ArbeitsweltMenstruationsurlaub für Frauen: In welchen Ländern es ihn schon gibt

Viele Frauen haben während ihrer Periode mit heftigen Schmerzen zu kämpfen. So manche Nation setzt deshalb auf spezielle Urlaubstage. Ist das auch eine Option für Deutschland?

Peter Heidbrink

Nicht selten leiden Frauen während ihrer Periode unter starken Krämpfen im Unterleib. - © picture alliance / dpa Themendienst
Nicht selten leiden Frauen während ihrer Periode unter starken Krämpfen im Unterleib. © picture alliance / dpa Themendienst

Etwa alle vier Wochen bekommen Frauen ihre Periode. Damit verbunden sind oftmals starke Krämpfe im Unterbauch, die bis in den Rücken ausstrahlen können. Auch Übelkeit und Durchfall sind keine Seltenheit. In so manchen Ländern gibt es deshalb spezielle Urlaubstage für Frauen – „menstrual leave" – Menstruationsurlaub. Je nach Land variieren die Ausgestaltung und die Anzahl der Tage. Im deutschsprachigen Raum, also in Deutschland, Österreich und der Schweiz, gibt es eine solche Regelung bisher aber noch nicht. Hier können sich Frauen bei besonders starken Schmerzen lediglich arbeitsunfähig schreiben lassen.

Vor allem im asiatischen Raum ist der Menstruationsurlaubsanspruch verbreitet. Er wird aus Scham allerdings immer seltener beansprucht, wie ein Bericht von CNN zeigt. Denn Frauen empfinden es dort oft als unangenehm, mit den männlichen Arbeitgebern über die weibliche Menstruation zu sprechen, die eigentlich als natürlich gelten sollte. „Es ist sehr privat und vor allem in Japan ist das immer noch ein Tabu – wir wollen mit keinem Mann darüber reden", erklärt Sachimi Mochizuki gegenüber CNN.

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Dabei besteht Japans Periodenurlaubsanspruch dem Bericht zufolge schon seit mehr als 70 Jahren und hat laut lokalen Medien anfangs auch eine relativ hohe Akzeptanz und Nutzung erfahren – etwa 26 Prozent der Frauen sollen das Angebot im Jahr 1965 genutzt haben. Eine Umfrage der japanischen Regierung aus dem Jahr 2017 zeigt: Nur 0,9 Prozent der weiblichen Arbeitnehmerinnen nimmt den Menstruationsurlaub in Anspruch. Dieser Abwärtstrend zeigt sich dem Bericht zufolge auch in Südkorea, wo die Art von Urlaubstagen im Jahr 1953 eingeführt wurde. Eine Umfrage im Jahr 2013 ergab, dass 23,6 Prozent den Menstruationsurlaub genutzt haben. 2017 waren es nur noch 19,7 Prozent.

Kulturelle Unterschiede und Druck der Frauen

Das ist vor allem damit zu erklären, dass die Unternehmen in Japan die Frauen zwar einen Tag pro Monat wegen ihrer Menstruation gehen lassen müssen, sie müssen sie aber nicht grundsätzlich für diesen Tag bezahlen. Außerdem werde die Art von Urlaub auch normalerweise nicht von Unternehmen beworben, so dass viele Frauen von dem Angebot gar nichts wüssten, sagt Yumiko Murakami, Head of the Organisation for Economic Co-operation and Development's (OECD) Tokyo Center.

Auch kulturelle Unterschiede sind in Japan und Südkorea dafür verantwortlich. So würden viele Frauen aufgrund des großen Lohnunterschiedes zu Männern jede Art der Abwesenheit vermeiden, heißt es in dem Bericht. Außerdem gilt die Periode dort generell als sensibles Thema. So würden Tampons beim Kauf vom Verkäufer in eine Papiertüte gepackt, als ob sie etwas wären, das versteckt werden müsse, sagt Murakami.

Regeln höchst unterschiedlich

Die Regeln zum Menstruationsurlaub sind höchst unterschiedlich. In einem Bericht der Neuen Zürcher Zeitung ist zu lesen, dass Frauen in Indonesien ein Anrecht auf zwei Tage pro Periode haben, in Taiwan auf drei und in Südkorea bekommen Frauen sogar Geld ausgezahlt, wenn sie ihren Menstruationsurlaub nicht beanspruchen. Auch in Sambia soll es seit 2015 einen gesetzlichen Anspruch auf einen freien Tag pro Monat aufgrund von Menstruationsbeschwerden geben. Darüber hinaus gibt es auch in manchen chinesischen Provinzen, in einzelnen Firmen weltweit – beispielsweise in Indien – eine Menstruationspolitik.

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Die Situation in Europa ist allerdings schwieriger. Verschiedenen Medienberichten zufolge hatte es 2017 einen Gesetzesentwurf in Italien gegeben, in dem ein Menstruationsurlaub von bis zu drei Tagen gefordert wurde. Betroffene hätten hierfür nur einmal pro Jahr ein Attest eines Arztes vorlegen müssen. Letztlich wurde der Vorschlag nach einer umfangreichen Debatte abgelehnt. Die Begründung: Diese Tage seien sexistisch und Frauen könnten dadurch als schwächere Arbeitnehmer angesehen werden. Ein Antrag in Russland konnte sich 2013 ebenfalls nicht durchsetzen.

In mehreren Städten Spaniens gibt es seit 2021 den Beschluss, dass sich Frauen einmal im Monat aufgrund ihrer Periodenbeschwerden frei nehmen dürfen, wie das Emotion-Magazin berichtet. Die Bedingung sei allerdings, dass die Arbeit an einem anderen Tag nachgeholt werde.

Bisher keine Regelung für Deutschland in Sicht

In Deutschland kommt die Diskussion rund um den Menstruationsurlaub seit 2020 phasenweise immer mal wieder im Zuge einzelner Berichte über Firmen auf, die ein solches Angebot eingeführt haben. Getan hat sich bislang aber nichts. Grünen-Politikerin und Bundestagsabgeordnete Kirsten Kappert-Gonther hatte sich gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) 2020 grundsätzlich für menstruationsfreundlichere Arbeitsbedingungen ausgesprochen. Ihr ging es dabei aber nicht um zusätzliche Urlaubstage, sondern um eine „flexible und unbürokratische Freistellung für diejenigen, die betroffen sind”.

Arbeitsrechtlerin Ilka Schmitt hatte hier erklärt, dass die Durchsetzung eines Menstruationsurlaubs in Deutschland schwer sei. Wenn so ein Gesetz eingeführt würde, könnten sich dadurch andere Arbeitnehmer diskriminiert fühlen, hatte Schmitt zu bedenken gegeben.

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