Corona-RegelnMaskenpflicht an NRW-Schulen soll ab 2. November entfallen

RKI-Präsident Lothar Wieler kritisierte am Mittwoch die Aufhebung der Maskenpflicht in Schulen, wie es sie etwa in Berlin und Bayern bereits gab.

Carolin Nieder-Entgelmeier

Die NRW-Landesregierung hat eine Lockerung der Maskenpflicht in Schulen in Aussicht gestellt. - © picture alliance/dpa
Die NRW-Landesregierung hat eine Lockerung der Maskenpflicht in Schulen in Aussicht gestellt. © picture alliance/dpa

Düsseldorf. Die Landesregierung in NRW stellt den 2,5 Millionen Schülern im Land eine Lockerung der Maskenpflicht ab dem 2. November in Aussicht. Mit dem Beginn der zweiten Woche nach den Herbstferien soll nach dem Willen der Landesregierung die Maskenpflicht im Unterricht entfallen, wenn es das Infektionsgeschehen nach den Ferien zulässt. Masken müssten dann nur noch im Schulgebäude getragen werden, wenn Schüler oder Personal nicht an festen Plätzen sitzen.

Nach Angaben des Schulministeriums werden am 25. Oktober, dem ersten Schultag nach den Herbstferien, sowie am 2. November, dem Tag nach Allerheiligen, zum Unterrichtsbeginn alle Schüler sowie das gesamte Schulpersonal auf das Coronavirus getestet, die nicht immunisiert sind oder die keinen aktuellen negativen Corona-Schnelltest vorlegen. Ab dem zweiten Schultag sollen die Corona-Tests dann bis Weihnachten in den üblichen Abständen erfolgen. An weiterführenden Schulen werden drei Mal pro Woche Schnelltests durchgeführt und an Grund- und Förderschulen zwei Mal pro Woche PCR-Pooltests.

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Mit der geplanten Lockerung der Maskenpflicht reagiert NRW nach Angaben von Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) auf die steigende Impfquote und der sinkenden Zahl neuer Corona-Infektionen. "Die Infektionslage hat sich in den vergangenen Wochen spürbar verbessert", sagt Gebauer.

Nach der wöchentlichen Umfrage zum Schulbetrieb des Schulministeriums geht die Zahl der Corona-Infektionen unter Schülern weiter zurück: Am 22. September meldeten die Schulen 4.780 (0,25 Prozent) bestätigte Fälle sowie 7.581 Schüler in Quarantäne (0,4 Prozent). Am 29. September waren es noch 3.925 (0,20 Prozent) bestätigte Fälle und 6.262 Schüler (0,3 Prozent) in Quarantäne.

NRW folgt mit den Plänen vielen anderen Bundesländern, die die Maskenpflicht in Schulen bereits gelockert oder komplett abgeschafft haben oder nach den Herbstferien beenden. Wissenschaftler und Lehrerverbände kritisieren das Vorgehen als verfrüht. Ihnen gegenüber stehen die niedergelassenen Kinderärzte in Deutschland, die bereits seit längerem die Rückkehr zur Normalität für Kinder fordern. Das sind ihre Positionen:

Wissenschaftler

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, kritisiert, dass immer mehr Bundesländer die Maskenpflicht in Schulen lockern oder beenden: „Das entspricht nicht unseren Empfehlungen." Wieler sieht keinen Anlass, zumindest bis zum Frühjahr 2022 an der Empfehlung zu Corona-Schutzmaßnahmen an Schulen, Kitas und in Alten- und Pflegeheimen zu rütteln.

Im Herbst und Winter sei wegen der Zunahme von Kontakten in Innenräumen auch mit steigenden Infektionszahlen zu rechnen. Man sei wegen des Risikos von Langzeitfolgen unverändert der Ansicht, „dass wir Kinder zu schützen haben". „Wir wollen, dass Kitas und Schulen auf bleiben, aber bitte unter Beibehaltung von Schutzmaßnahmen." Dieser Einschätzung schließen sich viele weitere Wissenschaftler an.

„Noch vor den Ferien zu entscheiden, die Maskenpflicht an Schulen aufzuheben, grenzt für mich an Dummheit", sagte Virologe Ulf Dittmer, Direktor des virologischen Instituts der Universitätsklinik Essen, der WAZ. „Wir kennen die Situation nach den Ferien. Wir wissen, dass es nach Urlaubsreisen einen erheblichen Eintrag des Virus gegeben hat, der immer auch Schulen und Kitas getroffen hat."

„Bei der hohen Anzahl an Nicht-Geimpften, und hierzu zählen die Kinder, halte ich diese Entscheidung für verfrüht – und ehrlich gesagt auch für ziemlich dumm", sagte Virologin Melanie Brinkmann, Professorin am Institut für Genetik an der Technischen Universität Braunschweig der Rheinischen Post.

Lehrer

Viele Lehrerverbände befürchten, dass ein Ende der Maskenpflicht den Schulbetrieb gefährden könnte. „Nun geht es darum, dass die Schüler in den Schulen kontinuierlich lernen können. Deswegen ist es richtig, nach den Ferien zunächst vorsichtig zu starten. Denn es gilt, Quarantänen zu vermeiden und den Unterrichtsbetrieb zu gewährleisten", sagt der NRW-Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Stefan Belau. "Unsere Kinder und Jugendlichen haben es nach der ganzen Zeit mehr als verdient, in Schule gemeinsam zu lernen – wenn möglich, auch ohne Maske."

Auch der Philologenverband NRW ist froh, dass die Landesregierung zumindest einen kleinen zeitlichen Puffer nach den Herbstferien eingebaut hat. Nach Angaben der Vorsitzenden Sabine Mistler muss das Infektionsgeschehen nach den Herbstferien und damit nach der Rückkehr vieler Urlauber mittels Tests genau beobachtet werden. Erst dann dürfe entschieden werden, ob die Maskenpflicht entfallen kann, sagt Mistler.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft NRW mahnt nach Angaben von Geschäftsführer Michael Schulte ebenfalls zur Vorsicht. Schulte hält eine Entscheidung vor den Herbstferien für übereilt: „Wir sind noch in der Pandemie." Über die Frage der Maskenpflicht könne man immer noch im November entscheiden.

Die Gewerkschaft Lehrer NRW bezeichnet das Vorgehen als riskant. Nach Angaben von Sprecher Jochen Smets zeigt die Erfahrung aus dem vergangenen Jahr, dass die Corona-Infektionszahlen im Herbst noch einmal deutlich steigen könnten. Zudem seien bei Kindern und Jugendlichen die Inzidenzwerte im Vergleich zu anderen Altersgruppen nach wie vor hoch und die Impfquote niedrig. „Klar ist: Alle am Schulleben Beteiligten wünschen sich eine schulische Normalität ohne Maske – allerdings ist der Zeitpunkt 2. November zu früh. Viele Lehrkräfte haben die Sorge, dass die Infektionszahlen an den Schulen hochschnellen könnten", ergänzt der Vorsitzende Sven Christoffer.

Mediziner

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte begrüßt die Entscheidung, da sich die Mediziner, ebenso wie der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, schon länger gegen eine generelle Fortführung der Maskenpflicht an Schulen aussprechen. Kinder haben nach Angaben von Verbandssprecher Jakob Maske genug gelitten. Laut Maske haben Kinder lange zurückgesteckt und Rücksicht auf ältere Altersgruppen genommen. „Jetzt ist endlich wieder Zeit, normalen Unterricht zu machen, normal durch Mund und Nase atmen zu können, ohne dass hier eine Beschränkung durch die Maske da ist", sagte der Berliner dem Deutschlandfunk.

Natürlich würden sich Viren dadurch wieder schneller verbreiten, sagte Maske. „Aber wir sind wenig besorgt, weil Kinder sehr, sehr, sehr selten wirklich schwer erkranken." Sie sollten aber weiter durch Impfungen des Schulpersonals und der Lehrer geschützt werden. „Wann wollen wir denn zur Normalität zurückkehren? Wollen wir jetzt immer Maske tragen?" Infektionen gebe es immer. Corona sei für diese Altersgruppe relativ harmlos. „Wir wollen das nicht herunterspielen, es gibt einzelne schwere Verläufe, gar keine Frage, aber es ist ein im Moment für Kinder harmloser Infekt."

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Politiker

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist davon überzeugt, dass auch ohne Maskenpflicht in Schulen regelmäßige Corona-Test zwei- bis dreimal die Woche für Sicherheit sorgen können. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) äußert zudem Verständnis für Schüler. „Das Tragen von Masken beeinträchtigt einen normalen Unterricht und ist für die Schüler belastend", sagte sie der Rheinischen Post. „Allerdings muss bei einer Lockerung der Maskenpflicht weiter oder sogar vermehrt in den Schulen getestet werden."

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