Folge des Ukraine-KriegesJodtabletten in Apotheken in NRW ausverkauft: 4 Gründe gegen die Einnahme

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine werden die Tabletten gekauft. Warum das nicht nur unnötig, sondern auch gefährlich ist.

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Jodtabletten sollen die Bevölkerung im Fall eines Reaktorunfalls vor Schilddrüsenkrebs schützen. Sie müssen aber nicht vorsorglich gekauft werden. - © Rainer Jensen/dpa
Jodtabletten sollen die Bevölkerung im Fall eines Reaktorunfalls vor Schilddrüsenkrebs schützen. Sie müssen aber nicht vorsorglich gekauft werden. © Rainer Jensen/dpa

Düsseldorf (dpa/anwi/jw). Angesichts der gestiegenen Nachfrage nach Jodtabletten wegen des Ukraine-Krieges sind die Präparate in den nordrhein-westfälischen Apotheken derzeit ausverkauft. „Leider wird gerade alles gekauft, was Jodid enthält", sagte der Vorsitzende des Apothekerverbandes Nordrhein, Thomas Preis der Rheinischen Post. Hersteller und der Großhandel seien auf die große Nachfrage nicht vorbereitet gewesen. Unter den Lieferengpässen leide nun die Regelversorgung von Patienten, die wegen Schilddrüsenerkrankungen Jodid benötigten, sagte Preis.

In der Ukraine liegt unter anderem das ehemalige Atomkraftwerk (AKW) Tschernobyl, das von russischen Einheiten eingenommen worden ist. Am AKW Saporischschja hatte es nach Kampfhandlungen gebrannt.

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Aus Angst vor einem atomaren Notfall kaufen seit Tagen nun auch immer mehr Menschen in NRW Jodtabletten. Diese dienen nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) bei einem nuklearen Unfall als Schutz vor einer Einlagerung von radioaktivem Jod in der Schilddrüse. Experten warnen allerdings vor der Einnahme. Vier Gründe, warum man die Tabletten nicht präventiv einnehmen sollte:

Jodüberschuss ist gesundheitsgefährdend

Bei der NRW-Verbraucherzentrale hieß es, eine vorbeugende Einnahme von jodhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln oder Jodtabletten sei „weder nötig noch sinnvoll". Ein dauerhafter Jodüberschuss könne die Gesundheit gefährden und unter anderem zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen.

Die Tabletten helfen nicht

Die Tabletten, die derzeit gekauft werden sind laut Stefan Fink, Vorstandsmitglied des Deutschen Apothekerverbands, zu gering dosiert. Die Dosierung liege im Mikrogrammbereich, erklärte er in einem Interview mit dem "Spiegel". Bei atomarer Bestrahlung aber sei eine Dosierung im Milligrammbereich nötig, um das Tausendfache höher.

Tabletten werden im Erstfall von Behörden verteilt

Nur sehr hoch dosierte Jodtabletten könnten demnach bei einer nuklearen Katastrophe vor Schilddrüsenkrebs schützen. Diese Tabletten würden im Notfall über die Katastrophenschutzbehörden verteilt. „Niemand muss also einen eigenen Vorrat an Tabletten anlegen", so die Zentrale. Die Menschen dürften die hoch dosierten Tabletten erst nach ausdrücklicher Aufforderung der Behörden und in der vorgeschriebenen Menge einnehmen.

Horten ist unsolidarisch gegenüber denen, die die Tabletten brauchen

„Unser Appell ist: Bitte nur Jodidtabletten kaufen, wenn es medizinisch notwendig ist", sagt Preis. „Das ist ja auch ein solidarischer Gedanke. Man kann nicht einfach Tabletten kaufen und in den Schrank legen, wenn man sie doch gar nicht braucht."

Wie lange die Lieferengpässe andauern, sei noch unklar. Erste Hersteller hätten jedoch bereits signalisiert, dass die Tabletten in der nächsten Woche wieder nachgeliefert werden könnten.

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