RegionSturm "Ignatz" trifft OWL: Hunderte Feuerwehreinsätze und Bahnchaos

Das Sturmtief wirbelte vor allem den Zugverkehr zeitweise durcheinander. Die Sturmböen in Ostwestfalen-Lippe brachten es auf bis zu 102 km/h.

Matthias Bungeroth

Etliche Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn fielen am Donnerstag aus. - © picture alliance/dpa
Etliche Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn fielen am Donnerstag aus. © picture alliance/dpa

Düsseldorf. Das Sturmtief „Ignatz" hielt, was Meteorologe Friedrich Föst angekündigt hatte. Mit teils orkanartigen Böen wehte der erste Herbststurm 2021 durch das Land und sorgte dabei insbesondere im Bahnverkehr für viel Trubel.

Stundenlang musste der Fernverkehr unterbrochen werden. Gegen 16 Uhr sagte eine DB-Sprecherin: „Das Unwetter verzieht sich gen Osten. Das Schlimmste ist geschafft."

Die NRW-Landesregierung meldete in einer ersten Bilanz rund 370 Einsätze der Feuerwehr und 36 Verkehrsunfälle mit vier Leichtverletzten.

Die Feuerwehr ist auf der L723 im Einsatz. Hier blockiert zwischen Wilden, einem Ortsteil der Gemeinde Wilnsdorf, und Gilsbach ein durch den Sturm umgewehter Baum die Fahrbahn. Die Straße war kurzzeitig voll gesperrt. - © picture alliance/dpa
Die Feuerwehr ist auf der L723 im Einsatz. Hier blockiert zwischen Wilden, einem Ortsteil der Gemeinde Wilnsdorf, und Gilsbach ein durch den Sturm umgewehter Baum die Fahrbahn. Die Straße war kurzzeitig voll gesperrt. (© picture alliance/dpa)

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Zugreisende brauchten den ganzen Tag noch viel Geduld, um ans Ziel zu kommen. „Es kann immer noch zu Verzögerungen kommen", warnte die Bahn. Auch Nahverkehrszüge waren zeitweise beeinträchtigt, hier aber laut Auskunft der Bahn insbesondere im Raum Köln, Bonn und Düsseldorf.

Spitzenwert in Wünnenberg-Haaren

Doch wo waren in Ostwestfalen-Lippe die Orte mit den heftigsten Sturmböen? Föst klärt auf: In Wünnenberg-Haaren wurde mit 102 km/h sogar eine dreistellige Spitzengeschwindigkeit erreicht, in Büren-Ahden 99 km/h und in Warburg immerhin noch stolze 91 Kilometer pro Stunde. Im Durchschnitt hatten die Sturmböen in OWL eine Spitzengeschwindigkeit von 75 bis 90 km/h, wie Föst erläutert.

Mit Sorgen blickten die Experten des Landesbetriebs Wald und Holz NRW auf die Lage. „Wir warnen vor dem Betreten der Wälder", sagte eine Sprecherin auf Anfrage dieser Zeitung. Es könne überall in den Baumkronen lose Äste geben, die auch in den kommenden Tagen noch herabfallen könnten. „Das ist nicht zu unterschätzen. Hier besteht durchaus Lebensgefahr." Deshalb sei auch in den kommenden Tagen viel Vorsicht bei Spaziergängen geboten. Der Blick müsse häufig nach oben gehen. Die Sprecherin unterstreicht: „Man geht auf eigene Gefahr in die Wälder."

Landesweit gab es zahlreiche Einsätze von Feuerwehr und Polizei, die umgestürzte Bäume entfernen und unsichere Gebiete zeitweise absperren mussten, so wie in Essen, wo ein Metallkreuz von einer Kirchturmspitze geweht wurde und zwischenzeitlich an einem Blitzableiter festhing.

In OWL stürzten einige Bäume um, so in Bad Oeynhausen, wo durch einen solchen Baum zwei geparkte Autos beschädigt wurden. Verletzt wurde dabei niemand. Im Kreis Minden-Lübbecke kam es darüber hinaus zu einigen Einsätzen wegen umgekippter Absperrungen an Baustellen.

In Völkersbach in Baden-Württemberg fiel ein Baum auf einen 64-Jährigen und verletzte ihn lebensgefährlich, so die Polizei. In der Gemeinde Schwentinental in Schleswig-Holstein beschädigte nach Angaben der örtlichen Feuerwehr ein Tornado mehrere Häuser, Verletzte gab es nicht.

Auf der Mosel bei Koblenz in Rheinland-Pfalz drückte eine Böe ein Flusskreuzfahrtschiff gegen den Pfeiler einer Eisenbahnbrücke. Schiff und Brücke wurden laut Polizei beschädigt, die 180 Passagiere und Besatzungsmitglieder blieben unverletzt. Das Schiff konnte seine Fahrt fortsetzen. Bei Cochem an der Mosel riss der Sturm ein Rotorblatt einer Windkraftanlage ab.

Schäden bald anzeigen

Sturmschäden an Häusern sind nach Angaben der Verbraucherzentrale NRW von der Gebäudeversicherung gedeckt. Der Rat der Experten: „Entstandene Schäden sollten der Versicherung möglichst bald angezeigt werden." Voraussetzung für die Leistung der Versicherung ist demnach, dass es sich um ein Sturmereignis gehandelt haben muss. „Stürmisch ist es ab Windstärke 8. Das entspricht einer Windgeschwindigkeit von 62 Stundenkilometern", so die Verbraucherzentrale.

Nach den Versicherungsbedingungen reicht es den Verbraucherschützern zufolge, wenn eine Wetterstation in der Nähe eine hohe Sturmstärke gemessen hat oder auch Häuser in der Nachbarschaft ebenfalls beschädigt wurden. Fürs kommende Wochenende gibt Meteorologe Föst Entwarnung: „Es kommt teilweise sonniges Herbstwetter."