Schloß Holte-StukenbrockElefanten im Safariland leben in einer Senioren-WG - woran das liegt

Der Zoo in Stukenbrock unterstützt und ist selbst Teil weltweiter Schutzprogramme. Die Situation in den Ursprungsländern vieler Tiere ist dramatisch.

Sigurd Gringel

Der Zoologische Leiter, Markus Köchling, füttert eine Afrikanische Elefantenkuh. Im Safariland Stukenbrock leben vier ehemalige Zirkuselefantenkühe in einer Senioren-WG. - © FOTO: Anja Tewisina
Der Zoologische Leiter, Markus Köchling, füttert eine Afrikanische Elefantenkuh. Im Safariland Stukenbrock leben vier ehemalige Zirkuselefantenkühe in einer Senioren-WG. © FOTO: Anja Tewisina

Schloß Holte-Stukenbrock. Zoodirektor Markus Köchling bringt es auf den Punkt: „Ohne Zoos nichts los." Das gelte insbesondere für den Tier- und Artenschutz. Artensterben ist zwar ein natürlicher Prozess und läuft auch ohne den Menschen ab, aber das jetzige Massensterben ist überwiegend menschengemacht. Forscher sprechen vom sechsten Massensterben in der Erdgeschichte. Eine geringe Artenvielfalt gleicht einem kranken Organismus. Ohne das Zusammenspiel von Zoos und Schutzgebieten stünde es noch viel schlechter um die Wildtiere auf dem Planeten, davon ist Markus Köchling überzeugt.

„Viele Menschen sind sich über die Ausmaße nicht bewusst", sagt der Zoologische Leiter des Safarilandes Stukenbrock. Ihm geht es darum, Arten zu erhalten, Populationen aufzubauen und zu stärken und gegebenenfalls Tiere wieder auszuwildern. Ein Zoo allein kann das nicht bewältigen, und deshalb arbeiten Zoos vor allem bei der Zucht zusammen. Der Artenschutz ist länderübergreifend straff organisiert.

"Für viele Wildtiere ist die Situation katastrophal"

Das Safariland unterstützt seit Jahren den Verein „Go for Rhino", der gegen die Nashorn-Wilderei in Südafrika ankämpft, finanziell. Wilderer schneiden den Tieren die Hörner bei lebendigem Leib ab. Vorwiegend in Asien werden sie zu Pulver verarbeitet und als Heilmittel verkauft. Dabei besteht das Horn nur aus dem Protein Keratin. Wie Fingernägel und Haare; sie sind medizinisch wirkungslos. „Für viele Wildtiere ist die Situation in ihren Ursprungsländern katastrophal", sagt Markus Köchling.

Der europäische Zoo-Dachverband hat 2019 in Ruanda Spitzmaulnashörner ausgewildert. Daran war das Safariland zwar nicht direkt beteiligt, auf der Reise machten die Helfer aber Station bei Markus Köchling, der damals noch in Hannover wohnte, um eine Pause auf dem schwierigen Nashorn-Transport zu machen. Wo soll man sonst mit Nashörnern übernachten?

Elefanten leben in einer Senioren-WG

In Stukenbrock lebt seit acht Jahren das Breitmaulnashorn Snoopy. Mittlerweile ist der Bulle 53 Jahre alt und eines der ältesten Breitmaulnashörner in Europa. Snoopy kam damals nicht nur ins Safariland, um die betagte Buffy, die mittlerweile gestorben ist, aufzuheitern. Der Zoo Dortmund schuf mit der Abgabe Platz für Jungtiere in einem europäischen Erhaltungszuchtprogramm – und das mit Erfolg.

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Eine weitere Senioren-WG im Safariland bilden die Elefanten. Auch nicht zufällig. Das Elefantenhaus ist ein Altenheim für alte Afrikanische Zirkuselefanten. Die Kühe Didi, Mausi, Baby und Benji leben zurzeit am Mittweg, Babys werden sie nicht mehr bekommen. Das Safariland unterstützt zudem in Kenia den Sheldrick Wildlife Trust. Die Organisation ist weltweit führend in der Rettung und Aufzucht von Elefantenwaisen. In Kenia kennt sich Markus Köchling aus, zu Organisationen hält er guten Kontakt. „Ich kenne alle Artenschutzprojekte dort persönlich." Das Geld komme 1:1 dort an, wo es gebraucht werde, versichert er.

Die Zusammenarbeit geht über finanzielle Unterstützung hinaus. In deutschen Zoos werden zum Beispiel Ranger für ihre Arbeit in Afrika ausgebildet. Sie lernen hier, wie man Strauße aufzieht oder Nashörner transportiert. Wie Tiere versorgt und gepflegt werden.

Nur noch 7.000 Geparden

Ein aktives Zuchtprogramm betreibt das Safariland mit den Geparden. In freier Wildbahn gibt es geschätzt nur noch 7.000; in SHS leben aktuell fünf. In den vergangenen fünf Jahren hat das Safariland 25 Gepardenbabys mit fünf anderen Zoos zusammen gezüchtet und abgegeben. Es ist ein Beitrag, die Art zu erhalten. Sogar aus Namibia gab es eine Anfrage, die Zuchtprogramme zu vernetzen und so Teil des internationalen Zuchtprogramms für Geparden zu werden, das in Afrika geführt wird. Die Zucht der weißen Tiger und Löwen pausiert momentan, weil das Safariland die Jungtiere aktuell nicht in anderen Zoos unterbringen kann.

Einen Wunsch hat Markus Köchling für die Zukunft: Er würde sich gern im Safariland Stukenbrock den Traum eines großen Luchsgeheges erfüllen und Tiere für deutsche Zoos züchten. Das geht nicht ohne Geldgeber.

Die Artenschutzkampagne in Zoos ist so komplex, dass sie nicht im Alleingang funktionieren kann. Um Synergien zu nutzen, hat sich nun der Landeszooverband NRW gegründet. Das Safariland ist Gründungsmitglied. Es ist ein Zusammenschluss aus Mitgliedern der Deutschen Tierpark-Gesellschaft, des Deutschen Wildgehege-Verbandes und des Verbandes der Zoologischen Gärten. Also nur zertifizierte Zoos, Tier- und Wildparks. Der neue Verband soll die Interessen bündeln und der Öffentlichkeit und der Politik vermitteln.

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