahlen ausgedrückt, die Ausgangslage vor der NRW-Landtagswahl 2022, bezogen auf Ostwestfalen-Lippe. Einige Parteien stehen vor großen personellen Umbrüchen mit neuen und jungen Kandidierenden; andere setzen auf alte Bekannte. Wie gut die Chancen für die OWL-Politiker stehen, was sie beruflich machen und welche Persönlichkeiten sich aus der Landespolitik zurückziehen, zeigt unser großer Überblick.

Ziele der Parteien

Mit der Zielsetzung „9 plus x" geht die SPD in OWL in den Wahlsonntag. Will heißen: Mindestens neun der 15 zu vergebenen Mandate wollen die Sozialdemokraten direkt gewinnen und so zur stärksten politischen Kraft zwischen Teutoburger Wald, Wiehen- und Eggegebirge werden. Das Durchschnittsalter der Kandidierenden liegt bei 44 Jahren.

Die Grünen in OWL wollen sich kräftig verstärken. Seit 2017 waren sie mit drei Politikerinnen und Politikern im Landtag vertreten, künftig sollen es sechs sein. „Wir würden uns gerne verdoppeln", sagt dazu Martine Denkner, Geschäftsführerin der OWL-Grünen.

Die FDP strebt an, auch künftig mit vier OWL-Abgeordneten in der Landeshauptstadt vertreten zu sein. Die CDU aus der Region ist derzeit mit acht Abgeordneten vertreten und will diese Position gerne ausbauen, wie Bezirksgeschäftsführer Hubert Kleinemeier sagt. Landtagsabgeordneter Daniel Sieveke sagt augenzwinkernd: „Alle Kandidaten der CDU in OWL haben es verdient, dem nächsten Landtag von NRW anzugehören. Daher ,wollen’ wir alle Wahlkreise gewinnen."

Die CDU stellt mit Landtagspräsident André Kuper den derzeit einzigen Ostwestfalen mit einem offiziellen Amt in Düsseldorf. Sämtliche Ministerinnen und Minister stammen aus anderen Regionen. Doch immerhin kommt Andreas Bothe (FDP), Staatssekretär im Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, aus Bielefeld.

Urgesteine sagen Tschüss

Mit Sigrid Beer muss die Region OWL künftig auf eine feste Größe in der Landespolitik verzichten. Die 66-jährige Bildungspolitikerin aus Paderborn zieht sich nach 17 Jahren aus der Düsseldorfer Politik zurück. Auch der Bielefelder Politiker Matthi Bolte-Richter (Grüne), der Herforder FDP-Kreisvorsitzende Stephen Paul und CDU-Politikerin Kirstin Korte (Minden-Lübbecke) treten nicht wieder an.

Vor einem regelrechten Umbruch steht auch die sogenannte „Teutonen-Riege" im Landtag – die OWL-SPD. Nicht wieder ins Rennen gehen für sie Jürgen Berghahn aus Lippe, der mittlerweile in den Bundestag eingezogen ist, sowie Regina Kopp-Herr, Georg Fortmeier (beide Bielefeld), Angela Lück (Kreis Herford) sowie Ernst-Wilhelm Rahe (Kreis Minden-Lübbecke). Zu den erfahrenen Landespolitikern unter den Kandidierenden gehören Christian Dahm (Wahlkreis Herford I), der stellvertretende Fraktionsvorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion, Thorsten Klute (Wahlkreis Bielefeld III – Gütersloh I) oder Dennis Maelzer (Wahlkreis Lippe III).

Die jungen Wilden

Stefan Schneidt (Wahlkreis Gütersloh II), Vorsitzender der Jusos im Kreis Gütersloh, ist 21 und studiert in Bielefeld Politikwissenschaften und Rechtswissenschaften. Er beweist, dass das Thema „Klima" auch in der SPD verankert ist. „Die Stadt Gütersloh war mal Solarstadt Nummer eins. Nicht nur Gütersloh, sondern der ganze Kreis muss wieder an die Spitze", ist eines seiner Ziele.

Rachel Hasler aus Verl ist 24 und im dortigen Rat bereits Fraktionsvorsitzende. Die ehemalige Wettkampfschwimmerin und studierte Politikwissenschaftlerin ist kämpferisch. Sie sagt: „Politik wird heute viel zu oft völlig halbherzig gemacht – das möchte ich ändern." Sie kandidiert im Wahlkreis Gütersloh III. Drittjüngste ist die 29-jährige Nora Wieners, (Wahlkreis Höxter).

Jüngstes Mitglied des Landtags will auch ein Liberaler werden: Leo Knauf (Wahlkreis 92 Bielefeld ) ist 20 Jahre alt und bereits jüngstes Mitglied im Bielefelder Stadtrat. Er studiert Sozialwissenschaften und Englisch in Bielefeld. Für die FDP steht er auf Listenplatz 68.

Nicht viel älter ist CDU-Kandidat Tom Brüntrup (24), der ebenfalls neu im Bielefelder Rat ist und jetzt im Wahlkreis 93 Bielefeld II antritt.

Die Grünen ziehen mit zwei U-30-Kandidierenden ins Rennen: Julia Eisentraut (29 Jahre) tritt im Wahlkreis Lippe I an und der ebenfalls 29-jährige Marvin Reschinsky tritt im Wahlkreis Herford I an.

Berufe neben der Politik

Es gibt auch ein Leben neben der Politik, wie ein Beispiel zeigt. Matthi Bolte-Richter will nach vielen Jahren als Politiker nun etwas anderes ausprobieren – und in Kiel ein Start-up aufbauen: einen Fahrrad-Kurierdienst.

Bereits in einem veritablen Unternehmen in Leitungsposition unterwegs ist Klaus Hansen, CDU-Kandidat im Wahlkreis Lippe I. Der 53-jährige Familienvater ist seit 26 Jahren Leiter der Adlerwarte Berlebeck.

Von der Mode in die Politik: Diesen nicht alltäglichen Weg hat Ellen Stock, SPD-Kandidatin im Wahlkreis Lippe I, hinter sich. Die staatlich geprüfte Bekleidungstechnikerin arbeitete bereits bei verschiedenen großen Modeherstellern. Sie ist seit 2017 direkt gewählte Landtagsabgeordnete.

Marc Lürbke ist gelernter Bankkaufmann, ehemaliger Börsenhändler, studierter Kultur- und Sprachwissenschaftler und Hauptmann der Reserve bei der Bundeswehr. Der Paderborner gehört seit 2012 für die FDP dem NRW-Landtag an und ist Fachmann für Innenpolitik.

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