RegionTierschützer sind erfolgreich: Verzicht auf Ponyreiten bei Kirmes im Kreis

Die Betreiberin sagt ihre Teilnahme unter dem Druck der Tierschützer ab. Die Initiative „Achtung für Tiere“ verzichtet nun auf eine Demo. Auch in Halle gibt es kein Ponyreiten beim Nikolausmarkt.

Burkhard Hoeltzenbein

Tierschützer gehen immer häufiger erfolgreich gegen Ponyreiten vor. Sie beklagen Tierquälerei. - © picture alliance/imageBROKER
Tierschützer gehen immer häufiger erfolgreich gegen Ponyreiten vor. Sie beklagen Tierquälerei. © picture alliance/imageBROKER

Rheda-Wiedenbrück. Der am Freitag beginnende dreitägige Andreasmarkt wird erstmals seit 40 Jahren ohne Ponykarussell stattfinden. Der Verein „Achtung für Tiere" hat sich jetzt im Streit um ein Verbot durchgesetzt. Nachdem die Aktivistinnen und Aktivisten des Tierwohlvereins ihr Ziel „Kirmes ohne Ponyleid" erreicht haben, verzichten sie nun auf die ursprünglich geplante Demonstration auf dem Jahrmarkt.

Ponykarussellbetreiberin kann sich nicht durchsetzen

Am Kooperationsgespräch für die Demo mit Ordnungsamt, Polizei und Ponykarussellbetreiberin habe die Ponykarussellbetreiberin noch teilgenommen und versucht, dem Verein den Einsatz von Transparenten verbieten zu lassen. „Sie konnte sich aber nicht durchsetzen", erklärt Vereinsvorsitzende Astrid Reinke. Bereits früher habe die Betreiberin vergeblich versucht, dem Verein die Verwendung von Begriffen wie „Ponykarussell", „Tierquälerei oder „Tierleid" in Veröffentlichungen im Zusammenhang mit dem Ponyreiten untersagen zu lassen.

Fünf Tage nach dem Ortstermin erhielt Reinke von der Polizei die Nachricht, dass die Betreiberin ihre Teilnahme an der Kirmes zurückzieht. „Wir wären zum ersten Mal beim Andreasmarkt dabei gewesen und hatten gar nicht damit gerechnet auf Anhieb knapp 20 Personen zu sein", sagte Reinke. Auch Aktive von Bielefeld Animal Save hätten sich angemeldet.

"Kein Tier geht freiwillig stundenlang im Kreis"

„Kein Tier geht freiwillig stundenlang im Kreis, nicht einmal minutenlang", erklärt Reinke, warum sich ihr Verein gegen diese "Attraktion" einsetze. Ponykarussells seien Tierquälerei. Kindern dürfe man so etwas gar nicht erst beibringen, erklärt die Tierärztin. „Der Missbrauch der Tiere wird mit „leuchtenden Kinderaugen" gerechtfertigt. Aber Kinder wollen nicht, dass Tiere leiden", erklärt sie weiter. Jedes Kind sehe ein, dass stundenlanges Kreislaufen für ursprünglich selbstbewusste, lebensfrohe, temperamentvolle Tiere Quälerei bedeute, sagt Reinke, die sich für Tierschutz in der Bildung engagiert und auch Pädagogin ist.

"Man darf das nicht fördern"

Diese Form der Tierausnutzung dürfe der Mensch nicht fördern. "Wenn die Tochter plötzlich Spaß daran hat, andere Kinder zu treten, dann lässt man sie ja auch nicht gewähren", argumentiert Reinke. Es sei traurig, dass Rheda-Wiedenbrück diese antiquierte Tierquälerei noch zugelassen habe. Das Leid von Pferden werde leicht unterschätzt, weil meist kein Blut fließe. „Aber auch Foltermethoden hinterlassen oft keine offensichtlichen Spuren. Und dass Pferde als „Schlachttiere" gelten, weiß auch kaum jemand", erklärt die Aktivistin. Vielen droht nach einem oft qualvollen Leben auch noch ein qualvoller Tod, vielleicht nach einem langen Transport ins Ausland.

Zweite Absage nach der Michaeliskirmes

Die Absage des Ponykarussells in Rheda schließt sich an das Wegbleiben eines anderen Ponykarussellbetreibers vom Michaelismarkt in Gütersloh an. Auch dort konnte "Achtung für Tiere" elf Demonstrationen absagen. Auf Nachfrage erhielt der Verein bereits von der Stadt Halle die Antwort, dass die Stadt dort beim Nikolausmarkt auf das Ponykarussell verzichten werde. „Wie es aussieht, werden wir unsere Mitdemonstrierenden das nächste Mal erst wieder in Versmold bei Sünne Peider treffen", kündigt Tierärztin Astrid Reinke schon einmal an.

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