RegionBenzin horten nach Preisexplosion? Wie Sie Kraftstoff lagern dürfen

Die steigenden Spritpreise bringen den oder anderen auf die Idee, Kraftstoff zu horten. Doch was ist dabei erlaubt und worauf muss geachtet werden?

Jan-Henrik Gerdener

So sollte das heimische Benzinlager nicht aussehen. - © Pixabay
So sollte das heimische Benzinlager nicht aussehen. © Pixabay

Bielefeld. Der Dieselpreis erreichte in der vergangenen Woche ein Allzeithoch in Deutschland. 1,560 Euro betrug der bundesweite Schnitt, sagt Ralf Collatz vom ADAC. Im gleichen Zeitraum stieg der Preis für Super auf 1,671 Euro. Auch dort ist das Allzeithoch fast erreicht. Die seit Wochen steigenden Preise könnten den ein oder anderen auf den Gedanken bringen, Benzin oder Diesel zu Hause zu horten, so lange es noch günstig – oder zumindest weniger teuer – ist. Aber ist das überhaupt erlaubt?

„Der Gesetzgeber erlaubt es grundsätzlich, Kraftstoffe daheim zu lagern", sagt Collatz. Er ist Pressesprecher für den Bereich OWL bei Europas größtem Verkehrsclub, dem ADAC. „Es gibt aber Unterscheidungen und Vorschriften je nach Lagerort."

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In einer Garage, die nicht größer als 100 Quadratmeter groß ist, dürften demnach 20 Liter Benzin oder 200 Liter Diesel gelagert werden. „Die höhere Dieselmenge deshalb, weil dieser nicht so leicht entzündlich und damit weniger brandgefährlich ist", so Collatz. In Kellerräumen wiederum dürften insgesamt nur maximal 20 Liter brennbare Flüssigkeit gelagert werden, unabhängig davon, wie viele Hausparteien den Keller nutzen. Also wenn sich mehrere Mieter einen Keller teilen, dürfen sie zusammen nur 20 Liter Benzin oder Diesel lagern. In Wohnungen selbst darf „höchstens ein Liter Benzin oder andere brennbare Flüssigkeiten mit einem Flammpunkt unter 21 Grad gelagert werden, beispielsweise Waschbenzin", sagt Collatz. Wo das Lagern gar nicht geht: in Durchgängen, Treppenhäusern und Fluren oder Dachräumen.

Wie soll Kraftstoff zu Hause gelagert werden?

In jedem Fall sollte der Kraftstoff kühl und dunkel gelagert werden. Darüber hinaus sollte er in verschlossenen, bruchsicheren und nicht brennbaren Behältern aufbewahrt werden. Aber selbst darin sollten Benzin und Diesel maximal nur ein Jahr gelagert werden. Das werde von der ARAL-Forschung empfohlen, sagt Collatz. Und was noch zu beachten sei: „Im Winter eingelagerte Kraftstoffe sollten wegen der unterschiedlichen Additive nicht im Sommer und umgekehrt eingefüllt werden." Mit Additiven sind zusätzlich beigefügt Chemikalien gemeint, die im Winter zum Beispiel die Fließfähigkeit des Kraftstoffs gewährleisten sollen.

Wer sich nun tatsächlich entscheidet, Kraftstoff in Reservekanister abzufüllen und im Eigenheim zu lagern, sollte die Kanister idealerweise nicht im Auto transportieren. „Der ADAC empfiehlt die Mitnahme von Reservekanistern nicht", sagt Collatz. Erlaubt ist es aber trotzdem. Pro Kanister dürfte das in Deutschland aber nicht die Menge von 60 Litern überschreiten, so Collatz. Insgesamt dürften in einem Fahrzeug auch nicht mehr als 240 Liter mitgenommen werden. Verwendet werden dürfen nur fest verschließbare und bruchsichere Behälter. Diese sollten „idealerweise im Kofferraum transportiert und unbedingt entsprechend mit Spanngurten oder Ähnlichem gesichert werden".

Und noch ein letzter Hinweis: Wer sich auf vermeintlich günstigeren Tanktourismus in einem Nachbarland einlassen will, sollte sich vorab genau informieren. „Die Vorschriften unterscheiden sich von Land zu Land", sagt Collatz. „Im Allgemeinen wird empfohlen, nicht mehr als 10 Liter im Reservekanister mitzuführen. In der Schweiz müssen Mengen über 25 Liter verzollt werden, in Luxemburg ist die Verwendung eines Reservekanisters grundsätzlich verboten." Also auf jeden Fall vorher schauen, welche Regeln gelten.

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